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N° 8–2017: Zweiter Copernicus-Satellit für Farbaufnahmen gestartet

7 March 2017

Heute wurde der von der ESA entwickelte Satellit Sentinel-2B gestartet, wodurch die optischen Abbildungskapazitäten der Sentinel-2-Mission für das Umweltüberwachungssystem Copernicus der Europäischen Union verdoppelt werden.

Der 1,1 Tonnen schwere Satellit wurde um 2.49 Uhr MEZ (6. März um 22.49 Uhr Ortszeit) an Bord eines Vega-Trägers von Europas Raumflughafen in Kourou in Französisch-Guayana aus gestartet. Die Abtrennung der ersten Stufe erfolgte 1 Minute und 55 Sekunden nach dem Start, gefolgt von der zweiten Stufe (3 Minuten und 39 Sekunden), der Nutzlastverkleidung (3 Minuten und 56 Sekunden) und der dritten Stufe (6 Minuten und 32 Sekunden).

Nach zwei weiteren Zündungen setzte die Oberstufe der Vega den Satelliten in der anvisierten sonnensynchronen Umlaufbahn aus und trennte sich nach einer Flugzeit von 57 Minuten und 57 Sekunden von Sentinel-2B ab.

Kurz darauf stellten die Flugkontrolleure im Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt die Telemetrieverbindungen her und sorgten für die Lageregelung, womit nun die Aktivierung der Systeme des Sentinel-Satelliten in die Wege geleitet werden kann, nachdem seine Solarzellenpaneele bereits ausgefahren wurden.

Nach dieser ersten Start- und Einsatzerprobungsphase, die üblicherweise drei Tage dauert, beginnen die Kontrolleure mit der Überprüfung und Kalibrierung der Instrumente im Hinblick auf die Einsatzerprobung des Satelliten. Der Betriebsteil der Mission dürfte in drei bis vier Monaten anlaufen.

„Mit diesem Start wurde das Copernicus-Programm, bei dem es sich um das weltweit ausgeklügeltste Erdbeobachtungssystem handelt, einen weiteren Schritt nach vorn gebracht. In den kommenden Monaten soll die Konstellation dann noch um zwei weitere Satelliten, Sentinel-5P und Sentinel-3B, erweitert werden“, so ESA-Generaldirektor Jan Wörner.

Die optische Abbildungsmission Sentinel-2 beruht auf einer Konstellation aus zwei baugleichen Satelliten, dem bereits im Juni 2015 gestarteten Satelliten Sentinel-2A sowie dem Satelliten Sentinel-2B, die zwar separat gestartet, jedoch, durch 180° getrennt, in dieselbe Umlaufbahn eingebracht werden. Alle fünf Tage decken beide Satelliten alle Landoberflächen, großen Inseln sowie Binnen- und Küstengewässer zwischen 84° südlicher und 84° nördlicher Breite ab, wodurch der globale Erfassungsbereich und die Übermittlung von Daten optimiert werden.

An Bord jedes Satelliten befindet sich eine innovative hochauflösende Multispektral-Kamera mit 13 Spektralbändern, die eine neue Bildperspektive für Landoberflächen und Vegetation bieten. Die Kombination aus hochauflösenden, neuartigen Spektralkapazitäten, einem Sichtfeld von 290 km und regelmäßigen Überflugzeiten wird ungekannte Aufnahmen der Erde ermöglichen.

Die Daten dieser Mission werden effizientere Verfahren in der Landwirtschaft, die Überwachung von Wäldern, die Erfassung von Umweltverschmutzungen in Seen und Küstengewässern und die Erstellung von Karten für das Katastrophenmanagement ermöglichen.

„Ich war von Anfang an in das Copernicus-Programm eingebunden und habe zu seiner Entwicklung beigetragen, weshalb es für mich besonders befriedigend ist, dass die Satellitenkonstellation nun Daten für Dienste bereitstellt, von denen wir schon immer geträumt haben“, so der ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme Josef Aschbacher. „Mit dem heutigen Start von Sentinel-2B bekommt Sentinel-2A seinen Zwilling im All, was alle fünf Tage eine weltweite Abdeckung mit dem hochauflösenden Sensor in 13 Spektralbändern ermöglicht – eine beispiellose Leistung in dieser Satellitenkategorie. Jetzt, wo die Konstellation vollständig ist, warte ich mit Spannung auf die vielen neuen Anwendungen von Sentinel-2.“

Der Kern des EU-Umweltüberwachungsnetzes Copernicus wird aus sechs Familien von Sentinel-Satelliten bestehen. Als Vorzeigeinitiative der EU in der Raumfahrt soll Copernicus operationelle Angaben zu den Landoberflächen, den Ozeanen und der Atmosphäre der Erde zur Unterstützung der Gestaltung der Umwelt- und Sicherheitspolitik liefern und dem Bedarf der Bürger und der Diensteanbieter gerecht warden.

Über die ESA

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), Europas Tor zum Weltraum, ist eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation, deren Aufgabe darin besteht, europäische Raumfahrtkapazitäten zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Investitionen in die Raumfahrt den Bürgern in Europa und anderswo zugutekommen.

Die ESA hat 22 Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Slowenien ist assoziierter Mitgliedstaat.

Außerdem arbeitet die ESA förmlich mit sechs EU-Mitgliedstaaten zusammen. Im Rahmen eines Kooperationsabkommens nimmt auch Kanada an bestimmten ESA-Programmen teil.

Dank der Koordinierung der Finanzressourcen und Kompetenzen ihrer Mitgliedstaaten kann die ESA Programme und Tätigkeiten durchführen, die weit über die Möglichkeiten eines einzelnen europäischen Landes hinausgehen. Des Weiteren arbeitet sie eng mit der EU bei der Verwirklichung der Programme Galileo und Copernicus und mit EUMETSAT bei der Entwicklung von Meteorologiemissionen zusammen.

Die ESA entwickelt Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen, um sicherzustellen, dass Europa bei Raumfahrtvorhaben weltweit an der Spitze bleibt.

Sie entwickelt und startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums. Außerdem führt sie ein umfangreiches Anwendungsprogramm zur Entwicklung von Erdbeobachtungs-, Navigations- und Telekommunikationsdiensten durch.

 

Nähere Auskunft erteilt:

ESA-Referat Medienbeziehungen

Tel.: +33 (0)1 53 69 72 99

E-Mail: media@esa.int