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Big Data aus dem All für Anwendungen auf der Erde

20/04/2018 619 views 10 likes
ESA / Space in Member States / Austria

Die Konferenz „Global Navigation meets Geoinformation 2018“ im Darmstädter ESA-Satellitenkontrollzentrum ESOC informierte über Chancen und Herausforderungen, die mit einer steigenden Zahl an Satellitendaten aus der Erdbeobachtung im Zeitalter von Digitalisierung und Big Data einhergehen. Startups stellten vor, was Raumfahrt auf der Erde bewirken kann.

Unterstützung für Jungunternehmer

David Muchau ist eher der ungeduldige Typ. Er wollte seine kostbare Mittagspause nicht in einer Warteschlange im Restaurant oder an einer Ladenkasse verbringen müssen. Warum, fragte sich der Student, der Elektrotechnik an der TU Darmstadt studiert, dauert das alles so lange? „Über 70 Prozent der Wartezeit in einem Restaurant oder Imbiss sind nur auf den Auswahl- und Bezahlvorgang zurückzuführen“, erzählt er. Das könnte man doch auch vorab erledigen, dachte er sich. Und gründete gemeinsam mit seinem Kommilitonen Jochen Uhrich und dem Masterstudenten für Wirtschaftswissenschaften, Atilla Müfüoglu, das Startup „SkipQ“, was übersetzt so viel heißt wie die Warteschlange überspringen.

SkipQ ist eines des zehn Startups, die jährlich für die Gründerhilfe ausgesucht und im ESA BIC Darmstadt gefördert werden. Betrieben wird das Business Incubation Center (BIC) in unmittelbarer Nähe zum Darmstädter ESA-Satellitenkontrollzentrum vom cesah, dem Centrum für Satellitennavigation Hessen. Getragen wird das Centrum wiederum vom Land Hessen, der Stadt Darmstadt, der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt sowie T-Systems International und Telespazio VEGA Deutschland.

Das cesah unterstützt Jungunternehmer, die sich mit einer Geschäftsidee selbstständig machen wollen, die auf Satellitendaten beispielsweise des Galileo-Navigations- oder Copernicus-Erdbeobachtungsprogramms der ESA basiert. Wie die von David Muchau und seinen Studienkollegen – sie nutzen GPS und Galileo-Daten für ihre Handyapp. „SkipQ“ ist nicht nur eine Restaurant-Bestell-und-Bezahl-App. „Das Neue ist“, betont der TU-Student, „dass bei uns viele verschiedene Anbieter auf einer Plattform zu finden sind.“ Darunter auch Apotheken, Bäcker oder Supermärkte.“ Ein Service, den nicht nur eilige Berufstätige, sondern auch Menschen mit Behinderung nutzen könnten (www.skipq.de).

Neueste Entwicklungen

Start von „SkipQ“ soll im Juli sein. Auf der Konferenz „Global Navigation meets Geoinformationen“ am Mittwoch, 19. April, konnten sich die studentischen Gründer und weitere Startups vor über 270 Besuchern präsentieren. Raumfahrt-Experten, Vertreter von Behörden und Landesämtern, Interessierten aus Industrie und Hochschule informierten sich auf der Fachtagung im ESOC in Darmstadt über neueste Entwicklungen. Die 13. Konferenz dieser Art befasste sich diesmal mit dem Thema „Big Data aus dem All – Geodaten im digitalen Zeitalter“ . Gleichzeitig war die Tagung Auftakt in Hessen zum 15. Ideenwettbewerb „European Satellite Navigation Competition 2018“. Eingeladen hatten das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah), die ESA, das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, Hessen-IT/Digitales Hessen und GTEC, German Tech Entrepreneurship Center.

Wachstumsmarkt Raumfahrt

Als eine „hochdynamische, innovative Veranstaltung“ lobte Paolo Ferri, stellvertretender Leiter des ESOC, die jährliche Konferenz. Sie sei wichtiger Impuls für neue Ideen und zeige, welche unternehmerischen Chancen der Wachstumsmarkt Raumfahrt und der Standort Hessen und Darmstadt bieten. 18 Satelliten werden vom ESOC aus gesteuert, darunter Orbiter des Galileo-Navigationssystems und des Copernicus-Erdbeobachtungsprogramms, die eine große Rolle für die Gründerszene spielen. „Bei der Umsetzung ihrer Ideen sind Sie in Darmstadt Teil eines Winning-Teams“, so Paolo Ferri an die Adresse der Jungunternehmer. 90 Startups wurden seit der Gründung des ESA BIC 2007 in Darmstadt unterstützt. Sie haben über 500 Arbeitsplätze allein in der Region geschaffen, betonte auch Mark Weinmeister, Hessischer Staatssekretär für Europaangelegenheiten. Mittlerweile ist aus der Idee der Gründerzentren ein weit verzweigtes Netzwerk der ESA mit 18 BICs in ganz Europa geworden. Seit kurzem auch mit zwei neuen Zentren in Baden-Württemberg und dem Zusammenschluss mit Darmstadt zum ESA BIC Hessen & Baden-Würtenberg, berichtet Frank Zimmermann, Geschäftsführer von cesah.

Hilfe für Landwirte

Zwei Jahre lang werden Startups im ESA BIC gefördert – mit insgesamt 50 000 Euro Starthilfe. Die Fördersumme teilen sich für das Darmstädter Zentrum die ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie das Land Hessen. Hinzu kommen 80 Stunden technische Beratungsleistungen durch das ESOC. Diese Unterstützung hat auch das Startup „Spacenus“ erhalten, das Landwirten eine Satellitengestützte Nährstoffanalyse mit Düngekartierung anbieten will. Magdalena Antunovic und Janine Neuf arbeiten für „Spacenus“. „Wir wollen“, betont Antunovic, „dass Bauern das Potenzial ihrer Felder besser nutzen können und das nachhaltig.“ Mit der neuen Handyapp können Landwirte ein Foto aufnehmen, ein entsprechendes Satellitenbild der Felder wird angefragt und der Nährstoffgehalt der Pflanzen dort bestimmt. Eine spezifische Düngekarte zeigt dann an, was, wo und wie viel das Feld an Düngung benötigt. Die Jungunternehmerinnen und Unternehmer von Spacenus (www.spacenus.de) sind bereits mit zahlreichen Landwirten in Kontakt und tauschen sich mit ihnen aus. „Ihr Feedback fließt zurück in unser Projekt“, berichtet  Magdalena Antunovic. 2020 soll die Anwendung auf den Markt kommen.

Startups im Blick

Genau solche Ideen sind es, die Konferenzbesucher René Born von „ThalesAlenia Space“ so spannend findet und warum er zur Tagung ins ESOC gekommen ist. Er will netzwerken, Kontakte knüpfen und die „Startups im Blick behalten“, sagt er. Vielleicht ergibt sich ja daraus eine Kooperationsmöglichkeit.

Ideenwettbewerb ESNC in Hessen – Anmeldung vom 01. Mai - 31. Juli 2018

Der Wettbewerb, European Satellite Navigation Competition (ESNC), wird seit 2004 von der Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen (AZO) organisiert und seit Jahren von renommierten Partnern wie beispielsweise ESA, der Agentur für das Europäische GNSS (GSA), ESA, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit themenspezifischen Challenges unterstützt.

Im Rahmen des Wettbewerbs sucht Hessen erneut Anwendungen, die sich mit dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo oder in Kombination mit anderen Systemen wie GPS, GLONASS und EGNOS realisieren lassen. Durch die Integration Galileos in allen neuen gängigen Mobiltelefonen sowie Chips bieten sich damit für Teilnehmer umfassende neue Anwendungsfelder durch die nun verfügbare erhöhte Genauigkeit sowie Integrität. Dem hessischen Regionalsieger winkt wieder ein Geldpreis in Höhe von insgesamt 7.500 € (davon werden 3.000 € durch „Digitales Hessen“ gesponsert, 4.500 € sind eine Kofinanzierung durch die EU im Horizon 2020-programm). Neben dem Preisgeld erhält der Gewinner eine umfangreiche Unterstützung bei der weiteren Umsetzung des Geschäftsmodells (Coaching/ technische Beratung) und die Übernahme der Reisekosten zur Preisverleihung des ESNC.

Der internationale Wettbewerb richtet sich an Start-ups, Unternehmer und KMUs sowie an Forscher und Studenten – teilnehmen kann jeder. Die Ideeneinreichung erfolgt online und ist vom 1. Mai bis 31. Juli 2018 möglich. Der hessische Gewinner wird zusammen mit weiteren Regionen- und Spezialpreisgewinnern auf der feierlichen Preisverleihung des ESNC und Copernicus Masters im Dezember 2018 prämiert.

Teilnahme am Copernicus Masters in Hessen

Der Erdbeobachtungswettbewerb Copernicus Masters wird seit 2011 von der AZO GmbH im Auftrag von ESA organisiert. Prämiert werden jährlich innovative und zukunftsweisende Ideen und Geschäftskonzepte, die Erdbeobachtungsdaten im Sinne des Copernicus User Uptake für kommerzielle Zwecke und gesellschaftsrelevante Projekte nutzen. Mit mehr als 1100 eingereichten Ideen aus über 70 Ländern hat sich der Wettbewerb zum international führenden Netzwerk für innovative Erdbeobachtungsanwendungen entwickelt. Der Wettbewerb richtet sich in erster Linie an Startups und andere Unternehmen, vorrangig KMUs sowie an Forscher und Studenten. Die Ideeneinreichung erfolgt online und ist vom 1. April bis zum 30. Juni 2018 möglich. Im Dezember 2018 werden die Gewinner im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung des Copernicus Masters und des ESNC in Europa prämiert. Mehr Informationen unter: http://www.copernicus-masters.com

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