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Rettungskoordination im Satellitenkontrollraum
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Satelliten als Unterstützung für Bergrettungen

04/03/2015 886 views 4 likes
ESA / Space in Member States / Austria

Im Jahr 2014 konnten die Rettungskräfte in den österreichischen Alpen 1.780 Menschenleben retten. Ab sofort können sie bei ihrer Arbeit auf die zusätzliche Hilfe von Satelliten zählen, die ihnen den Zugriff auf Landkarten, das Senden von Nachrichten und Warnungen sowie die Aufrechterhaltung des Kontakts erleichtern.

In Zusammenarbeit mit der ESA hat die TeleConsult Austria GmbH ein internetbasiertes System entwickelt und getestet, das Satelliten- mit Hybridtechnologie kombiniert.

Durch den Einsatz der Smartphone-App Sarontar und eines Satellitenmodems könnte dieses System den traditionellen UKW-Rundfunk ersetzen, welcher sich in Bergregionen stellenweise als unzuverlässig erwiesen hat.

Satellitenmodem und Smartphone
Satellitenmodem und Smartphone

Von einem Satelliten-Kontrollraum aus übernimmt ein Team die Koordination des Rettungseinsatzes und gibt den Hilfskräften die Wegbeschreibungen zur Unfallstelle. Darüber hinaus regelt es die Nachverfolgung, Anweisung, Überwachung und Aufzeichnung des gesamten Vorgangs.

Die Anwendung Sarontar (kurz für „Situational Awareness and Command & Control of Rescue Forces in Alpine Regions“) liefert bei dieser Arbeit tatkräftige Unterstützung: Mithilfe von Backend-Software zeichnet sie den gesamten Einsatz auf; kartiert sämtliche regelmäßige, teils mit Zeitstempel versehene GPS-Positionsdaten; meldet eingehende Nachrichten und Warnungen von den Berghilfskräften vor Ort; und bildet die Daten auf einer grafischen Karte ab.

Damit geschieht die Koordination und Dokumentation eines Rettungseinsatzes an einem zentralen Ort, was der Berichterstattung über die Mission zugutekommen kann.

Datenverfolgung via Sarontar-App
Datenverfolgung via Sarontar-App

GPS-Koordinaten, die bislang von den Hilfskräften per Funk übermittelt und manuell erfasst wurden, werden von Sarontar automatisch geplottet. Darüber hinaus können eingehende Nachrichten auf die Smartphones anderer Rettungskräfte auf dem Berg umgeleitet werden.

Sämtliche während des Rettungseinsatzes gesammelten Daten werden gespeichert und sind währenddessen und auch anschließend vollständig zugänglich.

Die Satellitennavigationstechnologie ermöglicht die Echtzeit-Verfolgung der Such- und Rettungsteams in den Bergen. Erdbeobachtungsbilder liefern aktuelles Kartenmaterial und Telekommunikationssatelliten gewährleisten die Übermittlung dieser Informationen, wenn die Netzwerke am Boden nicht verfügbar sind.

Das neue System wurde kürzlich in der österreichischen Steiermark auf die Probe gestellt. Im Rahmen einer Übung rückten Rettungskräfte zu zwei simulierten Notfällen in verschiedenen Berggebieten nahe Admont aus.

Rettungsdienste im Einsatz
Rettungsdienste im Einsatz

Dabei waren Bergrettungsdienste aus sechs österreichischen Alpengebieten beteiligt, die für Notfälle in einem Umkreis von 930 Quadratmetern zuständig sind.

Weiterhin beteiligten sich etwa 50 Freiwillige, die Rettungshundestaffel, die Bergpolizei sowie die örtliche Feuerwehr.

Nachdem die Rettung erfolgreich durchgeführt werden konnte, lobten die Teams die einfache Handhabung der Smartphone-App.

Das Einsatz-Koordinationsteam kam schnell zu dem Schluss, dass es die Sarontar-App gegenüber ihrer bisherigen Kartierungsmethode bevorzugte.

Die für eingehende Notfallanrufe zuständige österreichische LAWZ (Landes-Alarm- und Warn-Zentrale) hat ab sofort direkten Zugang zum Sarontar-Satellitenkontrollzentrum und kann den örtlichen Rettungskräften, die für die jeweilige Notfallregion zuständig sind, erste Einsatzinformationen zur Verfügung stellen.

Hunde helfen bei der Suche nach Unfallopfern
Hunde helfen bei der Suche nach Unfallopfern

„Das ESA-Programm „Integrated Applications Promotion“ (IAP) hat uns dabei unterstützt, den Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden, den Kontakt mit Benutzergruppen zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, das System während der Pilotphase eingehend zu testen und anzuwenden“, sagte Claudia Fösleitner von der TeleConsult Austria GmbH.

ESA-Mitarbeiter Franc Feliciani, der bei dem Einsatz in Admont mit vor Ort war, sagte: „Sarontar gewährleistet den stabilen Kontakt zwischen Kontrollzentrum und Rettungskräften durch die Integration von terrestrischen drahtlosen und Satellitenkommunikations-Systemen.Die einfache Nachrichtenübertragung und automatische Verfolgungsfunktion sind eine großartige Unterstützung, vor allem für die Koordinationsteams von Sucheinsätzen.“

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