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Der Eisrückgang auf der südlichen Antarktis-Halbinsel
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CryoSat entdeckt plötzlichen Eisrückgang auf der südlichen Antarktischen Halbinsel

30/05/2015 1315 views 12 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Die Eismission der ESA hat kürzlich einen beschleunigten Eisrückgang in einer bislang stabilen Region der Antarktis entdeckt. 

Ohne jegliche Vorwarnung bricht seit 2009 das Eis mehrerer Gletscher an der südlichen Antarktischen Halbinsel in den Ozean, so die jüngsten Erkenntnisse eines Wissenschaftlerteams der University of Bristol. Dabei geht das Eis jedes Jahr um etwa 60 Kubikkilometer zurück.

Diese Entwicklung macht die Region zu einem der hauptverantwortlichen Faktoren für den Anstieg des Meeresspiegels in der Antarktis. In den vergangenen sechs Jahren hat dieses Eis etwa 300 Kubikkilometer zusätzliches Wasser in den Ozean gebracht. Einige der Gletscher entlang der Küste schrumpfen derzeit um ganze 4 Meter pro Jahr.

Vor 2009 hatte die 750 Kilometer lange Küste im Süden der Antarktischen Halbinsel noch überhaupt keine Anzeichen für einen solchen Wandel geliefert.

„Es scheint so, dass die Ausdünnung des Schelfeises und das Schmelzen der Gletscher unter der Oberfläche um 2009 herum einen kritischen Punkt überschritten haben und das dann den plötzlichen Eisverlust ausgelöst hat“, sagt Dr. Bert Wouters von der University of Bristol, der die Studie geleitet hat.

„Im Gegensatz zu anderen Regionen in der Antarktis ist die südliche Halbinsel allerdings noch nicht besonders umfangreich erforscht – ironischerweise genau weil es in dieser Region in der Vergangenheit keine Anzeichen für Veränderungen gab.“

Der Eisrückgang beeinflusst sogar das Gravitationsfeld der Erde
Der Eisrückgang beeinflusst sogar das Gravitationsfeld der Erde

Die Eismission der ESA hat fünf Jahre lang Messungen für diese Studie durchgeführt und dafür einen hochentwickelten Radar-Höhenmeter verwendet. Dieser kann Höhenveränderungen der Eisoberfläche sehr akkurat messen. So können Wissenschaftler Veränderungen des Eisvolumens in noch nie da gewesener Genauigkeit erfassen.

Die GRACE-Mission der ESA hat entdeckt, dass der Eisrückgang in der Region so gewaltig ist, dass er sogar das Gravitationsfeld der Erde leicht verändert hat.

„Es hat uns überrascht, dass so viele Gletscher in einer solch großen Region so plötzlich begonnen haben, ihr Eis zu verlieren. Das zeigt, dass das Inlandeis sehr schnell reagiert – in nur wenigen Jahren hat sich die dynamische Stabilität komplett verändert“, so Dr. Wouters weiter.

Klimamodelle zeigen, dass diese schlagartigen Veränderungen weder mit Schneefall noch mit der Lufttemperatur erklärt werden können. Das Forscherteam schreibt den rapiden Eisrückgang vielmehr der Erwärmung der Ozeane zu.

Viele Gletscher der Region speisen das Schelfeis, das auf der Oberfläche des Ozeans treibt und fungieren so als Vorbauten des „verankerten“ Eises an Land. Das verlangsamt das Ablaufen der Gletscher in das Meer.

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Rückgang des Eises am Boden
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Aber die Westwinde, die die Antarktis umkreisen, sind in den vergangenen Jahrzehnten wegen der Klimaerwärmung und des Ozonabbaus immer heftiger geworden. Diese stärkeren Winde drücken warmes Wasser aus dem Südpolarmeer in Richtung Pol, wo es dann die Gletscher und das auf dem Wasser treibende Schelfeis von unten wegschmilzt.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Schelfeis in der Region fast ein Fünftel seiner Dicke verloren und so die Widerstandskraft der Gletscher vermindert. Was den Wissenschaftlern mit am meisten Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass ein großer Teil des Eises der südlichen Antarktischen Halbinsel auf Felsgestein, das unter dem Meeresspiegel liegt, verankert ist. Dieses Felsgestein reicht landeinwärts immer tiefer. Das bedeutet, dass das warme Wasser die Gletscher immer weiter landeinwärts treiben und noch mehr abschmelzen wird – sogar, wenn sich die Gletscher erholen sollten.

„Um die genaue Ursache der Veränderungen bestimmen zu können, müssen wir mehr Daten sammeln. Um vorhersagen zu können, wie lange das Ausdünnen noch anhalten wird, brauchen wir unbedingt detaillierte Kenntnisse der Geometrie des lokalen Schelfeises, der Topografie des Meeresgrundes, über die Dicke des Inlandeises sowie die Geschwindigkeit, in der die Gletscher treiben“, sagt Dr. Wouters.

Die Ergebnisse wurden gestern im Magazin Science veröffentlicht.

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