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67P Tschurjumow/Gerassimenko aufgenommen von der Erde: Kometen sind wahrscheinlich die ältesten, weitgehend unverändert gebliebenen Reste einer gigantischen Staub- und Gasscheibe, aus der unser Sonnensystem vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist.
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Europas Ziel: Zur Urmaterie des Sonnensystems

22/09/2016 652 views 1 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Die geschichtsträchtige Rosetta-Mission führt uns zu einem Objekt, das 4,6 Milliarden Jahre alte Urmaterie vom Beginn unseres Sonnensystems beherbergen soll. Es geht auch um die Frage, ob Kometen einst die Bausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben. 

Weshalb sind die Kometen so interessant?

 

Kometen sind wahrscheinlich die ältesten, weitgehend unverändert gebliebenen Reste einer gigantischen Staub- und Gasscheibe, aus der unser Sonnensystem vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist. Während sich das Ausgangsmaterial, aus dem sich die Planeten und Monde einst bildeten, im Laufe der Jahrmilliarden Jahre durch geologische, chemische und biologische Prozesse ständig veränderte, müsste es bei den Kometen im Urzustand erhalten geblieben sein.

In Kometen ist die Materie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems wie in einer kosmischen Tiefkühltruhe konserviert
In Kometen ist die Materie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems wie in einer kosmischen Tiefkühltruhe konserviert

Aufgrund ihrer geringen Größe besitzen Kometen nämlich eine viel zu geringe Schwerkraft, als dass irgendwelche Veränderungen durch die eigene Schwere in ihnen stattfinden könnten. Zudem sind sie zu kalt. Geringe Veränderungen könnten lediglich durch die kosmische Strahlung an der Oberfläche bewirkt worden sein.

Mit anderen Worten: In den Kometen ist die Materie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems wie in einer kosmischen Tiefkühltruhe konserviert. Den überwiegenden Teil ihres Daseins verbringen sie in den äußeren Bereichen des Sonnensystems. Wird einer dieser Brocken durch eine Gravitationsstörung abgelenkt und gerät auf eine sonnennahe Bahn, bringt er Informationen aus einer Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren sozusagen vor unsere Haustür.

Wie alles begann 

Erste Weichen für die aufwendige Kometenmission wurden bereits im Jahr 1985 gestellt. 1993 folgte der offizielle ESA-Beschluss. Die ESA wollte gemeinsam mit der NASA Material von einem Kometen zur Erde zurückbringen. Diese Mission trug damals den Namen Comet Nucleus Sample Return (CNSR). Doch zahlreiche Veränderungen führten zu einer rein europäischen Rendezvous-Mission mit einem neuen Namen: Rosetta.

Ursprünglich waren zwei Lander vorgesehen: Champollion (Frankreich/USA) sowie Roland (ROsetta LANDer) als rein deutsches Projekt. Nach dem Rückzug der Amerikaner bauten dann Deutsche und Franzosen die 100 Kilogramm schwere Hightech-Landesonde Philae.

Entzifferung des Rosetta-Steines

Der Name Rosetta geht auf einen Stein zurück, den napoleonische Soldaten im Nildelta fanden. Er half, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern.
Der Name Rosetta geht auf einen Stein zurück, den napoleonische Soldaten im Nildelta fanden. Er half, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern.

 

Der Name der Mission geht auf einen Stein zurück, den napoleonische Soldaten 1799 während der Besetzung Ägyptens nahe des Ortes Rosetta (heute Rashid) im Nildelta fanden. Mit diesem Stein gelang es dem französischen Gelehrten Jean Francois Champollion das Geheimnis der ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern.

Auch der Name des Landegerätes Philae hat mit den Hieroglyphen zu tun. Auf der inzwischen untergegangenen Nilinsel Philae südlich von Luxor befand sich ein Obelisk, der die Namen von Kleopatra und Ptolemäus in griechischer Schrift und in Hieroglyphen enthielt. Damit konnte Champollion nachweisen, dass die Hieroglyphen einer Schriftsprache entsprechen und so die Entzifferung des Rosetta-Steines angehen. In ähnlicher Weise erhoffen sich die Planetenforscher von der Rosetta-Mission, die Ursprünge unseres Sonnensystems zu entschlüsseln. 

Wohin geht die Reise?

 

Eigentlich sollte Rosetta schon 2003 zum Kometen Wirtanen starten. Doch ein Fehlstart der Ariane 5 im Dezember 2002 zwang zu einer gründlichen Überprüfung. Das Ergebnis: Wirtanen konnte nicht mehr eingeholt werden.

Als neues Ziel entschied sich die ESA für den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Er wurde 1969 von dem ukrainischen Astronomen Klim Tschurjumow auf Fotos entdeckt, die seine Kollegin, Swetlana Gerassimenko aufgenommen hatte.

Europas Kometenjagd beginnt

 

Nach zwei Verschiebungen klappte der dritte Startversuch am 2. März 2004 reibungslos. Die Ariane 5 vollzog vom europäischen Raumflughafen in Französisch-Guayana einen Bilderbuchstart.

Die ESA-Kosten der Rosetta-Mission betragen 770 Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Landeeinheit Philae, für nationale Beiträge zu den wissenschaftlichen Experimenten sowie für die einjährige Startverschiebung, so dass die Gesamtkosten bei etwa 1,3 Milliarden Euro liegen. Deutschland als wichtigste an dieser Mission beteiligte Nation trägt dabei einen Gesamtbeitrag von 290 Millionen Euro.

1. Rosetta: Vor dem großen Finale (Special)

2. Europas Ziel: Zur Urmaterie des Sonnensystems

3. Mit Gratisenergie und Winterschlaf zum Kometen

4. Die Unwägbarkeiten der Landung

5. Pioniertat: Erste Landung auf einem Kometen

6. 67P/Tschurjumow-Gerassimenko: Ein eiskalter stinkender Brocken

7. Rosettas Leitzentrale auf der Erde

8. Das Forschungspaket des Orbiters

9. Die wissenschaftliche Nutzlast von Philae

10. Überblick: Der Komet und die Mission 

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