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Staubstrahl erwacht auf der Schattenseite
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Geheimnisvoller Staubstrahl am Kometen Churyumov-Gerasimenko

20/04/2015 2105 views 22 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Kometen schleudern Gas und Staub in den Weltraum. Das geschieht vorwiegend an sonnenbeschienenen Stellen der Kometenoberfläche.

Nun hat die OSIRIS-Kamera auf der Rosetta-Mission zufällig ein außergewöhnliches Phänomen am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko in Bildern festgehalten. Auf der Schattenseite des Kometen zeigte sich Mitte März bei Aufnahmen aus 75 Kilometern Entfernung plötzlich ein neuer Staubstrahl, dessen Ursache bisher ungeklärt ist.

"Zum ersten Mal wurde dabei auch direkt der Moment der Geburt eines neuen Staubstrahls beobachtet", sagt Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt, der die wissenschaftlichen Beteiligungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der ESA-Mission Rosetta leitet. "Diese Beobachtungen werden helfen, die bisher nicht vollständig verstandene kometare Aktivität zu entschlüsseln."

Kraft der Sonne

 

Über die vergangenen Wochen hat sich die Aktivität des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko kontinuierlich verstärkt. Durch seine weitere Annäherung an die Sonne, heizt sich die Oberfläche auf, so dass zunehmend Gas in den umgebenden Weltraum austritt und Staubpartikel mit sich reißt. Rund vier Monate sind es noch bis zur größten Annäherung an die Sonne, doch bereits jetzt ist Churyumov-Gerasimenko von einer Kometenkoma umgeben. Überall auf der Tagseite ist deutlich zu erkennen, wie Staub entweicht.

Der nun entdeckte Staubstrahl auf der Schattenseite des Kometen stellt die Wissenschaftler vor ganz neue Fragen. "Es ist schon sehr spannend darüber nachzudenken, wie denn Kometen auch auf der Schattenseite aktiv werden können", sagt Dr. Jörg Knollenberg, DLR-Kometenforscher und Wissenschaftler im OSIRIS-Team. "Allerdings ist es gut möglich, dass erste Sonnenstrahlen auf bisher im Schatten versteckte Bergklippen fielen. Es sind weitere Beobachtungen und Berechnungen notwendig, um hier eine plausible Antwort zu finden", so Knollenberg weiter.

Staubausbreitung mit acht Metern pro Sekunde

Der Komet 67P/ Churyumov-Gerasimenko aus einer Entfernung von 8km (Photo vom 14. Oktober 2014)
Der Komet 67P/ Churyumov-Gerasimenko aus einer Entfernung von 8km (Photo vom 14. Oktober 2014)

 

Die einmalige Beobachtung gibt den Wissenschaftlern auch Gelegenheit, die Staub-Ausbreitungsprozesse besser zu studieren.

"Wir analysierten die Helligkeitsschwankungen entlang des unerwarteten Staubstrahls und konnten dabei abschätzen, dass sich die Partikel mit mindestens acht Metern pro Sekunde vom Kometen entfernen", erklärt Knollenberg. Damit bestätigten sich vorangegangene Messungen zur Staubausbreitung auf der Tagseite.

Die Mission

Rosetta ist eine Mission der ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten und der NASA. Die Rosetta-Sonde wird von dem europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt aus kontrolliert.

Rosettas Lander Philae wird von einem Konsortium unter der Leitung von DLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.

Die Kamera OSIRIS

 

Die Kamera OSIRIS wurde von einem Konsortium gebaut unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (Deutschland) in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), dem Laboratoire d’Astrophysique de Marseille (Frankreich), dem Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), ESAs Scientific Support Office, dem Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), der Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), des Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institute of Computer and Network Engineering der TU Braunschweig (Deutschland). OSIRIS wurde finanziell gefördert durch die nationalen Agenturen von Deutschland (DLR), Frankreich (CNES), Italien (ASI), Spanien (MEC) und Schweden (SNSB) sowie dem ESA Technical Directorate.

Weitere Hintergründe finden Sie auf unserem Blog. 

Der Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung zur Verfügung gestellt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und ist zuerst auf der Website des DLR erschienen. 

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