Die Grand Challenge Initiative der ESA: Raumfahrt-Experten und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft treffen sich zu interdisziplinärem Erfahrungsaustausch
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Kühne Ideen und mutige Pioniere

08/07/2017 1191 views 9 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Ein Dorf auf dem Mond oder Energiegewinnung und Rohstoffabbau auf anderen Himmelskörpern? Innovative Ideen für eine neue Ära der Weltraumnutzung und Erforschung brauchen kühnen Pioniergeist und unkonventionelle, mutige Akteure. Genau hier setzt der Grand Challenge Wettbewerb der Initiative „Space 4.0“ der Europäischen Weltraumorganisation ESA an.

Neues Unternehmertum fördern

 

Grand Challenge ist ein Wettbewerb, den die ESA unter Generaldirektor Prof. Jan Wörner jüngst mit dem Ziel ins Leben gerufen hat, neue Start-up-Firmen und ein neues europäisches Unternehmertum zu fördern, das sich interdisziplinär der Lösung komplexer Fragestellungen und Probleme der Zukunft annimmt.

Partner aus der Weltraumbranche und aus ganz unterschiedlichen Wirtschafts- und Wissenschaftszweigen sollen miteinander unorthodoxe Ideen, Lösungsansätze und Herangehensweisen entwickeln - für Themen wie Mobilität, Cyber-Sicherheit, Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung oder den Abbau und die Nutzung von Rohstoffen außerhalb der Erde.  

Brainstorming: Mehr als 60 Experten diskutieren Ideen für die In-Situ Resource Utilisation (ISRU)
Brainstorming: Mehr als 60 Experten diskutieren Ideen für die In-Situ Resource Utilisation (ISRU)

Zu einem ersten Austausch über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Ressourcennutzung auf dem Mond oder auf erdnahen Asteroiden trafen sich im ESTEC-Zentrum der ESA in den Niederlanden kürzlich europäische Weltraumexperten mit Vertretern aus Industrie und Wissenschaft.

Gemeinsam diskutierten sie Ideen für die In-Situ Resource Utilisation (ISRU), die Nutzung und Verwertung von Bodenschätzen und Energiequellen direkt vor Ort und wie diese lokalen Rohstoffe für sinnvolle Produkte und Serviceleistungen eingesetzt werden könnten. Eine Herausforderung, die auch die Abhängigkeit der Menschen von der Versorgung durch die Erde beenden könnte.  

Synergien und gegenseitiges Lernen

 

In dem Expertenaustausch ging es um gegenseitiges Lernen, um Synergien und auch darum, mehr über die Problemstellungen zu erfahren, mit denen Industriezweige heute beim Ressourcenmanagement auf der Erde zu kämpfen haben. Wie könnte vor diesem Hintergrund eine mögliche Infrastruktur und der Aufbau einer Produktion auf dem Mond oder einem Asteroiden gestaltet werden?

Gibt es Sponsoren, die an der Produktion neuer Werkzeuge und Hardware interessiert sind, um die Mannschaften im Weltraum zu versorgen? Welches Wissen ist vorhanden, um neue Metalle, Feststoffe oder Oxide herzustellen? Wie sehen die Herausforderungen für die Energiegewinnung unter extremen Umweltbedingungen aus und wie lässt sich diese Energie auf dem Mond oder auf einem Asteroiden speichern.

Die Ressourcennutzung auf dem Mond wäre ein mögliche Anwendungsfeld von In-Situ Resource Utilisation (ISRU)-Technologien.
Die Ressourcennutzung auf dem Mond wäre ein mögliche Anwendungsfeld von In-Situ Resource Utilisation (ISRU)-Technologien.

Eine weitere Frage: Wie bringt man die Ausrüstung von der Erde zu diesen Himmelskörpern? Darüber diskutierten unter anderem James Carpenter, ESA-Experte für die Monderkundung und Rosalia Delgado, General Manager des Unternehmens EIT RawMaterials sowie Diederick Croese, Vorstandschef der Singularity University aus den Niederlanden sowie Richard Ambrosi, Prof. für Space Instrumentation and Space Nuclear Power Systems der University of Leicester. EIT RawMaterials, Nereus, ZoraBots oder auch die Singularity University sind Partner des ESA Innovationsaustausches.

Veronica La Regina, Technology Transfer Officer der ESA, zog nach dem Treffen eine erste Bilanz. Danach ist vor allem die Speicherung und Vorratshaltung eines der Schlüsselthemen bei der In-Situ Ressourcen Nutzung. „Und die Herstellung einer bezahlbaren Hardware“, sagte sie.

ESA Wettbewerb soll Innovationen in Europa fördern

 

Mit dem Grand Challenge Wettbewerb will die ESA Innovationen in Europa voranbringen. Das soll vor allem durch die gemeinsame Anstrengung ganz unterschiedlicher Akteure, Sponsoren und Partner gelingen. Die ESA will so neue Talente fördern und die unorthodoxe Herangehensweise an Problemstellungen bei den Themen Mobilität, Ressourcengewinnung oder auch Cyber-Sicherheit unterstützen.

Die Auslotung und Verbreitung potenzieller neue Technologien, die Hinwendung zu scheinbar unlösbaren oder bisher vernachlässigten sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen sind das Ziel. Dabei, so ESA-Generaldirektor Jan Wörner, sollen vor allem die junge Generation, junge Menschen, Forscher und Unternehmen mit ihren Ideen und Vorschlägen einbezogen werden. „United Space in Europe“ – der vereinte Weltraum – ist das Motto des Wettbewerbes und auch der Initiative Space 4.0 der ESA.

Die ESA hat den Wettbewerb Grand Challenge unter Generaldirektor Prof. Jan Wörner ins Leben gerufen, um neues europäisches Unternehmertum zu fördern.
Die ESA hat den Wettbewerb Grand Challenge unter Generaldirektor Prof. Jan Wörner ins Leben gerufen, um neues europäisches Unternehmertum zu fördern.

 

Der Wettbewerb, so Luca Del Monte, Senior Industrial Policy Officer der ESA, soll Sponsoren und Partner anspornen, sich zu engagieren. Mit der Grand Challenge Initiative bietet die ESA Ideengebern und Unterstützern nicht nur ihr wissenschaftliches und technisches Knowhow, sondern auch ihr Renommee und die große Reichweite und den Bekanntheitsgrad, den die Weltraumorganisation in Europa und weltweit genießt.

„Es ist unsere Aufgabe, gute Bedingungen für Innovation, Unternehmer und Start-ups zu schaffen“, so Luca Del Monte. Dabei können die Sponsoren die Themenfelder und Projekte selbst benennen. Belohnt werden gute Innovationen mit großzügigen Stipendien und auch Abnahmezusagen für Produkte.

Mehr Informationen zur ESA Grand Challenge finden Sie auf unserem englischsprachigen Artikel.  Kontakt unter: grand.challenge@esa.int 

Space 4.0

 

Mit ihrem Space 4.0-Programm stellt sich die ESA auf eine neue Ära ein, in der nicht mehr nur die klassischen Raumfahrtnationen das All nutzen, sondern auch zunehmend private, kommerzielle Unternehmen. Ziel von Space 4.0 ist unter anderem die maximale Integration von Weltraumnutzung und -Forschung zum Wohle der europäischen Gesellschaft und Wirtschaft. Europas Weltraumsektor soll global wettbewerbsfähig und der autonome sichere Zugang zum All gesichert sein.

Space 4.0 steht dabei für Teilhabe und das gemeinsame Erreichen der Ziele durch Innovation, Information, Interaktion und Inspiration. Eine Vision des Programms ist die internationale Kooperation für ein Gemeinschaftsprojekt auf dem Mond, dem Bau eines Moon Village – als Standort für innovative technische und wissenschaftliche Aktivitäten oder auch für künftige Missionen weiter hinaus ins Sonnensystem.

"From Rainstorming to Brainstorming": Webstream vom "Innovation Exchange - Fuel the Future" (8. Juni 2017). 

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