Eröffnung des neuen ESA BIC-Standorts: Von links nach rechts: Frank M. Salzgeber, Leiter Technology Transfers und Business Incubation der ESA, Dr. Dietmar Pilz , Leiter des Airbus-Standortes Friedrichshafen (Immenstaad): Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg Christian O. Erbe, Präsident der IHK Reutlingen
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Neuer Raumfahrt-Hotspot für Hessen und Baden-Württemberg

13/04/2018 1447 views 9 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Das europaweite Netzwerk der Business Incubation Centre (BIC) der ESA erhält Zuwachs: Mit Reutlingen und Friedrichshafen / Immenstaad kommen zwei deutsche Standorte dazu. Zusammen mit dem 2007 gegründeten ESA BIC Darmstadt bilden sie künftig das ESA BIC Hessen & Baden-Württemberg.

Nährboden für Gründerideen

 

Reutlingen bekommt eine Art Außenstelle der ESA. Für Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ein großer Moment und die richtige Standortwahl. Baden-Württemberg, sagte sie bei der Eröffnung in Reutlingen am Freitag, 13. April, gehöre zu den führenden Industrie- und Forschungsregionen in Deutschland. So sind rund 40 Prozent der deutschen Luft- und Raumfahrtunternehmen bereits im „Ländle“ angesiedelt. Insgesamt also der richtige Nährboden für ein ESA-Business Incubation Centre, einen Brutkasten für Gründerideen.  

Der neue Standort liegt im Technologiepark Tübingen-Reutlingen und soll jungen Startups bei der Verwirklichung innovativer Geschäftsideen im Bereich Weltraumtechnologie, Materialforschung, Navigations- oder auch Kommunikationstechnik helfen. Zeitgleich mit Reutlingen wird ein weiteres Zentrum in Friedrichshafen / Immenstaad an den Start gehen. Beide Standorte bilden das BIC Baden-Württemberg. Neun Partner sind mit im Boot: Das Land Baden-Württemberg und das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt, Airbus Defence and Space in Friedrichshafen, Bosch in Reutlingen, die IHK Reutlingen, die Kreissparkassen Reutlingen und Tübingen sowie TTR, die Technologieparks Tübingen-Reutlingen Management GmbH. Mit dabei ist auch das cesah in Darmstadt. 

Das ESA BIC-Netzwerk (Stand Dezember 2017)
Das ESA BIC-Netzwerk (Stand Dezember 2017)

Hessen und Baden-Württemberg vereint

Das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah) führt bereits seit 2007 erfolgreich das ESA BIC Darmstadt in unmittelbarer Nähe zum Satellitenkontrollzentrum ESOC der Europäischen Weltraumorganisation Darmstadt und die beiden neuen Standorte Reutlingen und Friedrichshafen / Immenstaad firmieren fortan gemeinsam als ESA BIC Hessen & Baden-Württemberg. Die Federführung und Steuerung wird beim cesah in Darmstadt liegen. Ansprechpartner für Baden-Württemberg ist das Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer der IHK Reutlingen und Dr. Stefan Engelhard (engelhard@reutlingen.ihk.de). 

Wirtschaft modernisieren

„Die Gründerinnen und Gründer werden zeigen, wie sich Technologien, die aus der Weltraumforschung kommen, ganz irdisch in Produkte und Dienstleistungen übersetzen lassen“, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut, deren Haus die Startups mit bis zu 750.000 Euro unterstützt. Christian O. Erbe, Präsident der IHK Reutlingen und Vizepräsident des Baden-Württembergischen IHK-Tags, betonte, dass die Industrie- und Handelskammern des Bundeslandes seit über zehn Jahren bereits den „European Satellite Navigation Competition“ organisieren, der Ideen zur Nutzung von Satellitennavigationsdaten prämiert. „Wir leben in Zeiten der Digitalisierung und dafür benötigen wir Geschäftsmodelle, die unsere Wirtschaft weiter modernisieren und auf einem Spitzenplatz in der Welt halten.“ Die IHK hatte sich seit langem für ein ESA BIC in Reutlingen eingesetzt. 

Auf wertvolle technologische Transfers zwischen den Industriebranchen in der Region und der Raumfahrt, hoffte Dr. Franziska Zeitler, Leiterin Innovation & Neue Märkte des Raumfahrtmanagements des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Aus diesem Grund investiere das DLR-Raumfahrtmanagement aus seinem Beitrag zum ESA-Technologieförderprogramm mehr als eine Million Euro für Unternehmensgründungen ins ESA BIC Baden-Württemberg. Dr. Dietmar Pilz , Leiter des Airbus-Standortes Friedrichshafen / Immenstaad, kündigte an, das BIC eng mit dem eigenen „Innovation Factory“ zu koppeln – „in der Überzeugung, dass beide vom Austausch profitieren und in der Hoffnung, dass sich eine Raumfahrt-getriebene Startup-Szene am Bodensee etablieren kann.“

Galileo: Satellitennavigationsdaten sind ein wichtiger Innovationstreiber
Galileo: Satellitennavigationsdaten sind ein wichtiger Innovationstreiber

Neuer Hotspot

Die ESA betreibt bisher 18 Business Incubation Centres in ganz Europa. In Deutschland gibt es nunmehr zwei große Zentren: Das BIC Bavaria mit Dependancen in Oberpfaffenhofen, Nürnberg und Ottobrunn und das BIC Hessen & Baden-Württemberg. Laut Frank M. Salzgeber, Programm Manager und Chef des ESA Technology Transfer und Business Incubation Office, schließt sich mit den neuen Anlaufstellen in Reutlingen und am Bodensee eine Lücke. „Diese starke Industrieregion war bisher ein weißer Fleck auf unserer Karte.

Das BIC Hessen & Baden-Württemberg wird ein neuer Hotspot werden“, ist er überzeugt. Dieser Ansicht ist auch Dr. Frank Zimmermann, Geschäftsführer des Centrums für Satellitennavigation Hessen (cesah) und verantwortlich für das BIC in Darmstadt und künftig das BIC Hessen & Baden-Württemberg (Zimmermann@cesah.comwww.cesah.com). Für ihn ist die Ausweitung ein „konsequenter Schritt“. In den zehn erfolgreichen Jahren des BIC Darmstadt hätten sich ohnehin immer mehr Gründer auch aus dem benachbarten Bundesland gemeldet. Durch nationale und internationale Raumfahrt-Ideenwettbewerbe bestanden bereits intensive kollegiale Kontakte zwischen den Akteuren in Hessen und Baden-Württemberg. Ein gemeinsames BIC sei daher folgerichtig, Zimmermann hebt jedoch hervor, dass ein solch bundesländerübergreifender Verbund bisher einmalig und keineswegs selbstverständlich sei.

Frische Ideen fördern

Ziel der BIC-Initiative ist die Förderung innovativer Anwendungen und Produkte rund um den Bereich der Raumfahrt. „Die meisten großen Firmen wie beispielsweise Mercedes, Bosch oder Linde haben mal als kleine Startups angefangen“, betont Frank Salzgeber. Seit Anfang 2000 schon sucht das Technology Transfer und Business Incubation Office (TTPO) der ESA nach Gründern mit frischen Ideen. „Junge Menschen forschen, haben ganz andere Ansätze oder verfolgen neue Wege.

Startups waren schon immer die Grundlage von Innovation und Entwicklung“, so Salzgeber. „Autonomes Fahren oder Fliegen, all das wird ohne Raumfahrttechnologie nicht möglich werden“, betont er. Die ESA suche den Schulterschluss mit der Industrie und dem Gründergeist in der Region. Als nächste stehe auch ein BIC im Norden Deutschlands an. 

Raumfahrttechnologie ermöglicht komplexe Wertschöpfungsketten
Raumfahrttechnologie ermöglicht komplexe Wertschöpfungsketten

Größte Gründerprogramm mit Raumfahrbezug weltweit

Die ESA BICs werden dieses Jahr europaweit über 160 neue Startups unterstützen. Das Programm ist damit das größte Gründerprogramm mit Raumfahrbezug und Startup-Netzwerk der Welt. „In den letzten Jahren sind, so Salzgeber, rund 600 Firmen aus den BICs und dem europäischen Investment in die Raumfahrt entstanden.

„Wir freuen uns, dass wir weiter für Entwicklung und Wachstum in Europa sorgen können, indem wir das Wissen und die Technologie aus der Raumfahrt verfügbar machen.“ In den neuen Zentren in Baden-Württemberg sollen die nächsten vier Jahre rund 30 Startups unterstützt werden, in Darmstadt in Hessen werden es weitere 40 sein. 

Ganzes Paket an Förderhilfen

 

Die Incubation Centre halten für junge Gründerinnen und Gründer ein ganzes Paket an Förderhilfen bereit. So werden den ausgewählten Startups Räume zur Verfügung gestellt und eine Starthilfe von insgesamt 50 000 Euro gewährt, wobei 25 000 von ESA/DLR stammen und 25 000 Euro von den jeweiligen Bundesländern. Hinzu kommen 80 Stunden technische Beratungsleistungen in Hessen durch ESA/ESOC und in Baden-Württemberg durch die Industriepartner Bosch und Airbus. Die Gründer haben außerdem Zugang zum ESA Technologie Transfer Programm und zum internationalen Netzwerk der Europäischen Raumfahrtagentur und der anderen BIC-Standorte in Europa.

Hohe Erfolgsquote

Logo von ESA BIC Darmstadt
Logo von ESA BIC Darmstadt

 

Rund zehn Ideen werden in Darmstadt und Hessen jedes Jahr für die Gründerhilfe ausgewählt, berichtet Frank Zimmermann. Mehr als 90 Startups, die rund 500 Arbeitsplätze am Standort Darmstadt schufen, sind es seit der Gründung 2007 bereits. „Die Erfolgsquote unserer Jungunternehmer liegt bei 90 Prozent“, freut er sich. Getragen wird das Darmstädter Centrum vom Land Hessen, der Stadt Darmstadt, der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt sowie T-Systems International und Telespazio VEGA Deutschland.

„Wir beraten die Startups und geben entscheidende Hinweise“, beschreibt Zimmermann seine Arbeit. Das geschieht auch schon im Vorfeld. „Wir führen fundierte Gespräche bereits sehr früh. Daher ist die anschließende Erfolgsquote bei Bewerbungen um einen Platz im BIC auch mit 50 bis 70 Prozent sehr hoch“, sagt Zimmermann. „Wir wollen ein nachhaltiges Netzwerk schaffen“, betont er.

Weitere Informationen:

Dr. Stefan Engelhard
IHK Reutlingen
engelhard@reutlingen.ihk.de
https://www.reutlingen.ihk.de/

Dr. Frank Zimmermann
Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah)
Zimmermann@cesah.com
www.cesah.com

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