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Schiaparelli-Absturzstelle in Farbe

03/11/2016 1826 views 16 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Neue hochauflösende Bilder eines NASA-Orbiters zeigen Teile des ExoMars Schiaparelli-Moduls und seiner Landestelle auf dem roten Planeten in Farbe.

Schiaparelli erreichte die Meridiani Planum-Region auf dem Mars am 19. Oktober, während seine Muttersonde begann, den Planeten zu umkreisen. Der Trace Gas Orbiter wird seine ersten wissenschaftlichen Untersuchungen auf zwei seiner hoch elliptischen Umrundungen des Mars durchführen, die insgesamt acht Tage lang dauern und am 20. November beginnen. Dabei wird er auch die ersten Bilder des Planeten seit seiner Ankunft machen.

Das neue Bild Schiaparellis und seiner Hardwarekomponenten wurde am 1. November vom Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) der NASA aufgenommen. Die Hauptaufschlagstelle ist im zentralen Teil des Bildstreifens zu sehen, der von der hochauflösenden Kamera durch drei Filter gemacht wurde, die es ermöglichen, das Bild in Farbe zu erstellen.

Zudem wurde das Bild am 1. November mit einem Blickwinkel leicht nach Westen aufgenommen, während das vorherige Bild nach Osten sah, was einen anderen Betrachungswinkel bietet.

Die letzte Bilderserie wirft tatsächlich ein neues Licht auf die Details, über die anhand der ersten Einblicke in der vergangenen Woche  nur spekuliert werden konnte.

Beispielsweise wird nun bestätigt, dass es sich bei den hellen, weißen Punkten um den dunklen Bereich herum, der als Einschlagstelle ausgelegt wird, tatsächlich um Objekte handelt – nicht um ein ‘Bildrauschen’. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Fragmente von Schiaparelli handelt.

Interessanterweise ist an dem Punkt, an dem auf dem Bild der vergangenen Woche der dunkle Krater ausgemacht werden konnte, ein helles Objekt zu erkennen. Dies kann mit dem Modul in Verbindung gebracht werden, aber die Bilder sind weiterhin unschlüssig.

Schiaparellis Fallschirm bewegt sich im Wind
Schiaparellis Fallschirm bewegt sich im Wind

Auf dem Farbbild hat sich ein heller, verschwommener Fleck neben den dunklen Schlieren westlich des Kraters gezeigt. Dabei kann es sich um Material von der Marsoberfläche handeln, das durch den Aufschlag oder eine anschließende Explosion oder explosive Dekompression der Kraftstofftanks des Moduls verwirbelt wurde.

Etwa 0,9 km südlich konnten nun auch der Fallschirm und der hintere Hitzeschild im Farbbild wiedergegeben werden. In der Zeit seit der letzten Aufnahme am 25. Oktober hat sich die Silhouette des Fallschirms verändert. Die logischste Erklärung hierfür ist, dass er vom Wind angehoben und etwas nach Westen geweht wurde. Dieses Phänomen wurde auch vom MRO auf Bildern des Fallschirms beobachtet, der beim Curiosity Rover der NASA eingesetzt wurde.

Die zukünftige Rekonstruktion dieses Bildes als Stereobild wird ebenfalls dazu beitragen, die Ausrichtung des hinteren Hitzeschilds zu bestätigen. Das Muster aus hellen und dunklen Flecken legt nahe, dass die Außenseite des Hitzeschilds nach oben gerichtet ist. Dies wird auch durch die Zeichnung der Verbrennungsspuren an der äußeren Isolierschicht untermauert, die an manchen Stellen fehlt - wie erwartet.

Schließlich wurde auch der vordere Hitzeschild nochmals in Schwarzweiß fotografiert – er liegt außerhalb des Farbbildbereichs des MRO und weist keinerlei Veränderung auf. Aufgrund der unterschiedlichen Blickwinkel bei den beiden Bilderserien kann bestätigt werden, dass es sich bei den hellen Punkten nicht um Reflexionen der Linse handelt. Sie stehen direkt mit der Helligkeit des Objekts in Verbindung. Das bedeutet, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die mehrschichtige, helle Isolierschicht im Innern des vorderen Hitzeschilds handelt, wie bereits vergangene Woche angedeutet.

Weitere Bilder werden in zwei Wochen aufgenommen. Es wird interessant sein, zu sehen, ob bis dahin weitere Veränderungen eintreten.

Die Bilder liefern möglicherweise weitere Teile des Puzzles, damit wir ein klareres Bild davon erhalten, was möglicherweise mit Schiaparelli bei seinem Weg zur Marsoberfläche passiert ist.

Die interne Untersuchung der eigentlichen Ursache von Schiapparellis Problemen in der letzten Phase seines sechsminütigen Abstiegs zur Marsoberfläche – nach dem erfolgreichen Atmosphäreneintritt und der anschließenden Verzögerung mit dem Hitzeschild und Fallschirm – geht weiter.

Ein unabhängiger Untersuchungsausschuss wurde dazu ins Leben gerufen.

Pressekontakt

Markus Bauer








ESA Science and Robotic Exploration Communication Officer









Tel.: +31 71 565 6799









Mobil: +31 61 594 3 954









E-mail: markus.bauer@esa.int

Thierry Blancquaert
ExoMars EDM Manager
E-mail: Thierry.Blancquaert@esa.int

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