Ariane 1 - die erste europäische Trägerrakete
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Wendepunkt 1975: Gründung der Europäischen Weltraumorganisation

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ESA / Space in Member States / Germany

Die Politik war gefragt. Vor allem der konsequenten französischen Haltung ist es zu verdanken, dass noch im gleichen Jahr der Beschluss über die Entwicklung eines neuen Trägersystems „L 3 S – Lanceur de 3ème génération de substitution“ gefasst wurde. Für Frankreich stellte der autonome Zugang zum Weltraum von Anfang an eine hohe strategische Bedeutung dar. Sein Misstrauen gegenüber dem Raumtransport-Monopol der beiden Großmächte war nicht unbegründet. Entgegen anfänglicher US-Zusagen, konnten die ersten geostationären Kommunikationssatelliten Europas, die deutsch-französischen Symphonie-Satelliten, mit einer amerikanischen Rakete erst gestartet werden, nachdem die Europäer zugesichert hatten, diese Systeme ausschließlich für experimentelle, nicht aber für operationelle kommerzielle Zwecke zu verwenden.

Am 31. Juli 1973 wurde auf der Ministerratskonferenz in Brüssel ein umfangreiches Raumfahrtpaket geschnürt, das die entscheidenden Weichenstellungen für ein sowohl erfolgreiches als auch zukunftsorientiertes Raumfahrtprogramm legte. An der Spitze stand die Entwicklung des Raumfahrtträgers „L 3 S“. Er sollte unter dem Namen Ariane bald Furore machen und Europas Symbol für die Raumfahrt werden. Die Entwicklung der Ariane wurde der sich in Gründung befindlichen Europäischen Weltraumorganisation ESA übertragen, die schließlich aus der Fusion von ESRO und ELDO hervorging und offiziell am 31. Mai 1975 ihre Arbeit aufnahm.

Gründungsmitglieder der ESA waren 10 Staaten: Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien. Noch im gleichen Jahr wurde Irland aufgenommen. Seither sind auch Österreich, Norwegen, Finnland, Portugal und Griechenland beigetreten. Mit der bevorstehenden Aufnahme von Luxemburg Ende des Jahres 2005 wird sich die Zahl der Mitglieder auf 17 erhöhen. Weitere drei Staaten, Kanada, Ungarn und Tschechien, arbeiten im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen an bestimmten ESA-Programmen mit.

Investiertes Geld fließt zurück in die Mitgliedstaaten

Aufgabe der ESA ist die Zusammenarbeit europäischer Staaten zu ausschließlich friedlichen Zwecken auf dem Gebiet der Weltraumforschung und -technologie. Große weltraumtechnische Programme im Infrastrukturbereich sind daher Bestandteil der ESA-Aktivitäten, wie die Entwicklung der Trägerfamilie Ariane und das Programm zur bemannten Raumfahrt, in dessen Rahmen die europäische Beteiligung an der Internationalen Raumstation durch das Columbus-Labormodul und durch Versorgungsflüge mit dem unbemannten Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle) verwirklicht werden.

Des Weiteren realisiert die Weltraumorganisation verschiedene Programme in den Bereichen Erforschung des Weltalls, Mikrogravitationsforschung, Transportsysteme, Erderkundung, Telekommunikation und Navigation. Alle Programme werden in der ESA europäisch organisiert und durchgeführt. Ohne diese qualifizierten Weltraumprogramme wären wir heute in Europa in der Telekommunikation und bei der Bewirtschaftung unserer Ressourcen auf fremde Hilfe angewiesen.

Die ESA spielt auch eine koordinierende Rolle, indem sie die von den Mitgliedstaaten im nationalen Rahmen unternommenen Arbeiten verfolgt und, wenn möglich, in ihre Programme integriert. Zu den Aufgaben gehört ferner die Entwicklung innovativer Weltraumtechnologien, um Europa zu einer international wettbewerbsfähigen Raumfahrtindustrie zu verhelfen.

Der ESA steht im Jubiläumsjahr 2005 ein Budget von 2,977 Mrd. Euro zur Verfügung. Der Grossteil des Geldes wird für Aufträge an die Industrie der Mitgliedstaaten ausgegeben. Das Vergabeverfahren stellt sicher, dass jeder Mitgliedstaat aus seinen Investitionen einen angemessenen finanziellen und technologischen Rückfluss erhält.

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