Astronaut Edwin Aldrin, als er auf dem Mond das Berner Sonnenwindsegel ausrollte
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Berner Sonnenwindsegel auf dem Mond

19/07/2019 432 views 8 likes
ESA / Space in Member States / Switzerland - Deutsch

Am 21. Juli 1969, als die Apollo 11-Astronauten den Mond betraten, wurde mit dem Berner Sonnenwindsegel das einzige nicht-amerikanische Experiment, das Teil der Mondlandungen war. Zurückzuführen ist das Experiment auf Professor Johannes Geiss, der das Solar Wind Composition Experiment (SWC) am Physikalischen Institut der Universität Bern plante und auswertete.

Durch die Verbindung von wissenschaftlichen Argumenten und Diplomatie gelang es Johannes Geiss sogar, die NASA davon zu überzeugen, als Erstes das Berner Sonnenwindsegel zu entrollen und es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes zu stecken, um die Expositionszeit der Folie zu maximieren. Zudem ist bekannt, dass vor dem Start jemand scherzhaft vorschlug, eine Schweizer Flagge in die Folienrolle zu stecken, so dass es die erste Flagge des Menschen auf dem Mond sein würde!

Das flaggenähnliche Experiment bestand aus einem Aluminiumfolienblech von 1,4 m x 0,3 m Größe, das an einem der Sonne zugewandten Pol befestigt war. Gegenstand der Untersuchung war der kontinuierliche Fluss der geladenen Teilchen der Sonne, des sogenannten "Sonnenwindes". Die Experimente ermöglichten erste Messungen der Zusammensetzung der Edelgase des Sonnenwindes. Die Folie wurde auf Apollo 11 77 Minuten lang der Sonne ausgesetzt, so dass sich die Sonnenwindpartikel in die Folie einbetten konnten. Die Folie wurde nach Rückkehr auf die Erde analysiert.

Mit den gesammelten Daten sollten die gegenläufigen Theorien über die Entstehung des Sonnensystems, die planetarischen Atmosphären und die Dynamik des Sonnenwindes aufgelöst werden.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Prof. Geiss für die Beantwortung unserer Fragen:

Professor Geiss beim Test des modifizierten Sonnenwindsegels für die Apollo 16 Mission
Professor Geiss beim Test des modifizierten Sonnenwindsegels für die Apollo 16 Mission

Wie verlief das Auswahlverfahren für Ihr Experiment an Apollo 11?

Unser Experiment wurde wegen der erwarteten bedeutenden wissenschaftlichen Daten und aus technischen Gründen ausgewählt: Es war leicht (430 g), es brauchte keine elektrische Energie und war für die Astronauten einfach zu bedienen.

Was haben Sie und Ihr Team empfunden, als das Experiment auf dem Mond stattfand?

Ich war sehr erleichtert, dass die Landung für die Astronauten gut verlief und war begeistert, als Buzz Aldrin die Folie entfaltete. Natürlich war ich auch extrem nervös in Bezug auf die sichere Rückkehr der Astronauten und die Rückkehr unseres SWC-Experiments.

Wie reagierte die Öffentlichkeit am Arbeitsplatz und zu Hause?

Das Interesse der Öffentlichkeit in den USA, wo ich damals lebte, und in Europa war überwältigend. Ich hätte mir eine solche Begeisterung nie vorstellen können.

Zu welchen Erkenntnissen hat das Sonnenwindexperiment  geführt?

Das Ziel des Experiments war die Messung der solaren Wind-Ionen-Zusammensetzung, die auf der Erde aufgrund der Atmosphäre nicht möglich ist. Mit der Folie des Solarwindversuches gelang es, diese Partikel einzufangen und dann auf der Erde zu analysieren. Insbesondere die Isotope der leichten Edelgase, also Helium, Neon und Argon. So erhielten wir wertvolle Informationen über die Vergangenheit des Universums und den Urknall.

Wurden weitere Versionen des Experiments durchgeführt, sei es bei den übrigen Apollo-Missionen oder im Erdorbit?

Die Experimente waren ein großer Erfolg und wir hatten die Möglichkeit, bei vier der nächsten Apollo-Missionen (12, 14, 15 und 16) mitzufliegen. So wurde die Expositionszeit des Experiments auf dem Mond bei den späteren Flügen erheblich auf mehrere Stunden verlängert.

Angesichts Ihrer Rolle als Gestalter im Bereich der Weltraumforschung, was sind die großen Fragen, die im Bereich Weltraum und Sonnensystem bleiben?

Mit zunehmender Forschung tauchen immer mehr Fragen auf, und es scheint einen Hauptgrund zu geben, warum wir an unsere Grenzen stoßen, und das ist das menschliche Gehirn.

Werden Sie den 50. Jahrestag der Mondlandung feiern?

Wir hatten bereits im Juni an der Universität Bern eine sehr schöne Feier mit Wissenschaftlern, dem Astronauten Charles Duke, Politikern und der Öffentlichkeit. Am 21. Juli werde ich mit meiner Frau Carmen ein Glas Champagner trinken, um die erste Mondlandung zu feiern und diesen großen Moment in Geschichte und Wissenschaft zu feiern. 

Ceremony honouring Prof. Geiss in Bern
Ceremony honouring Prof. Geiss in Bern

Einen weiteren Artikel über die Berner Weltraumforschung finden Sie auf der Seite der Universität Bern: http://www.bernimall.unibe.ch/hintergrund/das_berner_sonnenwindsegel

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