Alpbach 2007: Auf der Suche nach außerirdischem Leben

24 August 2007

Zum 31. Mal lud die Sommerschule Alpbach Jungforscher zu einer Weltraum-Spezialveranstaltung in das malerische Tiroler Bergdorf ein. Im Focus stand diesmal die Astrobiologie, die Suche nach extraterrestrischen Lebensformen.

Was 1975 mit einer kleinen Veranstaltung in dem Bergdorf Alpbach begann, hat sich zu einer äußerst erfolgreichen, europaweiten Fortbildungsreihe entwickelt. Alljährlich im Sommer können junge Doktoranden, Ingenieure, Studenten und Wissenschaftler aus den ESA-Mitgliedsstaaten ihr Wissen in ausgewählten Fachgebieten der Weltraumforschung vertiefen. Die jeweils zehntätige Veranstaltung widmet sich jedes Jahr einem anderen Thema.

Gesucht: Ein idealer Platz für das Leben

2007 stand für die 60 jungen Wissenschaftler aus 17 Staaten, darunter 10 Studentinnen und Studenten aus Österreich, eine der spannendsten Fragen der Menschheit im Focus: Sind wir allein im All oder gibt es – fernab in den Tiefen des Universums – noch andere Lebensformen? Wie könnte man sie entdecken? Sind die Verhältnisse in unserem Sonnensystem überhaupt dazu angetan, „Leben“ auf einem anderen Planeten oder einem Mond hervorzubringen? Es ging also um den Ursprung, die Verbreitung sowie die Evolution des Lebens auf der Erde und im All.

Das interdisziplinäre Thema brachte sowohl Jungforscher als auch Lektoren unterschiedlichster Fachgebiete kreativ zusammen – Astronomen, Astrophysiker, Mathematiker, Geologen, Biochemiker, Molekularbiologen, Paläontologen, Planetenforscher sowie Ingenieurwissenschaftler.

Organisator der hochkarätigen Veranstaltung war die Agentur für Luft- und Raumfahrt in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Sie wurde intensiv unterstützt von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, dem International Space Science Institute ISSI sowie von Austrospace, der Vereinigung der österreichischen Raumfahrtindustrie.

Faszinierende Aufgaben für die Nachwuchsforscher

Ohne Mathematik geht nichts in Alpbach

Alpbachs Markenzeichen ist die bewährte Mischung von Theorie und Praxis. Die in vier Teams aufgeteilten Nachwuchswissenschaftler wurden in einer einzigartigen Kombination aus Vortragsveranstaltungen und praktischen Workshops an die Thematik herangeführt und begleitet.
Ziel war, das theoretische Wissen in konkrete Projektstudien einzubringen und je eine spezifische Satellitenmission zur Entdeckung von extraterrestrischem Leben zu erarbeiten, die von einer Weltraumorganisation übernommen werden könnte. Es galt also die nötige Instrumentierung auszuwählen, die Grundkonstruktion des Satelliten und seiner Subsysteme zu erarbeiten, die Umlaufbahn zu definieren und die voraussichtlichen Kosten der Mission zu ermitteln.

Die Jungforscher entschieden sich für Missionen zum Mond, zum Mars und zum Jupitermond Europa:
Team 1 wollte die Landestelle von Apollo 17 aufsuchen und prüfen, ob eventuell zurückgelassene Bakterien nach 35 Jahren auf dem Mond noch lebensfähig sind. Auf der mit Ionentriebwerken zurückgelegten Flugstrecke zwischen Erde und Mond soll zum ersten Mal das Überleben sowie die Adaptation von Mikroorganismen unter den Bedingungen des interplanetaren Raums sowie außerhalb des Erdmagnetfeldes untersucht werden.
Team 2 wollte mit Penetratoren die oberen fünf Meter der Marsoberfläche auf ihre Lebensfreundlichkeit einschließlich der Strahlenbelastung untersuchen.
Die Teams 3 und 4 zog es zum Jupitermond Europa. Eine Sonde sollte auf Europa landen und die oberflächennahen Schichten untersuchen. Eine andere Sonde sollte sich durch das Eis schmelzen und dabei Proben entnehmen, diese analysieren und die Daten über ein Kabel zum Lander und von dort aus weiter zum Orbiter senden.

Beeindruckende Leistungen

Am letzten Tag wurden die Projekte in einer jeweils einstündigen Präsentation engagiert vorgestellt, verteidigt und von einer 7-köpfigen Jury erfahrener Weltraumexperten unter der Leitung des langjährigen Wissenschaftsdirektors der ESA und jetzigem COSPAR Präsidenten, Prof. Roger Bonnet, Direktor des International Space Science Institute ISSI, begutachtet. Alle vier Projekte zeichneten sich durch große Eigenständigkeit und Kreativität aus, was nur durch die Teamfähigkeit der Teilnehmer erreicht werden konnte. Allen Projektstudien stellte die Jury ein sehr gutes Zeugnis aus und zeigte sich beeindruckt über den Einsatz der Jungforscher, ihre Motivation und die in der kurzen Zeit erreichten Leistungen.

Profitiert haben alle: Zum einen die Studenten, die intensiven Kontakt mit Spitzenforschern pflegen sowie Einblicke in die Planung aktueller Satellitenmissionen gewinnen konnten. Zum anderen die Vortragenden, Tutoren und Experten, die mit frischen Visionen und Fragen konfrontiert wurden.

„Alpbach“: Kreativschmiede für Forschung und Industrie

Diskussion im Team

Jeder Teilnehmer erhält zum Abschluss der Sommerschule eine Teilnahmebescheinigung, die bei Bewerbungen in Forschung und Industrie schon so manche Tür geöffnet hat. Und für den beruflichen Erfolg früherer Teilnehmer spricht, dass jedes Jahr ehemalige SommerschülerInnen selbst als Vortragende oder Tutoren nach Alpbach zurückkehren.

Viele der mittlerweile über 1900 Alpbacher Absolventen sind heute in der ESA, in der europäischen Weltraumindustrie oder in einer Forschungsinstitution tätig. Beeindruckende Zahlen, die belegen, dass auch ein „kleines“ Mitgliedsland der ESA Grosses für die europäische Nachwuchsförderung leisten kann.

Und wer Lust bekommen hat, hier einmal selbst mitzumachen: 2008 findet die 32. Neuauflage der berühmten Sommerschule in dem idyllisch gelegenen Bergdorf statt.

Weitere Auskünfte:

Michaela Gitsch
FFG/Agentur für Luft- und Raumfahrt
Sensengasse 1
A - 1090 Wien
Fon: + 43(0)57755 3302
Fax: + 43(0)57755 93302
Mail: michaela.gitsch @ ffg.at

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.