Alpbach 2008: Außerirdische Materie gezielt zur Erde bringen

9 September 2008

Die 32. Sommerschule Alpbach bestätigte 2008 ihren herausragenden Ruf als Bildungsstätte des kreativen wissenschaftlichen Nachwuchses in Europa. Im Visier der Jungforscher aus 17 Mitgliedsstaaten der ESA stand diesmal die Kunst, extraterrestrisches Material für die Forschung zur Erde zu „beamen“.

Der Organisator der hochkarätigen Veranstaltung, die Agentur für Luft- und Raumfahrt in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG), legte dabei ganz besonderen Wert auf die Verbindung von Theorie und Praxis. Intensive Unterstützung erfuhr die als „Kaderschmiede“ fungierende Bildungsstätte von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, dem International Space Science Institute ISSI sowie von der Vereinigung der österreichischen Weltraumindustrie „Austrospace“.

Im Sommer dieses Jahres beschäftigten sich 58 Nachwuchsforscher im Alter zwischen 19 und 36 Jahren mit dem Thema „Sample Return from Moon, Asteroids and Comets“, d. h. mit der Rückführung von Materialproben vom Mond, von Asteroiden und von Kometen. Die wissenschaftlichen Grundlagen und die technischen Herausforderungen für derartige Missionen wurden in Alpbach ausführlich behandelt.

Außerirdisches Material für die Forschung

Konzentriert verfolgen die Teilnehmer die Vorträge der Tutoren

International anerkannte Experten vermittelten den Teilnehmern, dass interplanetare Raumsonden sowie Lande- und Rovermissionen zwar eine Fülle von Messdaten sammeln können, es aber trotz fortschreitender Miniaturisierung letztendlich an der geringen Nutzlastkapazität scheitert, alle komplexen Forschungen vor Ort durchzuführen. Viele Untersuchungen an Gesteinen oder interplanetarem Staub sind somit nur in speziell ausgerüsteten Labors auf der Erde möglich. Erst hier lassen sich Antworten auf fundamentale Fragen zur Bildung unseres Sonnensystems geben und Schlussfolgerungen für die weitere Entwicklung unseres Lebensumfeldes ziehen. Deshalb ist es immens wichtig, Materialproben zur Erde zu bringen.

Die Jungforscher erfuhren auch, dass sich der Aufbau von Objekten unseres Sonnensystems sehr differenziert darstellt und Rückschlüsse über unterschiedliche Entwicklungsepochen erlaubt. So stellen Asteroiden Bauschutt der Planetenbildung dar. Sie zeigen die Entwicklung der inneren Planeten aus primitiven Kleinkörpern zu chemisch differenzierten größeren Objekten. Kometen wiederum erwiesen sich als die wohl ältesten und am wenigsten veränderten Objekte des Sonnensystems, so dass deren Studium Aufschlüsse über dessen Ursprung und Entstehung liefern kann. Hingegen ist das Gestein des Mondes als ein über vier Milliarden Jahre altes Archiv des Sonnensystems anzusehen, mit dem Fragestellungen zur Frühgeschichte des Erde-Mond-Systems geklärt werden könnten.

Vier Teams mit Projektvorschlägen

Harte Arbeit an Computer und Tafel...

Das in den Vorlesungen vermittelte theoretische Wissen wurde in den sich anschließenden Workshops unter Anleitung erfahrener Tutoren in die Praxis umgesetzt. In bewährter Manier wetteiferten dabei vier Teams mit ihren Konzepten für „Sample Return“-Missionen zu Kometen und Asteroiden um die Gunst einer fachkundigen Jury unter Vorsitz des Leiters der Agentur für Luft- und Raumfahrt der FFG, Harald Posch.

Team Blau hatte mit seinem Projekt SAMOSA (Study of Active Mainbelt Object through Sample Acquisition) den Kometen 113P/List-Pizzaro im Asteroidengürtel ins Visier genommen. Technisches Highlight der Mission war dabei die „Übergabe“ des Probenbehälters vom Lander zum Orbiter. Der Behälter sollte vom Lander hoch geschleudert und vom 50 Meter darüber schwebenden Orbiter aufgefangen werden.

Nicht minder interessant die Mission von Team Orange: Mit PALISA (nach dem österreichischen Astronomen Johann Palisa) plante es eine Probenrückführung vom metallreichen Asteroiden Kleopatra.

Die FR3OG-ASM Mission (Asteroid Sample Mission: Rendezvous Remote Sensing Return) von Team Grün zielte ebenfalls auf einen Asteroiden, dessen zusätzliche Herausforderung im Vorbeiflug an einem weiteren Himmelskörper dieser Art bestand.

Team Rot schließlich wollte mit IT-ROCKS (International Team - Return of Comet Key Samples) mehrere Bodenproben dem Kometen 88P/Howell entnehmen und diese zur Erde bringen.

ESA-Angebot würdigt beeindruckende Leistungen

...führte Schritt für Schritt zum Ergebnis

Nach jeweils einstündigen Präsentationen stellte die Jury am letzten Tag den vier Projektstudien ein hervorragendes Zeugnis aus. Gleichzeitig zeigte sie sich beeindruckt vom Einsatz der Jungforscher, ihrer Motivation und den in der kurzen Zeit erreichten Leistungen.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA würdigte dies mit dem Angebot, dass alle vier Teams ihre Projektvorschläge auf dem Kongress der Internationalen Astronautischen Föderation IAF am 2. und 3. Oktober 2008 in Glasgow sowie auf dem ESA/ESTEC-Planetenseminar am 10. Oktober 2008 in Noordwijk einem breiten Fachpublikum vorstellen können.

Profitiert haben somit alle: Zum einen der studentische Nachwuchs, der intensiven Kontakt mit Spitzenforschern pflegen sowie Einblicke in die Planung aktueller Raumsondenmissionen gewinnen konnte. Zum anderen die Referenten, Tutoren und Experten, die mit frischen Visionen und Fragen konfrontiert wurden.

Und Alpbach wäre nicht Alpbach, wenn nicht jeder Teilnehmer zum Abschluss der Sommerschule eine Teilnahmebescheinigung erhalten hätte, die bei Bewerbungen in Forschung und Industrie bisher schon so manche Tür öffnete.

Weitere Auskünfte und Informationen:
Michaela Gitsch
Aeronautics and Space Agency of FFG
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