Aus dem Weltraum für die Erde

Futuristisch - Der Datenhelm von CyberCompanion
Futuristisch - Der Datenhelm von CyberCompanion
4 April 2003

Sind die Außerirdischen in Hannover gelandet? Auf der Industriemesse in Halle 18, Stand 11 könnte der erstaunte Besucher das vermuten. Die E.T.-Invasion entpuppt sich als eine mit Spezialhelmen ausgestattete Gruppe terrestrischer Astronauten, die "CyberCompanion" testen, ein neuartiges mobiles Informationssystem. Zu bewundern sind die Raumfahrer auf dem Stand der Kölner Firma MST Aerospace und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Hier werden vom 7. bis 12. April neueste Produkte und Technologien aus dem Weltraum für irdische Anwendungen offeriert.

Seit Jahren ist die Hannover Messe, die weltgrößte Industriemesse, ein etablierter Marktplatz für außergewöhnliche Weltraumtechnik breiter Couleur. Auch in diesem Jahr wird wieder in der Halle 18 eine umfangreiche Palette neuester außerirdischer Produkte offeriert, die im Rahmen von ESA-Projekten entstanden sind.

Zauberwort CyberCompanion

Mittels eines sogenannten Datenhelmes auf dem Kopf eines Menschen kann dessen optische und akustische Wahrnehmung in dreidimensionaler Darstellung erfasst und weiterverarbeitet werden. Umgekehrt lassen sich zusätzliche Informationen über den Datenhelm einspiegeln, so dass sich beispielsweise der Service-Mitarbeiter bei der Reparatur einer Maschine vom Fachmann eines weit entfernten Dienstleistungszentrums Ratschläge holen kann. Dort ist der Spezialist ebenfalls mit dem Datenhelm ausgerüstet und sieht virtuell die Maschine genau so wie der Mitarbeiter vor Ort.
Mit Hilfe des Systems CyberCompanion, das im Technologie-Transfer-Programm (TTP) der ESA angeboten wird, könnte das beschriebene Szenario bald Realität werden. Der Datenhelm ist mit einem mobilen Hochleistungs-Computer in einem kleinen Rucksack verbunden. Der Computer verarbeitet die Daten des Helmsystems und dient seinem Nutzer als Assistent. Ausgestattet mit einem Spracherkennungs- und -generierungssystem sowie mit Hardware zur drahtlosen Datenübertragung garantiert er eine hohe Mobilität seines Trägers. CyberCompanion läßt sich bedarfsgerecht auf viele Anwendungsfälle zuschneiden.

Technologietransfers setzen neue Impulse in der Mechanik

Zwei Typen des Kugelventils mit sehr unterschiedlichen Abmessungen

Es muss nicht immer Elektronik sein. Auch die Entwicklung mechanischer Komponenten für Raumfahrtsysteme bietet neue Lösungen für irdische Produkte. So wurde für die Metallhand des deutschen ROTEX-Weltraumroboters ein sowohl extrem leichter als auch hocheffizienter Antrieb entwickelt. Er erlaubt die Umsetzung schneller Drehbewegungen in exakte Linearbewegungen. Inzwischen wird der in der Fachsprache als "Planeten-Wälz-Gewindespindel" (PWG) bezeichnete Antrieb von einem deutschen mittelständischen Unternehmen für vielfältige Anwendungen auf der Erde angeboten.

Manchmal sind auch einfache Dinge innovativ. Den Beweis dafür liefert ein für die Raumfahrt entwickeltes magnetisch betätigtes Kugelventil. Es eignet sich für flüssige und gasförmige Stoffe. Eine magnetische Ventilkugel zum Öffnen und Schließen ist das einzige bewegliche Bauteil in dem System. Und die Industrie sieht zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. So gibt es bereits Prototypen für die Dosierung spezieller Klebstoffe und für Druckfarben.

Satellitennavigation und -kommunikation in der Westentasche

Scheinbar ist es nur ein handgroßer Organizer. Aber er hat es in sich. Mittels zusätzlicher Hard- und Software mutiert er zu einer multifunktionalen Satellitennavigations- und -kommunikationszentrale. Dank der innovativen Technologien des NavIS-Systems (Navigations-, Informations- und Sicherheitssystem) dient die kleine Wunderkiste nicht nur als Kompass mit Satellitennavigation. Sie kann auch Informationen zur Ortung sowie Notrufe absetzen. Dank des Datentransfers in beiden Richtungen ist es beispielsweise auch möglich, aktuelle Informationen zu Straßen und Wanderwegen abzurufen. Karten oder Stadtpläne lassen sich zwei- und dreidimensional grafisch darstellen, so dass eine einfache Planung und Realisierung von Touren im geschäftlichen oder privaten Bereich möglich wird. Weitere Module können den Organizer zur Kommunikationszentrale erweitern oder ihn als Satellitenradio umfunktionieren.

ESINET: Europäische Raumfahrt-Gründerzentren

Die beschriebenen Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der vielfältigen Palette von Weltraumtechnologien auf der Hannovermesse. Das Technologie-Transfer-Programm (TTP) der ESA unterstützt seit Jahren den Einsatz innovativer Produkte, Materialien und Technologien auf der Erde und der Erfolg kann sich sehen lassen. Pierre Brisson, der Leiter des TTP verweist darauf, dass "seit 1991 mehr als 160 Transfers getätigt wurden, die sich in Umsätzen von 25 Millionen Euro für die beteiligten Unternehmen niedergeschlagen haben". Dabei wurden 2500 Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten. Das Programm führte zur Gründung von 30 neuen Unternehmen.
Um diesen Prozess zu beschleunigen, unterstützt die ESA die europäische Industrie auch durch die Entwicklung eines Systems zur Förderung des Unternehmergeistes über ein Netz europäischer Raumfahrt-Gründerzentren (ESINET). Damit soll die Gründung von Start-ups durch den Transfer von Weltraumtechnologien auf andere Sektoren angeregt und beschleunigt sowie neue Geschäftsfelder geschaffen werden. Mehr über ESINET wird am ESA-Technologietransfer-Stand A11 in Halle 18 zu erfahren sein.

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