Destination Mars

Im Mittelpunkt der Raumfahrthalle: Der Mars
23 Mai 2006

ILA 2006: Mit einem Rekordbesuch ist die größte deutsche Luft- und Raumfahrtausstellung zu Ende gegangen. Zu den Top-Attraktionen gehörte die Raumfahrthalle SPACE FOR LIVE, in der ESA, DLR und Industrie über aktuelle Missionen, künftige Vorhaben sowie den Nutzen der Raumfahrt für das tägliche Leben informierten.

Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) ist die älteste Messe ihrer Art in der Welt. Sie kehrte nach dem Fall der Mauer nach Berlin zurück und wird seit 1992 in zweijährigem Abstand auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld durchgeführt. Ihre Bedeutung als Drehscheibe für den Ost-West-Dialog ist seitdem ständig gewachsen. 2006 verzeichnete die ILA mit 1014 Ausstellern aus 42 Ländern sowie 250 000 Besuchern neue Rekorde.

Raumfahrt in Europa: ILA-Raumfahrthalle

Ein weiterer Star der Raumfahrthalle: Die Ariane5-Standardoberstufe

Zum Raumfahrt-Publikumsmagneten avancierte die von der ESA, dem DLR, dem BDLI sowie dem BMWi gemeinsam gestalteten Raumfahrthalle SPACE FOR LIVE – RAUMFAHRT IN DEUTSCHLAND – EUROPE IN SPACE. Durch ihren besonderen Erlebnischarakter wurden die Besucher unmittelbar in das Raumfahrtgeschehen im Erdorbit und im interplanetaren Raum einbezogen.

Eindrucksvolle Modelle der Internationalen Raumstation und des in Deutschland gebauten europäischen Forschungslabors Columbus, das Ende Mai 2006 an die NASA übergeben wird, verdeutlichten den Komplex „bemannte Raumfahrt“.
Erstmals im Original zu sehen war die in Bremen gebaute Ariane-5-Oberstufe ESC-A sowie das für die Oberstufe entwickelte leistungsstärkste und modernste VINCI-Oberstufentriebwerk. Die Trägerrakete Ariane sichert nicht nur Europas eigenen Zugang zum Weltraum, sie ist eine der weltweit erfolgreichsten Trägersysteme. Von den 269 kommerziellen Satelliten, die derzeit im All arbeiten, hat Europa allein mit Ariane 133 transportiert.

Ausgestellt waren zudem zahlreiche Satellitenmodelle, die Europas Kompetenz in der Erdbeobachtung, Navigation (Galileo) sowie im Programm zur „Globalen Überwachung von Umwelt und Sicherheit“ (GMES) anschaulich darstellen.

Shooting-Star: Europas Mars-Rover

Modell des Rovers für ExoMars

Der attraktivste Bereich der Raumfahrthalle galt der Erkundung unseres roten Nachbarplaneten. Schon beim Betreten des marsianischen Areals erlebte der Besucher einen „schwebenden“ Aha-Effekt: Ein Spezialbelag simulierte die gegenüber der Erde verminderte Anziehungskraft. Auf dem Mars herrschen bekanntlich nur 38 Prozent der Erdschwerkraft.

Großes Interesse fand das erstmalig ausgestellte Modell des ersten europäischen Mars-Rovers. Er soll im Rahmen der Mission ExoMars 2011 zum Roten Planeten geschickt werden und zwei Jahre später, 2013, auf ihm landen. ExoMars ist zugleich die Flaggschiff-Mission des ESA-Aurora-Programms zur Erkundung unseres Sonnensystems. 14 Mitgliedsstaaten nehmen daran teil, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Das DLR entwickelt für den europäischen Mars-Rover neue Räder

ExoMars stellt mit Kameras, Radar, und vielen Experimenten ein ausgeklügeltes mobiles Labor dar. Zu ExoMars gehört auch eine stationäre Plattform, die eigenständig Experimente durchführt und Daten über die meteorologischen Bedingungen in der Atmosphäre sammelt. Als Hauptziel der Mission nannte Bruno Gardini, Leiter des Aurora-Programms, „die gezielte Suche nach früherem oder gegenwärtigem Leben.“
Gardini verwies auf die Ergebnisse der europäischen Raumsonde Mars Express. Danach sei mittlerweile klar, dass es auf dem Mars Wasser gab und noch heute gibt. Und wo Wasser ist, könnte auch Leben sein.

Leben auf dem Mars?

Bruno Gardini bei seinem Vortrag zum ESA-Marsprogramm

Bruno Gardinis Augen funkeln, als er auf der ILA-Medienbühne zu dieser die Menschheit interessierenden Fragstellung ausholt: „Auf der Erde haben wir schon Mikroorganismen gefunden, die mehr als drei Millionen Jahre im ewigen Eis verbracht und überlebt haben. Auf dem Mars gibt es ebenfalls Permafrostboden. Dort könnte sich Ähnliches abspielen – jedoch unterirdisch. Möglicherweise sind diese Lebensspuren in so kleinen Mengen vorhanden, dass wir sie bislang noch nicht entdecken konnten. Wir können jedenfalls Leben auf dem Mars nicht ausschließen.“

An der Oberfläche selbst wäre eine derartige Suche sinnlos. Durch die permanente Bombardierung mit hochenergetischer kosmischer Strahlung ist sie steriler als jeder Operationstisch im Krankenhaus. Daher hat ExoMars einen Bohrer an Bord, der bis zu zwei Meter in den Marsboden eindringen und Proben entnehmen kann, die im mitgeführten Biolabor an Ort und Stelle analysiert werden können. Der Bohrer soll auch mögliche Vorkommen flüssigen Wassers unterhalb der Oberfläche entdecken.

Gardini berichtet, dass einige Technologien, die der Mars-Rover zur Erfüllung seiner geplanten Aufgaben benötigen wird, in Europa noch nicht vorhanden sind und gegenwärtig entwickelt werden. Auch seien noch viele Details dieser anspruchsvollen Mission in den kommenden Monaten zu klären. Hierzu gehört die Frage, ob ExoMars einen Orbiter bekommt, über den die Signale dann zur Erde geleitet werden. Sobald diese Entscheidung getroffen ist, steht auch die Trägerrakete fest – Sojus 2 oder Ariane 5.

Eine Entscheidung ist gerade getroffen worden: Die nächste ILA findet vom 27. Mai bis zum 1. Juni 2008 in Schönefeld statt. Und mit der ILA 2008 wird es sicherlich wieder eine attraktive Raumfahrthalle geben.

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