ESA gratuliert: Ulf Merbold und Thomas Reiter im All verewigt

Ulf Merbold an Bord von Spacelab 1
12 Juni 2008

Die ersten deutschen Raumfahrer, die es bis in den Asteroidengürtel geschafft haben, sind die ESA-Astronauten Ulf Merbold und Thomas Reiter. Auf Anregung der Internationalen Astronomischen Union IAU ist den beiden ein bleibendes Denkmal gesetzt worden: Zwei Kleinplaneten tragen nun ihre Namen.

Wer kann schon zu Lebzeiten von sich behaupten, dass er im Himmel zu finden ist? Die beiden deutschen Langzeitflieger, Thomas Reiter und Ulf Merbold, können es.
Thomas Reiter lernte bei zwei Langzeitflügen über insgesamt 350 Tage sowohl die russische MIR-Station (1995/96) als auch die ISS (2006) kennen. Er war der erste Deutsche, der einen Weltraumausstieg durchführte (1995). Heute ist er Raumfahrt-Vorstand beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Der Physiker Ulf Merbold ist der zweite Deutsche im All. Er absolvierte insgesamt drei Raumflüge über insgesamt 50 Tage, bei denen er ebenfalls die amerikanische (STS 9, STS 42) und die russische Technik (Sojus TM 20/EUROMIR 94) verinnerlichte.

Der Asteroidengürtel: Neue Heimat für Merbold und Reiter

Die beiden Raumfahrer sind nunmehr als Kleinplaneten im Asteroidengürtel anzutreffen, bewegen sich also im Raum zwischen Mars und Jupiter. Die zwei Felsbrocken haben einen Durchmesser zwischen fünf und sieben Kilometer und benötigen mehr als vier Jahre für einen Umlauf um die Sonne.

Das internationale „Minor Planet Center“ (MPC) gab die Namensverleihung vor wenigen Tagen im Auftrag der Internationalen Astronomischen Union (IAU) bekannt.
Die offiziellen Bezeichnungen der beiden Kleinplaneten lauten:

  • 10973 Thomasreiter (1210 T-2)
  • 10972 Merbold (1188 T-2)

Das unter Schirmherrschaft der IAU arbeitende MPC ist die offizielle Organisation, die sämtliche Daten von Kleinplaneten (Asteroiden) und Kometen sammelt, auswertet und veröffentlicht. Es wurde 1947 gegründet und ist dem Smithsonian Astrophysical Observatory (SAO) angegliedert. Nur das MPC darf Neuentdeckungen von Kleinplaneten und Kometen bestätigen.

Die Entdecker der Kleinplaneten

Thomas Reiter

Die beiden Kleinplaneten, auch Asteroide oder Planetoide genannt, wurden 1973 von dem bekannten deutsch-niederländischen Astronomenpaar Ingrid van Houten-Groeneveld und Kees J. van Houten entdeckt. Sie fanden die beiden Objekte bei der Auswertung von Fotoplatten, die mit dem berühmten Oschin-Schmidt-Teleskop (Öffnung 120 cm und 180 cm Spiegeldurchmesser) erstellt worden sind. Das Teleskop wurde 1948 in Betrieb genommen und gehört zum Palomar-Observatorium auf dem Palomar Mountain, der sich 80 Kilometer nordöstlich von San Diego in Kalifornien befindet.

Die Fotoplatten wurden von dem niederländischen Astronomen Tom Gehrels angefertigt. Herr und Frau van Houten-Groenevald identifizierten auf diesen Platten zwischen 1960 und 1977 annähernd 6000 Planetoiden und gaben über 800 von ihnen Namen. Die 1921 geborene Ingrid van Houten-Groenevald stammt ursprünglich aus Heidelberg. Sie lebt in den Niederlanden in Leiden und unterstützte die spezielle „deutsche“ Nominierung der beiden ESA-Astronauten. Trotz ihres hohen Alters ist sie in der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch sehr aktiv.

Wie erhalten kosmische Körper ihren Namen?

Die Entdeckung eines neuen Objektes wird dem MPC gemeldet. Handelt es sich hierbei um einen Kometen, wird er nach dem Entdecker benannt. Bei Kleinplaneten vollzieht sich die Benennung über zwei Stufen. Zunächst erhalten die neu entdeckten Objekte einen provisorischen Namen. Der Entdecker besitzt zwar das Vorschlagsrecht für einen Namen dieses Objektes, kann dieses Recht aber erst ausüben, wenn die genaue Umlaufbahn des Objektes bekannt und durch unabhängige Astronomen bestätigt worden ist. Die IAU prüft nach ihren Kriterien den vorgeschlagenen Namen.

Weitere Informationen

Detailinformationen zu den Orbits von „10973 Thomasreiter (1210 T-2)“ und „10972 Merbold (1188 T-2)“ um die Sonne sind der Datenbasis über Kleinkörper in unserem Sonnensystem beim Jet Propulsion Laboratory der NASA zu entnehmen: http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi

Bei ihrem Umlauf um die Sonne können die beiden Raumfahrer durchaus auf ESA-Kollegen treffen: Im Asteroidengürtel fliegen bereits Gerhard Schwehm, Richard Marsden und Mike Perryman.

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