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    Ein genial unorthodoxes Landeverfahren

    Beagle 2 wird mit dem Hitzeschutzschild in der Marsatmosphäre abgebremst

    „Normalerweise wird ein Lander aus der Umlaufbahn um einen Planeten abgesetzt“, kommentiert Mike McKay das bevorstehende Vabanque-Manöver, „aber schmale Kassen führen zu unorthodoxen Kreativlösungen“: Fünf Tage vor der Landung wird Lander Beagle-2 vom Mutterschiff getrennt und es beginnt der kritischste Teil des Fluges. Damit der ohne Triebwerke ausgestattete Lander auch das Ziel erreicht, muss Mars Express zuvor auf einen Kollisionskurs mit dem Roten Planeten gebracht worden sein. Beagle würde dann exakt auf diesem Kurs passiv seinem Ziel entgegenfliegen. Vom Moment der Trennung bis zur Landung existieren keine Eingriffsmöglichkeiten von der Erde aus. „Wenn die Lageorientierung von Mars Express auch nur geringfügig abweicht, rast Beagle entweder am Mars vorbei oder verfehlt sein Landeziel“, erklärt McKay die Situation. Gelingt aber die Landung, wäre es ein großer Erfolg für Europa und ein überzeugender Beweis dafür, dass geniale Hightech-Lösungen auch äußerst kostengünstig erreichbar sind.
    Die Abtrennung des Landers beginnt mit der Aktivierung einer einfachen mechanischen Vorrichtung, dem Spinup and Eject Mechanism (SUEM). Er sorgt dafür, dass Beagle zur Lagestabilisierung in Rotation versetzt wird und sich anschließend vom Orbiter löst. Fünf Tage nach der Trennung, am 25. Dezember 2003, erfolgt der Eintritt in die Marsatmosphäre. Jetzt muss sich das Entry, Descend and Landing System (EDLS) bewähren. Es besteht aus drei Subsystemen: einem Hitzeschild, der gleichzeitig als aerodynamische Bremse wirkt, einem Fallschirmsystem und drei mit Gas gefüllten Airbags.
    Zunächst bremst der Hitzeschild die Sonde durch Reibung in den oberen Atmosphärenschichten ab, denn Beagle rast mit anfänglichen 20 700 km/h auf den Mars zu. Nach der erfolgreichen Abbremsung auf weniger als 1600 km/h tritt das Fallschirmsystem in Aktion. Zunächst schießt ein kleiner Schirm zur Lagestabilisierung heraus. Gleichzeitig wird der Hitzeschild vom Lander getrennt. Kurze Zeit später öffnet sich der Hauptfallschirm, der Beagle weiter abbremst. Dieser wird unmittelbar vor der Landung abgetrennt, so dass Beagle frei und unbehindert auf den Mars aufsetzen kann. Zuvor jedoch, etwa 250 m über dem Marsboden, beginnt ein automatisches Airbag-System drei riesige Gassäcke mit Ammoniak zu füllen, die den Lander wie ein Kokon umhüllen und den späteren Aufprall dämpfen. Nach der Landung werden die Haltemechanismen der Gassäcke geöffnet. Das flache Landegerät rollt auf den Boden, ein Deckel wird aufgeklappt und orientiert das Gerät an der Marsoberfläche. Nun können die vier Solarzellenpaneele ausgeklappt, die Batterie aufgeladen und die mit Spannung erwartete erste Botschaft gesendet werden: "Beagle has landed!“

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