Das Sulzberger Schelfeis in der Antarktis

Eisberge in der Antarktis aufgrund des Tsunamis in Japan abgebrochen

9 August 2011

Das Erdbeben vom März 2011, das gefolgt von einem Tsunami ganze Küstenstriche Japans zerstörte, zieht Nachwirkungen mit sich, die sich bis hin in die Antarktis bemerkbar machen. Satellitenbilder haben gezeigt, dass sich neue Eisberge gebildet haben, nachdem der Tsunami das Sulzberger Schelfeis erreicht hatte.

Ein NASA-Team erkannte die neu gebildeten Eisberge anhand der Radarbilder des ESA-Umweltsatelliten Envisat. Der größte dieser Eisberge hat eine Fläche von ca. 6,5 x 9,5 km und eine Dicke von etwa 80m.

Die Ergebnisse wurden am Montag in der Online-Zeitschrift Journal of Glaciology veröffentlicht. Sie zeigen den Zusammenhang zwischen dem Tsunami und dem Kalben der Eisberge - ein Zusammenhang, den Kelly Brunt, Kryosphären-Expertin der NASA am Goddard Space Flight Center in Greenbelt (USA) zusammen mit ihren Kollegen entdeckte.

Das Tohoku-Erdbeben der Stärke 9,0 traf die Küste Japans und brachte einen Tsunami mit riesigen Wellen mit sich. Die Wellen breiteten sich dann über den Pazifischen Ozean aus, 13.000 km südlich des Sulzberger Schelfeises in der Antarktis, und bewirkten, dass großflächige Eismassen abbrachen und in das Rossmeer gelangten.

Wellen wahrscheinlich nur 30 cm hoch

ESA-Umweltsatellit Envisat

Diese Wellen waren wahrscheinlich nur etwa 30 cm hoch als sie das Sulzberger Schelf erreichten, doch ihre Intensität löste einen derartigen Gesamtdruck aus, dass das Eis dem nicht standhalten konnte.

„Diese neuen Ergebnisse in der Antarktis zeigen, wie entscheidend Satellitenbeobachtung zum Verständnis von Mechanismen und Folgen von Naturkatastrophen beiträgt“, so Henri Laur, ESAs Envisat-Missionsmanager.

„Die Envisat-Daten zum Tohoku-Erdbeben sind von Wissenschaftlern auch dazu genutzt worden, wenige Wochen nach dem Beben eine detaillierte Karte der Oberflächendeformation in Japan zu erstellen“.

Das Advanced Synthetic Aperture Radar an Bord von Envisat kann Bilder bei allen Wetterlagen und Lichtverhältnissen erfassen und ist somit für die Beobachtung von Polarregionen fundamental.

Envisat sammelt täglich Radarbilder der Antarktis, die Nutzern der ESA MIRAVI Webseite kostenlos zur Verfügung stehen. Gesteuert wird Europas größter Umweltsatellit vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA/ESOC in Darmstadt.

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