Grünes Licht für den Mars-Lander

Beagle 2 soll auf dem Mars nach Lebensspuren suchen
13 Juni 2003

Auf ihrem langen Weg zum Roten Planeten hat die europäische Raumsonde Mars Express einen weiteren risikoreichen Meilenstein erfolgreich genommen. Drei speziell konstruierte Halterungen, die den Lander Beagle-2 während des Starts fest an den Orbiter pressten, wurden in der letzten Woche auf ein Kommando vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt gelöst. Damit ist Beagle-2 bereit für das einmalige Mars-Landemanöver am 26. Dezember.

Die Ingenieure des ESOC atmeten tief durch. Eine weitere risikoreiche Flug-Operation war ihnen erfolgreich gelungen. Nun steht der Abtrennung des Landers fünf Tage vor der Ankunft am Mars nichts mehr im Weg. Hätten die Spezialhalterungen nicht oder nur teilweise geöffnet werden können, wäre eine Landung unmöglich. „Die Beagle-2-Mission wäre schon beendet, ehe sie überhaupt begonnen hat“, kommentierte ESA-Lander-Manager Con McCarthy die Konsequenzen eines Fehlschlags für das Unternehmen.

Die jetzt gelösten Klammern dienten als zusätzliche Befestigung von Beagle-2 am Orbiter, um die empfindlichen Instrumente an Bord vor unnötigen Belastungen während des Starts zu schützen. Ein Raketenstart ist für die Nutzlast nämlich mit großem Stress verbunden. Während der Antriebsphasen der Raketenstufen entstehen Schwingungen, Lärm und Vibrationen. Um die wertvolle Fracht davor zu schützen, ist eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen erforderlich. Hierzu gehören auch die gesonderten Halteklammern für den Mars-Lander.
Nun verbindet das zweite, noch raffiniertere Befestigungssystem, Lander und Orbiter miteinander. Dieses tritt erst zu Weihnachten in Aktion. Es sorgt dann sowohl für die Abtrennung von Beagle-2 vom Orbiter als auch durch Rotation für dessen Stabilisierung im Landeanflug.

ESA-Technik mit Samthandschuhen

Die für die Klammern angewandte Technologie weicht von den sonst üblichen Verfahren ab. Normalerweise werden derartige Mechanismen mit kleinen Sprengladungen abgetrennt. Die ESA-Wissenschaftler entschieden sich aber für ein sanftes Verfahren. Die Halteklammern hatten die Techniker mit Federbolzen befestigt, welche wiederum von einer Hülle umgeben waren. Diese Hülle enthielt eine elektrische Widerstandsheizung. Wenn ein elektrischer Strom das Widerstandselement durchfließt, erhitzt es sich. Auf diese Weise wurden die Hüllen bis auf 100 °C aufgeheizt. Bei dieser Temperatur dehnten sie sich aus und der Bolzen im Innern hatte Platz zum Aufschnappen.

"Wir mussten zwei Minuten warten, bis die Hüllen um die Bolzen sich ausdehnten. Die Atmosphäre im Raum war in dieser Zeit sehr angespannt. Die zwei Minuten schienen eine Ewigkeit zu dauern. Als sich der erste Bolzen löste, war die Erleichterung bei allen Anwesenden deutlich zu spüren“, beschrieb McCarthy das Szenario im ESOC während der kritischen Operation.

Auf Mars Express warten noch eine Reihe weiterer Hürden, aber der bisherige Verlauf des Fluges zeigt, dass Europas erste interplanetare Raumsonde sowie deren terrestrische Bahnverfolgungs- und Steuer-Crews im ESOC in Darmstadt den Herausforderungen hervorragend gewachsen sind.

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