Huygens Botschaft an die Außerirdischen

11 Januar 2005

Wenn Huygens am 14. Januar auf dem Saturnmond Titan nieder geht, gelangt mit der ESA-Sonde erstmals eine CD auf eine außerirdische Welt: Rockmusik und Grußbotschaften aus Europa.

Nach siebenjährigem Gemeinschaftsflug des Späherduos Cassini/Huygens erfolgte Weihnachten ihre Trennung. Seit dem 25. Dezember ist nun Europas Landesonde im Anflug auf Titan allein auf Achse. „Like a Rolling Stone“, würde der Rock’n Roller sagen.
Kurz vor dem Eintauchen in die dichte Smog-Atmosphäre des Saturnmondes am 14. Januar 2005 gegen 10 Uhr MEZ erweckt ein vorprogrammierter Timer den ESA-Lander zum Leben.

Heiße Rockmusik eiskalt serviert

Huygens ist von Cassini getrennt worden

Wenn Huygens dann mit sechs hochaktiven Bordinstrumenten am Fallschirm durch den orangefarbenen Dunst schwebt, wird nicht nur eine Fülle an wissenschaftlichen Daten über den geheimnisvollsten aller Monde zur Erde gefunkt.

Den Sieben-Jahres-Trip mitgemacht hat auch eine CD mit einem interplanetaren Musik- und Kulturprogramm von der Erde, die nun auf dem Saturnmond Titan verbleibt. „Lalala“, „Bald James Dean“, „Hot Time“ und „No Love“, so die Titel der vier Rocknummern, die von dem französischen Komponisten-Duo Julien Civange und Louis Haeri stammen. Die vier speziell für die Saturnmission erarbeiteten Songs mit einer Spieldauer von insgesamt 14 Minuten wurden unter der Projektbezeichnung „Music2Titan“ 1997 auf eine CD-Rom gebrannt und im Bauch der Landesonde Huygens verstaut.

Das Spacerock-Instrumental „Lalala“ steht für die Vorbereitungsphase und den Bau der Sonde, „Bald James Deans“ thematisiert künstlerisch die Trennung des europäischen Huygens-Landers von der amerikanischen Muttersonde Cassini. Das eher experimentelle Rockstück „Hot Time“ bezieht sich auf die Titan-Erkundung. Und „No Love“ schließlich widmet sich dem Aufbruch der Menschen zu den Sternen.

Interessierte können sich die Lieder auf der Website des Spacerock-Projekts anhören, im Internet zu finden unter www.music2titan.com

Erdenbürger grüßen Saturnmond

„Die ESA wollte eine künstlerische Nachricht von Menschen auf Titan hinterlassen“, erläutert Julien Civange Europas Botschaft an die außerirdische Welt. Franco-Rocker Civange rechnet allerdings nicht mit großen Publikumserfolgen auf dem eiskalten Saturnmond. „Natürlich nur symbolisch, schließlich wird die Musik da oben ja nicht gespielt. Aber mir gefällt die Idee, da oben eine Nachricht für mögliche außerirdische Lebensformen zu hinterlassen.“

Neben den vier Musikstücken enthält die CD an Bord von Huygens aber auch Grußbotschaften aus allen Ländern Europas. Vor dem Start der Mission hat die ESA den Bürgern Europas die einmalige Gelegenheit geboten, eine Nachricht zu fernen Welten zu senden. Mehr als 80 000 Menschen nahmen diese Möglichkeit wahr. Sie formulierten oder zeichneten eine Botschaft, die allesamt auf dieser CD gespeichert wurden und nunmehr zum Titan gelangen.
Im Internet können diese Nachrichten unter http://television.esa.int/Huygens/index.cfm eingesehen werden.

Was nehme ich auf eine einsame Welteninsel mit?

Ob Aliens jemals diese Botschaft sehen oder hören können, ist fraglich. Doch das ist momentan unerheblich. Viel spannender wird jetzt die beginnende philosophische Diskussion: Ist das, was die Schöpfer auf diese CD gebannt haben, repräsentativ für Europa? Kann man ein interplanetares oder gar interstellares Kulturprogramm auf „Europa“ beschränken?

Müsste nicht das planetare Wissen der Menschheit an die Außerirdischen mitgegeben werden? Und wenn ja, was geben wir – angesichts der auf wenige Gramm limitierten Nutzlastbeschränkung – der Raumsonde als planetares Wissen der Menschheit weiter? Welche Erkenntnisse? Welche Bilder? Welche Musik? Welche Töne? Welche (toten oder lebenden) Sprachen?

Erster extraterrestrischer Soundcheck

Der so liebevoll mit irdischer Rockmusik versorgte Saturnmond wird den Bewohnern des Blauen Planeten jedoch soundmäßig nichts schuldig bleiben. Wenn die Huygens-Landesonde schließlich in Erfüllung ihrer wissenschaftlichen Aufgaben durch die Atmosphäre des Titan schwebt, wird sie außer Bildern und Messwerten noch etwas Anderes zur Erde übertragen: Töne. Kleine Mikrofone an Bord werden erstmals hörbar machen, wie es auf einem anderen Himmelskörper des Sonnensystems klingt.

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