ISPO 2007: Innovation from Space

Hitzeschutztechnik aus dem All: Hydro-Jacket für Feuerwehrleute
6 Juli 2007

Vom All in den Alltag: Auf der vom 8. bis 10. Juli in München stattfindenden weltgrößten Sport- und Lifestyleartikelmesse ISPO Sport & Style präsentiert die ESA Hightech-Lösungen aus der Raumfahrt und ihre irdischen Anwendungsmöglichkeiten. ESA-Schwerpunkt diesmal: Schutzbekleidung gegen Extremtemperaturen.

Die auf dem Gelände der Neuen Messe München angesiedelte „ISPO Sport & Style“ bietet einen Überblick über das weltweite Angebot an Sportartikeln und verwandten Fashion- und Lifestyleprodukten. Über 1000 Aussteller aus aller Welt offerieren auf der führenden Fachmesse ihre neuesten Erzeugnisse aus allen Bereichen des Sports und stellen Technik- und Modetrends in einer weltweit einzigartigen Präsentationsform vor. Die Messe öffnet ihre Pforten am 8. und 9. Juli von 9.00 bis 18.00 Uhr und am 10. Juli von 9.00 bis 17.00 Uhr.

Ein Highlight der ISPO ist die Sonderschau zum Thema „Wearable Technologies“ (WT), die sich zur international führenden Marktplattform für technologische Sportartikel und tragbare Consumer Electronics entwickelt hat. Unter „Wearable Technologies“ versteht man kurz gesagt Bekleidung und Accessoires, die technische Zusatzfunktionen bieten. Ein Pulsmessgerät in Handschuhform, stromliefernde Handy-Taschen mit Solarpaneelen und ein T-Shirt mit integriertem Tastenfeld zur Steuerung eines iPod sind nur einige der Eyecatcher, die in der Innovationshalle B2 präsentiert werden. „Die ESA ist an unserem 250 m² großen WT-Stand mit einer eigenen Theke neben einem Modell der Ariane-Trägerrakete vertreten“, erläutert Ulrike Daniels vom Organisator der WT-Schau, der Firma Navispace.

Weltraumerprobte Textiltechnik für irdische Funktionskleidung

Die ESA stellt auf der ISPO gleich zwei hervorragende Beispiele für „Wearable Technologies“ vor, die auf innovativen Konzepten aus der Raumfahrt basieren.
„Wir präsentieren eine extrem hitzeabweisende Schutzjacke für Feuerwehrleute und eine hochisolierende Jacke, die auch bei Außentemperaturen von unter minus 50 Grad Celsius noch warm hält. Beide bestehen aus Hightech-Textilsystemen, die ursprünglich für den Einsatz im Weltraum konzipiert wurden, wo wir ja mit Höllenhitze und Eiseskälte gleichermaßen klarkommen müssen“, erläutert Frank M. Salzgeber, der das Technology Transfer Promotion Office (TTPO) der ESA leitet.
„Die beiden Jacken sind im Rahmen des Technologietransfer-Programms der ESA entstanden. Sie vermitteln einen Eindruck von dem riesigen Potenzial der raumfahrtbezogenen Forschung, innovative Lösungen für den Alltag auf der Erde bereitzustellen.“

Gegen Höllenhitze und Eiseskälte

Concordia Station Antarctica
In der Eiswüste am Ende der Welt: Die Antarktisstation Concordia

Mit dem von der italienischen Firma Grado Zero Espace entwickelten Hydro-Jacket stellt die ESA eine Schutzjacke für die Arbeit in extrem heißer und gefährlicher Umgebung vor. Die Hightech-Joppe ist aus einem komplexen dreischichtigen Textilsystem gefertigt, das speziell für Raumanzüge konzipiert wurde. Im All schützt es Astronauten bei Außenbordeinsätzen unter direkter Sonneneinstrahlung hoch effektiv vor Überhitzung. Auf der Erde soll es Feuerwehrleute und Stahlarbeiter vor Flammen und Hitze schützen.

Die Außenhaut der Jacke besteht aus einer stark reflektierenden Aluminiumfolie, die bis zu 97 Prozent der auftreffenden Hitze zurückstrahlt. Die Folie ist auf eine Flammen hemmende Schicht aufgebracht, die bei Hitze aufquillt und so die Hitzeleitfähigkeit vermindert. Darunter liegt eine mehrlagige Textilschicht, die ein Hydrogel enthält, das Wasser einlagern kann. Diese Wasser absorbierende Schicht nimmt den Schweiß des Trägers auf und dampft ihn erst bei extrem hohen Temperaturen nach außen ab, was für Kühlung sorgt. Die dritte, innerste Schicht besteht aus einem schwer entflammbaren Polyesterstoff. Das hoch entwickelte Textilsystem bildet die Thermoregulation im menschlichen Körper künstlich nach.

Auch das zweite vorgestellte ESA-Exponat, die Zero-Kälteschutzjacke, stammt aus den Ateliers von Grado Zero Espace. Die Isolierjacke, eine Spezialentwicklung für die Forscher der Antarktisstation Concordia, ist mit anatomisch geformten Aerogel-Pads ausgestattet. Aerogele sind ultraleichte, hochporöse Feststoffe, die zu 99,8 Prozent aus Luft bestehen. Wegen der äußerst geringen Wärmeleitfähigkeit von Luft sind Aerogele optimale Isolatoren. In der Raumfahrt wird dieses Material eingesetzt, um Instrumente und Marssonden gegen die Tiefsttemperaturen des Alls zu isolieren. Und auch die Concordia-Forscher arbeiten ja bei Tiefsttemperaturen, die im antarktischen Winter unter minus 80 Grad Celsius fallen können. Aerogel-Kälteschutzkleidung wird aber sicherlich auch für Taucher, Segler und Bergsteiger interessant sein.

Begleitender WT-Kongress

Begleitend zur ISPO findet am 9. Juli im Münchner Kongresszentrum unter dem Motto „Where Fashion meets technology!“ ein WT-Kongress statt, auf dem Frank M. Salzgeber in einem Vortrag über WT-Visionen aus der Luft- und Raumfahrt redet.

Salzgeber denkt aber schon über die anstehende ISPO hinaus: „Wer mehr über Space-Textilien und ganz allgemein über Spin-Offs aus der Raumfahrt erfahren möchten, sei an dieser Stelle auf die European Space Technology Transfer Conference verwiesen, die am 16. und 17. Oktober ebenfalls in München stattfindet. Konferenzinfos gibt’s im Netz unter www.estt-conference.com.“

Ansprechpartner:

Frank M. Salzgeber
Leiter des Technology Transfer Promotion Office (TTPO)
European Space Agency – ESTEC
Keplerlaan 1
NL - 2201 AZ Noordwijk ZH
Tel.: +31 - 71 565 39 10
Fax: +31 - 71 565 5232
E-Mail: frank.salzgeber @ esa.int

Ulrike Daniels
Navispace AG
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