Kometen-Show im Internet

SOHO hat bereits über 500 Kometen entdeckt, hier die Nummer 500: C2002/P3
30 Januar 2003

Internet-Nutzer sitzen bei der Kometenbeobachtung in der ersten Reihe. Bis Freitag vormittag können Sie quasi live miterleben, wie der im Dezember 2002 entdeckte Komet Kudo-Fujikawa um die Sonne fliegt. Die Bilder überträgt das Sonnenobservatorium SOHO, das von der Europäischen Weltraumorganisation ESA gemeinsam mit der NASA betrieben wird. SOHO beobachtet seit 1996 die Aktivität unseres Zentralgestirns. Nach der Sonnenumrundung verschwindet Kudo-Fujikawa dann aus dem Blickfeld des Sonnenspähers.

„Jeder, der einen Internet-Anschluss hat, kann das spektakuläre Ereignis zu Hause mitverfolgen“, erklärt Paal Breeke, der als Projektwissenschaftler der ESA für die SOHO-Mission mitverantwortlich ist. SOHO beobachtet den Kometen mit den Kameras seines Weitwinkel-Koronographen LASCO. Mit einer kleinen Abdeckscheibe wird in den Kameras eine Art künstliche Sonnenfinsternis erzeugt. So kann man die Sonnenkorona beobachten, die sonst von der Sonne selbst überstrahlt wird. Und nur durch diese künstliche Sonnenfinsternis ist auch der Schweif von Kudo-Fujikawa zu erkennen, der sich als weißer Punkt um unser Zentralgestirn bewegt. Auf den SOHO-Webseiten unter zeigen regelmäßig aktualisierte Bilder den Kometen bei seiner Annäherung an die Sonne.

SOHO als Sonnenspäher, Wetterfrosch und Kometenjäger

Das am 2. Dezember 1995 gestartete europäisch-amerikanische Sonnenobservatorium SOHO (Solar and Heliospheric Observatory) ist – 1,5 Mill. km von der Erde entfernt – in dem so genannten Lagrange-Punkt L1 positioniert, wo sich die Anziehungskräfte von Erde, Sonne und Mond gegenseitig aufheben. Von dort aus beobachtet die Sonnensonde rund um die Uhr unser Zentralgestirn mit zwölf Spezialinstrumenten in verschiedenen Spektralbereichen.

SOHO´s Beobachtungen tragen wesentlich dazu bei, den Aufbau des Sonneninneren, die Mechanismen der Koronabildung sowie die Entstehung und Beschleunigung des Sonnenwindes verstehen zu können. Daten über die Intensität des Sonnenwindes werden auch genutzt, um das Weltraumwetter vorherzusagen, beispielsweise Sonnenstürme, deren Partikel mit dem Magnetfeld und der Gashülle der Erde in Wechselwirkung treten und große Schäden anrichten können.

Quasi „nebenbei“ wurden auf den spektakulären SOHO-Aufnahmen bis heute annähernd 500 unbekannte Kometen entdeckt. Viele dieser Weltraumvagabunden lösen sich kurz nach ihrem Outing in den Gluten unseres Zentralgestirns auf. Nicht so Kudo-Fujikawa. Zwar verdampft durch die Sonnenhitze ein Teil seiner Hülle, aber der Komet setzt seine Reise durch unser Sonnensystem fort. Ende Februar wird er dann am Nachthimmel über der Erde auftauchen.

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