Letzter Space-Shuttle-Flug mit einem ESA-Astronauten auf dem Weg zur ISS - „dunkle Materie“ im Visier

16 Mai 2011

ESA PR 14-2011 Die Raumfähre Endeavour ist heute um 14:56 MESZ zu ihrer letzten Mission (Flug STS-134) zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Das Andocken der Endeavour an der Raumstation wird voraussichtlich am Mittwoch, den 18. Mai um 12:15 MESZ erfolgen.

Der ESA-Astronaut Roberto Vittori wird mit seinen fünf Teamkollegen 16 Tage im All verbringen. Im Gepäck ist ein hochkomplexes europäisches Instrument zur Messung der von Antimaterie und so genannter „dunkler Materie“ im Kosmos hinterlassenen Spuren.

An Bord der ISS wird Vittori auf seinen italienischen Landsmann, den ESA-Astronauten Paolo Nespoli, treffen, der bereits seit Dezember auf dem internationalen Außenposten tätig ist.

STS-134 Crew

Vittoris Mission wurde auf den Namen „DAMA“ als Kürzel für das englische „dark matter“ getauft, denn sie steht ganz im Zeichen der Suche nach geheimnisvollen Materieteilchen, die mit einem 6,9 Tonnen schweren Instrument zur Erforschung der Grundlagenphysik, dem Alphamagnetspektrometer AMS-02, aufgespürt werden sollen. Diese Nutzlast dürfte die wohl bislang anspruchsvollsten wissenschaftlichen Experimente auf der Raumstation ermöglichen.

„Wissenschaftler weltweit haben große Erwartungen an die mit dem AMS-02 erfassten Daten, die Antworten auf grundlegende Fragen bringen sollen, etwa die nach der Zusammensetzung der unsichtbaren Masse im All“, so ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

„Damit ergänzt das Spektrometer wunderbar die Beobachtungen des ESA-Weltraumobservatoriums Planck, das den Anteil der unsichtbaren Masse mit hoher Präzision misst, und des Satelliten Herschel, der beispielsweise ihre Auswirkungen auf junge Galaxien erfasst.

Das AMS ist ein Paradebeispiel für die einzigartigen Möglichkeiten, die die ISS zur Unterstützung der Grundlagenforschung in verschiedenen Bereichen, wie den Lebenswissenschaften, der Erdbeobachtung, der Werkstoffforschung und der Physik, bietet.

Mit der vor kurzem genehmigten Verlängerung des ISS-Einsatzes bis 2020 haben wir nun die Kapazitäten, Wissenschaftlern auf der ganzen Welt ein internationales Labor bereitzustellen, um die Grenzen unseres Wissens immer weiter hinauszuschieben.“

AMS-02 an der ISS

Im AMS-02 kommt ein riesiger 1,2 Tonnen schwerer Magnet, dessen Feld 4000 mal stärker als das der Erde ist, zum Einsatz, um hochenergetische kosmische Strahlen mit bisher unerreichter Empfindlichkeit und Präzision auf Hinweise auf Antimaterie und dunkle Materie hin zu untersuchen.

Antimaterie dürfte ursprünglich parallel zur eigentlichen Materie entstanden sein, im Universum in seiner heutigen Form scheint sie jedoch nicht mehr zu existieren. Die dunkle Materie wiederum macht schätzungsweise 90 % der Masse unseres Weltalls aus, sie konnte allerdings bisher nicht durch direkte Messungen erfasst werden.

Flug STS-134 ist die 26. und letzte Space-Shuttle-Mission für einen ESA-Astronauten. Damit geht die enge Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA bei den Shuttle-Flügen nun zu Ende.

ESA-Astronauten waren drei Jahrzehnte lang bei ungefähr einem Fünftel der Space-Shuttle-Flüge mit von der Partie, und die ESA war an etwa zwei Dritteln der Missionen unmittelbar beteiligt. Zu den wichtigsten Nutzlasten zählten das Spacelab-Labor, die Sonnensonde Ulysses, die freifliegende europäische wiederverwendbare Raumplattform Eureca und vier Raumstations¬module, insbesondere das Columbus-Labor.

Die Endeavour soll am 1. Juni mit Vittori an Bord wieder zur Erde zurückkehren.

Zurzeit trainieren zwei weitere ESA-Astronauten für ihren sechsmonatigen ISS-Einsatz als ständige Mannschaftsmitglieder: Als erster ist André Kuipers an der Reihe, der im November an Bord einer Sojus starten wird. Luca Parmitano bereitet sich als erster der Neulinge, die 2010 den Astronautengrundlehrgang der ESA absolviert haben, auf einen Sojus-Start im Dezember 2013 vor.

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