Made in Darmstadt: SCOS-2000

Integral wird ebenfalls mit SCOS überwacht werden
22 April 2002

Hochentwickelte Software unterstützt die Fachleute in den Bodenstationen bei der Überwachung und Steuerung von Satelliten und Raumsonden im Weltraum. Das Zauberwort modernster ESA-Software heißt SCOS-2000. Sie löst gegenwärtig im European Space Operations Centre ESOC in Darmstadt ältere Versionen ab. Zum Austausch neuester Entwicklungen und Erfahrungen findet am 24. und 25. April im ESOC in Darmstadt der zweite Workshop zur SCOS-2000-Software statt.

1. März 2002: Im Main Control Room des ESOC in Darmstadt wird unter höchster Anspannung gearbeitet. Gerade haben die Techniker den ESA-Umweltsatelliten Envisat von der Startkontrolle in Kourou übernommen. Jetzt bereiten sie den Raumflugkörper vom Boden aus auf seine Arbeit im Weltraum vor und aktivieren Schritt für Schritt seine Bordsysteme. Auf den Bildschirmen erscheinen Daten und Grafiken. Besonders wichtige Informationen werden an der Frontseite des Raums auf grossen Displays angezeigt. Ermöglicht wird das durch die hochmoderne Software SCOS-2000 zur Steuerung und Überwachung von Satelliten, die bei Envisat noch im Zusammenwirken mit dem Vorgänger SCOS-1 zum Einsatz kommt. Mit ihrer Hilfe wird die übersichtliche Darstellung der technischen Parameter gewährleistet. Ausserdem koordiniert sie alle Funktionen zum Management der Betriebsabläufe an Bord eines Satelliten.
Schnittstellen ermöglichen die Anbindung an weitere Systeme des Raumflugkörpers, die – wie beipielsweise das Flugdynamiksystem – der Steuerung dienen.

SCOS-2000 wird aber nicht nur in der Start- und Missionsphase genutzt. Bereits lange davor, beim Test von Satelliten und der Simulation des künftigen Betriebs im Weltraum, beginnt die Software-Anwendung. Das spart Zeit sowie Kosten bei der Vorbereitung und Durchführung einer Mission.

Softwareschmiede ESOC

Die komplexen Prozesse der Inbetriebnahme eines Raumflugkörpers erfordern den Einsatz verzweigter Computernetze mit hochentwickelter Software. Und die hat es bekanntlich in sich. Aufgrund der speziellen Anforderungen wird ein grosser Teil der Programme im ESOC selbst geschrieben und in Zusammenarbeit mit spezialisierten Firmen zu ausgereiften Software-Produkten entwickelt. Ein Beispiel ist das bereits erwähnte SCOS-2000, das derzeit modernste Spacecraft Operations System der ESA.
Aufbauend auf die über 25jährigen Erfahrungen mit Programmen, wie SCOS-1 oder MSCC, haben die Darmstädter Ingenieure die neue Software erarbeitet. Sie kommt auf Rechnernetzen mit leistungsfähigen Workstations zum Einsatz, kann bei kleineren Projekten aber auch auf einen Einzelplatz installiert werden. Das Programmpaket besteht aus verschiedenen Komponenten, die je nach Bedarf eingesetzt und konfiguriert werden.
Um stets den neuesten Anforderungen gerecht werden zu können, arbeiten alle Beteiligten an der weiteren Entwicklung und Verbesserung der Software. Seit ihrem ersten Einsatz als Raumsondenmonitor bei der Sonnenmission SOHO 1995 wurde das Programm bereits um zahlreiche Funktionen erweitert.

Zweiter Workshop mit Erfahrungsaustausch

Orbiter und Lander mit Wirtanen (Grafik)
Orbiter und Lander mit Wirtanen (Grafik)

Am 24. Und 25. April treffen sich Entwickler und Nutzer von SCOS-2000 im ESOC in Darmstadt zu ihrem zweiten Workshop und besprechen die weitere gemeinsame Arbeit. Dabei werden neue Produkte rund um das Programmpaket SCOS-2000 vorgestellt sowie über deren Einsatz bei kommenden ESA-Missionen – speziell Integral und Rosetta – berichtet.
Die ESA-Software wird aber nicht nur im eigenen Haus genutzt. Interessenten aus der Raumfahrtindustrie oder anderen Organisationen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt können kostenfrei Lizenzen erwerben und das Programmpaket dann für ihre eigenen Zwecke nutzen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat beispielsweise seine neue Infrastruktur für die Überwachung von nationalen Satellitenmissionen mit SCOS-2000 ausgestattet.
Unternehmen wie der europäische Raumfahrtkonzern Astrium zeigten ebenfalls Interesse an dem Programm. Bei Astrium erfolgt sein Einsatz bei der Überprüfung von Satellitenhardware im Montage- und Testprozess.
Neben den zahlreichen News zu diesen Themen bietet der Workshop den Teilnehmern vor allem eins: einen einzigartigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

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