Präzisionslandung mit EGNOS

Eurocopter EC155
Der Eurocopter EC155 auf dem Flugplatz La Blécherette in Lausanne
20 Juli 2007

Kürzlich wurden in Lausanne (Schweiz) Landeanflugtests eines Hubschraubers unter Verwendung des European Geostationary Navigation Overlay Service (EGNOS) erfolgreich abgeschlossen. EGNOS erhöht die Genauigkeit von Signalen des amerikanischen Satellitennavigationssystems GPS um rund eine Zehnerpotenz und ist vor allem für die Luftfahrt von Nutzen.

EGNOS, ein gemeinsamer Service der ESA, der Europäischen Kommission und von Eurocontrol besteht aus mehr als 40 technischen Einrichtungen in ganz Europa, die Daten des amerikanischen Navigationssystems GPS sammeln, speichern, Korrekturen errechnen und so die GPS-Daten verbessern. Die modifizierten genaueren Signale werden dann über geostationäre Satelliten zu den Empfangsgeräten der Anwender übertragen. Die Genauigkeit des EGNOS-Signals liegt unter zwei Metern. Im Vergleich dazu erreicht das zivile GPS-Signal 15 bis 20 Meter. Außerdem gibt EGNOS eine Qualitätsgarantie für seine Daten, was bei GPS nicht möglich ist.

Mit EGNOS allwettertauglich

Nun wurde der europäische Service mit geeigneten Empfängern an Bord eines Hubschraubers erprobt, mit dem Ziel, Flüge auch unter schlechten Wetterbedingungen zu gewährleisten.
Denn die einzigartige Fähigkeit von Hubschraubern, nahezu jeden Punkt auf der Erdoberfläche zu erreichen, ist besonders für Rettungsdienste interessant. Eingeschränkt wird ihr Einsatz jedoch bei schlechter Sicht, da hier nationale und internationale Vorschriften der Luftfahrtbehörden zu beachten sind und die Helikopter oftmals am Boden bleiben müssen.
Die sogenannte Instrumenetenlandung unter Verwendung dses EGNOS-Signals hat nun gezeigt, das die von dem europäischen Service gelieferte akkurate Position und die Überwachung der Integrität des Navigationssignals Rettungsflüge an jedem beliebigen Ort und zu jeder beliebigen Zeit ermöglichen.

Das Ziel: Eine Dachplattform in Lausanne

Helipads at Lausanne University Hospital (CHUV)
Das Universitätskrankenhaus Lausanne mit der Landeplattform

Die Tests wurden mit einem Versuchs-Hubschrauber des Typs EC155 von Eurocopter durchgeführt, der allwettertauglich ist (im Französisch als Hélicoptère Tous Temps – HTT bezeichnet). Innerhalb des Testprogramms erfolgten wiederholte Landeanflüge auf die Hubschrauberplattform eines Medizinischen Helikopterrettungsdienstes (Helicopter Emergency Medical Service – HEMS). Die Plattform befindet sich auf dem Dach des Lausanner Universitätskrankenhauses und erfordert aufgrund ihrer geringen Fläche einen präzisen Anflug.

Das Testteam hatte seine Basis auf dem Lausanner Flugplatz La Blécherette bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Garde Aérienne Suisse de Sauvetage – REGA), die sich ebenfalls an den Versuchen beteiligte.

Dreidimensionale genaue Führung mit EGNOS

Antennas on EC155
EGNOS-Antenne am Heck des EC155

Begleitet und koordiniert wurden die Testflüge von Skyguide, dem Schweizer Flugüberwachungsdienst. Dieser gab auch die Flugdaten für die Landetests vor. Dabei ging es vor allem um die Nutzung genauer Daten für die dritte – die vertikale Ebene, wo GPS nur sehr ungenaue nicht brauchbare Werte liefert. Geprüft werden sollte das durch steilere Anflugwinkel. Die Vorgaben von Skyguide betrugen 6° und 9° - üblich sind 3°.
Der erste Eindruck der Piloten war sehr positiv. Trotz der steilen Anflüge ließ sich der Hubschrauber dank der durch EGNOS unterstützten dreidimensionalen Führung leicht fliegen. Der Einsatz von EGNOS bringt hier deutliche Vorteile gegenüber dem Standard-GPS.

Neben der zuverlässigen Führung auch bei schlechter Sicht bringen größere Anflugwinkel weitere Vorteile. So wird die Lärmbelästigung am Boden reduziert, da der Helikopter nun in größerer Höhe bis zum Ziel fliegen kann und erst „in letzter Minute“ zur Landung ansetzt. Zusätzlich reduziert ein steilerer Winkel den Lärm, der durch die Rotorblätter erzeugt wird.

Die Versuche wurden im Rahmen von GIANT (GNSS Introduction in the Aviation secTor) unternommen. GIANT ist ein Projekt des sechsten Framework Programms (FP6) der Europäischen Kommission und soll die Einführung von EGNOS- und Galileo-Diensten in der Luftfahrt fördern, indem den Entscheidungsträgern durch Erprobungen demonstriert wird, dass die geforderten Sicherheitsstandards erreicht werden.
Die Hubschraubertests folgten EGNOS/GIANT-Versuchen, die mit Flugzeugen Ende des letzten Jahres in Valencia (Spanien) durchgeführt wurden. Weitere GIANT-Flüge werden 2007 auf anderen europäischen Flugplätzen und Ölbohrinseln in der Nordsee folgen.

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