Satellitenbild der Woche: Gletschersystem der Antarktis

8 April 2011

Dieses Envisat-Bild zeigt das Brunt-Schelfeis/Stancomb-Wills-Gletschersystem an der Nordküste von Coatsland in der Ostantarktis.

Dieses Gletschersystem ist ein dünnes, unbegrenztes Schelfeis, das an der Caird-Küste am östlichen Rand des Weddellmeeres liegt. Bindeglied zwischen dem Brunt-Schelfeis (ganz links im Bild) und der Stancomb-Wills-Gletscherzunge (Bildmitte) sind Eisberge, die von bis zu 50m extrem dickem Festeis und kleineren Eisblöcken zusammengehalten werden.

Die Stancomb-Wills-Gletscherzunge wird vom Stancomb-Wills-Gletscher gespeist und bewegt sich recht schnell. Der vordere Teil der Eisfläche ist etwa 70km breit.

Rechts der Stancomb-Wills-Gletscherzunge ist die eisbedeckte Lyddan-Insel erkennbar. Mit ihren drei schmalen Armen ähnelt sie der Schwanzflosse eines Wals.

Weite Teile des Gletschers wurden stark beansprucht. Einen großen Riss sieht man z.B. zwischen der Lyddan-Insel und der Gletscherzunge.

Das Brunt-Eisschelf ist eine 100 Meter dicke Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und von Gletschern des Königin-Maud-Landes gespeist wird.

Das Inlandeis bewegt sich um mehrere Hundert Meter pro Jahr in Richtung Ozean. Hat es das Weddellmeer einmal erreicht, so ist es höheren Temperaturen sowie den Gezeiten ausgesetzt. Hierdurch brechen einzelne Stücke ab und es entstehen zum Teil riesige Eisberge.

Seit Mitte der 1950er Jahre befindet sich die Halley-Station des Britischen Polarforschungsprogramms auf dem Brunt-Eisschelf . Mit den Bewegungen des Schelfeises verschiebt sich auch die Halley-Station, und zwar um etwa einen halben Kilometer pro Jahr Richtung Nord-Westen.

Die Erkundung des Schelfeises spielt eine wichtige Rolle, da es ein wichtiger Indikator für den Klimawandel ist. Das Langzeitmonitoring der Antarktis durch Satelliten liefert wesentliche Informationen zu Klimatrends und ermöglicht Wissenschaftlern, Vorhersagen zu verbessern.

Die ESA-Satellitenmissionen ERS und Envisat haben in den vergangenen 20 Jahren gezeigt, dass Erdbeobachtungsdaten insbesondere für die Polargebiete von Nutzen sind.

Aufgrund seiner Fähigkeit, durch Wolken und Dunkelheit hindurchzusehen, ist ASAR (Advanced Synthetic Aperture Radar), das Radargerät von Envisat, besonders zur Erfassung von Daten aus der Antarktis geeignet. Die Bilder, die ASAR täglich von der Antarktis macht, sind für Wissenschaftler leicht zugänglich.

Das Bild wurde am 5. März 2011 von ASAR aufgenommen.

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