Gruppenphoto der Teilnehmer der Alpbach Sommerschule 2013

Sommerschule Alpbach 2013 erforschte Weltraumwetter

7 August 2013

Zum 37. Mal lud die Sommerschule kreativen wissenschaftlichen Nachwuchs aus ganz Europa nach Alpbach in Tirol ein. 60 junge Wissenschaftler und Ingenieure aus den ESA-Mitgliedsstaaten im Alter zwischen 19 und 39 Jahren beschäftigten sich vom 16. bis 25. Juli unter dem Motto „Space Weather: Sciences, Missions and Systems“ mit der Planung neuer Satellitenmissionen zur Erforschung des Weltraumwetters.

Ideenpool und Kaderschmiede für Forschung und Industrie

Ein Rückblick auf 37 Alpbach Sommerschulen zeigt die Bedeutung für Wissenschaft und Industrie. Die jungen Forscherinnen und Forscher gehen in kürzester Zeit (10 Tage) unkonventionell und höchst motiviert an die Lösung schwieriger Aufgaben heran. Die Lernkurve ist steil, die Motivation beeindruckend. Die präsentierten Vorschläge stecken voller neuer Ideen. Einige dieser Ideen könnten sich in realen Projekten und Missionen der ESA und nationaler Raumfahrtorganisationen widerspiegeln.

Jeder Teilnehmende der Sommerschule Alpbach erhält zum Abschluss eine Teilnahmebestätigung, die bei Bewerbungen in Forschung und Industrie und der Europäischen Weltraumorganisation ESA schon viele Türen geöffnet hat. Ehemalige Sommerschüler kehren oft selbst als Vortragende und Tutoren nach Alpbach zurück.

Teilnehmer der Alpbach Sommerschule bei der Projektarbeit

Die Studenten 2013 setzten die Tradition der seit 1975 stattfindenden Sommerschulen in Alpbach fort. Die Veranstaltung hat sich zu einer Weltraumfortbildungsstätte mit international anerkanntem Ruf entwickelt und zeigt jedes Jahr, dass ein „kleines“ Mitgliedsland der ESA große Errungenschaften für die europäische Nachwuchsförderung leisten kann. Die Sommerschule Alpbach ist für ihre Absolventen ein wichtiger Schritt auf ihrem Karriereweg in die Raumfahrt. Viele Mitarbeiter der ESA, der europäischen Weltraumindustrie und –forschung haben den Grundstein für ihre weitere Karriere während einer Sommerschule Alpbach gelegt.

Die Sommerschule Alpbach wird von der FFG gemeinsam mit der ESA und den nationalen Raumfahrtorganisationen ihrer Mitgliedsstaaten organisiert. Finanziell unterstützt wird die Sommerschule von Austrospace, der Vereinigung der österreichischen Raumfahrtindustrie. Ein traditioneller Partner ist das International Space Science Institute (ISSI) in Bern. 

Genauere Vorhersagen des Weltraumwetters

Unsere moderne Gesellschaft hängt mehr und mehr von Technologien ab, die durch das Weltraumwetter beeinflusst werden können. Der Begriff Weltraumwetter beschreibt die von der Sonne hervorgerufenen Veränderungen des Weltraumplasmas, die speziell im erdnahen Bereich der Magnetosphäre (bis 10.000 km Entfernung zur Erde) wahrgenommen werden. Erhöht die Sonne ihre Aktivität, nimmt die Intensität des Sonnenwindes und der Strahlung so sehr zu, dass geladene Teilchen und Ströme bis weit hinunter in die Erdatmosphäre vordringen.

Auswirkungen des Weltraumwetters auf Satelliten

Mit teils gravierenden Folgen: Sie können Satelliten außer Gefecht setzen, den Funkverkehr stören, Astronauten gefährden, die Strahlungsbelastung an Bord von Flugzeugen erhöhen und Kurzschlüsse in Stromversorgungsnetzen auslösen. Ein wirksamer Schutz vor den negativen Auswirkungen des Weltraumwetters ist technisch schwierig und in vielen Fällen nicht möglich. Umso wichtiger sind genauere Vorhersagen. Voraussetzung dafür ist, dass man die Grundlagen des Weltraumwetters versteht. Ohne Satellitentechnik sind solche Forschungen undenkbar. Starke Sonnenwindaktivitäten zeigen auch schöne Phänomene, wie zum Beispiel Polarlicht in niedrigen Breiten. Für Alaska, Schweden und Finnland ist daher eine genauere Vorhersage wichtig für deren Tourismus.

Hier setzte die Sommerschule Alpbach an. Anerkannte Experten erklärten den Teilnehmenden in Vorträgen die Ursachen, Auswirkungen und Vorhersagbarkeit des Weltraumwetters. Nach Klärung der theoretischen Fragen ging es im Workshop-Teil für die Studenten an die technische Umsetzung einer innovativen Weltraumwettermission.

Zehn Tage Sommerschule Alpbach mit Theorie und Praxis: Neue innovative Missionskonzepte waren gefragt

Berechnungen

Wie bewährt, wetteiferten vier Teams mit je 15 Teilnehmern aus 18 europäischen Nationen unter fachkundiger Anleitung um das anspruchsvollste Missionskonzept. Dabei galt es, alle Elemente einer möglichen künftigen Weltraumwettermission zu berücksichtigen. Hierzu gehören die Auswahl der Instrumentierung, die Grundkonstruktion des Satelliten und seiner Subsysteme, die Berechnung der optimalen Flugbahn sowie die Ermittlung der voraussichtlichen Missionskosten.

Am letzten Tag der Sommerschule wurden die Arbeiten der vier Gruppen in einer jeweils einstündigen Präsentation vorgestellt und von einer 9-köpfigen Jury erfahrener Weltraumexperten unter dem Vorsitz des ehemaligen Direktors des International Space Science Institute ISSI, Prof. Roger Bonnet, individuell nach der Güte der wissenschaftlichen und technischen Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit begutachtet. Ein weiteres wichtiges Beurteilungskriterium waren Details im Missions-Management und dem Satellitendesign.

Die Jury stellte allen vorgeschlagenen Missionen ein hervorragendes Zeugnis aus und zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Studentinnen und Studenten, ihrem Einsatz und ihrer Motivation.

Zusammenfassungen der einzelnen vier Konzepte finden Sie hier.

Post-Alpbach 2013

Die ESA bietet den Teilnehmenden der Sommerschule Alpbach 2013 die Gelegenheit die vier Projekte im Rahmen der European Space Weather Week vom 8.-12. November 2013 in Antwerpen vorzustellen.

Interessierte Absolventen der Sommerschule Alpbach 2013 erhalten zusätzlich von der ESA und von der FFG die Möglichkeit, die in Alpbach vorgeschlagene Caretaker-Mission im Rahmen eines speziellen Workshop vom 9.-13 Dezember 2013 in Graz mit Unterstützung von Tutoren der Sommerschule Alpbach weiterzuentwickeln und eine wissenschaftliche Arbeit darüber zu schreiben.

Kontakt

Michaela Gitsch
Agentur für Luft- und Raumfahrt
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