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Indiens Mondpremiere: Chandrayaan 1

22 Oktober 2008

Indien stieg in nur drei Jahrzehnten zur sechsten Raumfahrtmacht der Welt auf. Nun will das Land erstmals den erdnahen Raum verlassen und mit Chandrayaan 1 den Mond erkunden. Mit dabei: Drei wissenschaftliche Geräte der ESA. Die Europäische Weltraumorganisation unterstützt die indische Mondmission auch bei der Bestimmung der Flugbahn und der Archivierung der gewonnenen Daten.

Seit kurzem steht der gute alte Erdmond wieder verstärkt im Fokus der Raumfahrt. Im Gegensatz zur Sturm- und Drangzeit Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre, in der sich die beiden Supermächte einen Wettlauf zum Mond lieferten, erscheinen nunmehr auch neue Teilnehmer auf der lunaren Bildfläche. Hierzu gehören Europa (SMART 1, 2003 bis 2006), Japan (Kaguya, seit 2007) sowie China (Chang´e 1, seit 2007).

Jetzt wagt auch Indien den Sprung in die Weiten des interplanetaren Raumes. Am 22. Oktober ist Indiens Erstlingswerk mit der im Land entwickelten Trägerrakete PSLV auf den Weg zum Erdmond gebracht worden: Chandrayaan 1. Die erste Mondsonde des Subkontinents wird den Erdtrabanten mindestens zwei Jahre lang umkreisen und unser Verständnis vom System Erde – Mond erweitern.

Raumfahrtmacht Indien

Der indische Weltraumbahnhof Shriharikota

Indien ist mit einem pragmatischen Stil in nur drei Jahrzehnten zur sechsten Raumfahrtnation der Welt aufgestiegen. Zunächst entwickelte das Land eigene Trägerraketen, mit denen die meisten der nahezu 50 selbst entwickelten Wetter-, Nachrichten- und Umweltsatelliten vom indischen Weltraumbahnhof Sriharikota in den Erdorbit gestartet worden sind.
Gemanagt wird das Programm durch die indische Raumfahrtbehörde ISRO, für die gegenwärtig 16 000 Menschen arbeiten. Das ISRO-Budget ist in den letzten Jahren beständig gestiegen und liegt im Haushaltsjahr 2007/08 bei rund 1 Mrd. Dollar (735 Mill. Euro).

Visionäre mit ehrgeizigen Zielen

Indiens Forscher sind in einer beneidenswerten Situation. Ihr Land wird seit 2002 von einem Präsidenten geführt, der als Luftfahrtingenieur und Raumfahrtwissenschaftler über 20 Jahre in der ISRO arbeitete: A.B.J. Abdul Kalam. Kalam war mit der Leitung des Raketenprogramms betraut und gilt als „Vater des indischen Raketenprogramms“.

Sein engster Vertrauter, Madhavan Nair, ist seit 2003 Chef der ISRO. Beide gelten als „200-prozentige Inder“, sind leidenschaftliche Visionäre mit ehrgeizigen Zielen für das Land. Ihr Motto: „Träume! Setze diese Träume in Gedanken um und handle!“
Die Visionen, die beide verfolgen, lauten: Zum Mond, zum Mars, zunächst unbemannt, dann bemannt. Welche dieser Visionen und in welcher Zeitschiene letztendlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Trommeln gehört bekanntlich zum Geschäft.

Europa fliegt mit

Indische und europäische Fachleute bereiten die Mission vor

Die ehrgeizigen Ziele lassen sich nur mit selbst erarbeiteter Kompetenz auf der Basis der in den letzten Jahrzehnten gewonnenen Erfahrungen realisieren. Deshalb wurde beim Bau des ersten indischen interplanetaren Raumflugkörpers auf im Lande entwickelte Technologien zurückgegriffen. So basiert Chandrayaan 1 auf dem flugerprobten Wettersatelliten METSAT 1 (Kalpana 1, 2002).

Mit der im Wesentlichen technologiegetriebenen Mondmission will die ISRO ihre Fähigkeit demonstrieren, außerhalb des erdnahen Orbits operieren zu können. An Bord befinden sich Experimente aus Indien, Europa (ESA, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Bulgarien) und den USA (NASA). Chandrayaan 1 will eine mit drei Messgeräten ausgestattete, 20 Kilogramm schwere Landesonde absetzen und ungebremst auf den Mond aufschlagen lassen.

In drei Artikeln stellen wir Ihnen die indische Mondmission sowie ihre europäische Beteiligung vor:

  • Der lange Weg zum Mond
  • Europas Mitwirkung
  • Die Nutzlast der ersten indischen Mondsonde
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