Technologien aus dem Weltraum in München

Hitzeschutztechnik aus dem All: Hydro-Jacket für Feuerwehrleute
10 Oktober 2007

Vom All in den Alltag: Am 16. und 17. Oktober findet in München die „European Space Technology Transfer Conference“ statt. Experten aus Forschung und Industrie beraten, wie für die Raumfahrt erdachte Hightech-Lösungen zu neuen irdischen Produkten und Geschäftsmodellen führen. Die Konferenz ist eingebettet in die 10. Internationale Fachmesse für Werkstoffanwendungen, Oberflächen und Product Engineering „materialica“.

Alljährlich im Herbst wird München für drei Tage das Mekka der Materialexperten aller Kontinente. Sie tauschen neueste Erkenntnisse über die Herstellung und Verarbeitung von Materialien, Beschichtungs- und Klebetechniken sowie neue Werkstoffe und Verbundmaterialien aus. Über 350 Aussteller bieten dieses Jahr ihre Produkte und Know How an. Und inzwischen haben sich um die „materialica“ weitere Fachmessen und Kongresse etabliert. So finden in diesem Jahr allein sechs Kongresse zu Materialthemen statt.
Diese geballte Kompetenz an einem Ort nutzt die ESA, um mit der Münchner Messegesellschaft und dem bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie die Europäische Konferenz zum Transfer von Weltraumtechnologien im Umfeld der „materialica“ zu veranstalten.

Hightech für ein besseres Leben

Die Konferenz richtet sich an Industrievertreter auf der Suche nach High-Tech-Lösungen aus dem Bereich der Raumfahrt sowie an Mitglieder der Raumfahrtindustrie, die sich für Möglichkeiten interessieren, wie Sie ihre bestehende Technik besser nutzen können, um den Erdlingen das Leben zu erleichtern oder vollkommen neue Anwendungen zu bieten.

Vertreter der ESA, der NASA und des DLR werden anhand konkreter Beispiele die langjährige Pionierrolle ihrer Organisationen beim Technologietransfer von der Raumfahrt in die irdische Industrie deutlich machen und künftige Herausforderungen ansprechen.

Ein Highlight der Tagung wird der Vortrag des deutschen Astronauten Prof. Dr. Ulrich Walter von der Technischen Universität München sein, der sich den extremen Herausforderungen an Mensch und Material bei der Erforschung des Weltraums widmet.
In Fachvorträgen stellen außerdem Vertreter aus Forschung und Industrie erfolgreiche Transferprojekte aus den Bereichen Automotive, Medizin, Energie, innovative Textilien, Robotertechnik und Sicherheitstechnologien vor.

Gegen Höllenhitze und Eiseskälte

Bei vielen Produkten, die auf innovativen Konzepten aus der Raumfahrt basieren, ist dem Nutzer oft nicht einmal bewusst, welche Herkunft sie haben. So entwickelte die italienische Firma Grado Zero Espace ein so genanntes Hydro-Jacket, eine Schutzjacke für die Arbeit in extrem heißer und gefährlicher Umgebung. Die Hightech-Joppe ist aus einem komplexen dreischichtigen Textilsystem gefertigt, das speziell für Raumanzüge konzipiert wurde. Integriert ist eine mit Hydrogel gefüllte Schicht, die den Schweiß des Trägers aufnimmt und ihn erst bei extrem hohen Temperaturen wieder abgibt. Im All bewahrt es Astronauten bei Außenbordeinsätzen unter direkter Sonneneinstrahlung hoch effektiv vor Überhitzung. Auf der Erde soll es Feuerwehrleute und Stahlarbeiter vor Flammen und Hitze schützen.

Aber auch gegen extreme Kälte bietet die italienische Firma ein Produkt an, die Zero-Kälteschutzjacke, eine Spezialentwicklung für die Forscher der Antarktisstation Concordia. Sie ist mit anatomisch geformten Aerogel-Pads ausgestattet. Wegen der äußerst geringen Wärmeleitfähigkeit von Luft sind Aerogele optimale Isolatoren. In der Raumfahrt wird dieses Material eingesetzt, um Instrumente und Marssonden gegen die Tiefsttemperaturen des Alls zu isolieren. Und auch die Concordia-Forscher arbeiten ja bei Tiefsttemperaturen, die im antarktischen Winter unter minus 80 Grad Celsius fallen können.

München: Der Marktplatz der Spin-Offs

Am 16. und 17. Oktober 2007 wird das Gelände der Neuen Münchner Messe Treffpunkt der Anbieter von Weltraumtechnologien und Industrievertretern, die neue Anregungen, Produkte und Technologien für ihr Geschäftsfeld suchen. Wer mehr über Spin-Offs aus der Raumfahrt erfahren möchte, ist an dieser Stelle richtig.

Die Anmeldung kann unter www.estt-conference.com erfolgen, wo es auch noch zusätzliche Informationen gibt.

Ansprechpartner:
Frank M. Salzgeber
Leiter des Technology Transfer Promotion Office (TTPO)
European Space Agency – ESTEC
Keplerlaan 1
NL - 2201 AZ Noordwijk ZH
Tel.: +31 - 71 565 39 10
Fax: +31 - 71 565 5232
E-Mail: frank.salzgeber @ esa.int

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