Teilnehmer der Sommerschule Alpbach greifen nach den Sternen

Rosettennebel (Aufnahme durch Weltraumteleskop Herschel)
25 August 2011

Zum 35. Mal lud die Sommerschule kreativen wissenschaftlichen Nachwuchs aus ganz Europa nach Alpbach in Tirol ein. 58 junge Wissenschaftler und Ingenieure aus 17 ESA-Mitgliedsstaaten im Alter zwischen 20 und 38 Jahren beschäftigten sich vom 19.-28. Juli mit dem Thema "Star Formation Across the Universe". Die Aufgabenstellung dabei war die Entwicklung neuer Weltraummissionen zur Beobachtung der Entstehung von Sternen im Universum.

Das Thema 2011 – „Wie entstehen Sterne?“ ist eine der zentralen Fragen in der Astrophysik

Sterne bilden sich aus gigantischen interstellaren Gaswolken unter dem Einfluss der Schwerkraft. Die Sternentstehung bestimmt damit die Struktur und Entwicklung von Galaxien. Doch welche Faktoren bestimmen die Eigenschaften der Sterne? Wie hat sich die Sternentstehung seit den Anfängen des Universums entwickelt? Warum bilden sich nur aus einem Bruchteil des verfügbaren Gases Sterne?

Viele offene Fragen, zu deren Beantwortung die Teilnehmenden der Sommerschule Alpbach 2011 aufgerufen waren.

Zehn Tage Sommerschule Alpbach mit Theorie und Praxis: Neue Missionskonzepte waren gefragt

Zielerarbeitung

International anerkannte Experten führten die Teilnehmenden durch Vorträge an die Thematik heran. Dabei wurden die wissenschaftlichen Zielsetzungen und technischen Herausforderungen einer Satellitenmission zur Erforschung von Sterngeburten ausführlich behandelt. Nach der Theorie ging es um die technische Umsetzung einer innovativen Satellitenmission.

Die Studenten erarbeiteten eingeteilt in vier Teams mit jeweils 15 TeilnehmerInnen unter der fachkundigen Anleitung von Tutoren konkrete Missionsvorschläge für neuartige Satellitenmissionen zur Sternenentstehung.

Wie jedes Jahr eiferten die Teams um das wissenschaftlich und technisch attraktivste Konzept. Die Anforderungen waren hoch, es galt alle Elemente einer möglichen zukünftigen Forschungsmission zu berücksichtigen, wie beispielsweise die Auswahl der Instrumente, die Grundkonstruktion des Satelliten und seiner Subsysteme sowie die Flugbahn. Auch die voraussichtlichen Missionskosten mussten von den Studierenden ermittelt werden. Am Ende der Sommerschule sollte je ein ausgereiftes Missionskonzept stehen.

Projektvorstellung

Am letzten Tag der Sommerschule wurden die Arbeiten der vier Gruppen in einer jeweils einstündigen Präsentation engagiert vorgestellt und von einer 6-köpfigen Jury erfahrener Weltraumexperten unter dem Vorsitz von Andre Balogh (International Space Science Institute ISSI) individuell nach der Güte der wissenschaftlichen und technischen Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit begutachtet. Ein weiteres, wichtiges Kriterium der Beurteilung waren Details im Missions-Management und dem Satellitendesign.

Die Jury stellte allen vorgeschlagenen Missionen ein hervorragendes Zeugnis aus und zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Studentinnen und Studenten in der kurzen Zeit von 10 Tagen, ihrem Einsatz und ihrer Motivation.

Die Projektvorschläge im Einzelnen:

AEGIS (Advanced European Galaxy Imager & Spectrograph): Untersuchung der Sternentstehungsrate mit einer Rotverschiebung von 0.5 bis 1.5 (Maß für Entfernung und Alter der Objekte) im UV mittels Spektrometer und hochauflösende Bilder für ausgewählte Regionen.

Diese Mission wurde von der Jury mit dem Preis für die beste wissenschaftliche Mission bewertet.
FIO (Far Infrared Observatory): Untersuchung der initialen Massenverteilung in Sternentstehungsgebieten über die thermischen Emissionen von Protosternen mittels Infrarot-Interferometer.

Auch diese Mission wurde mit dem Preis für die beste wissenschaftliche Mission bewertet. Zusätzlich widmete der Präsident der Jury dem Team einen eigenen Award.
PIRANHA (Project for InfraRed Astrometr aNd High Accuracy): Bestandsaufnahme der Position und Bewegung von Sternen und Protosternen innerhalb der optisch dicken Milchstrassenebene im Infrarot.

Die Jury vergab für diese Mission den Preis für die beste Präsentation.
THESEUS (T-Tauri & HErbig Ae/Be stars Study with Echelle Uv Spectrograph): Beobachtung der Magnetfelder und Drehmomenttransfer von Vor-Hauptreihensternen mittels Spektrometern und UV Spektropolarimeter im UV.

Die Mission wurde mit den Preisen für die beste technische Lösung und die konkurrenzfähigste Mission bewertet.

Teilnehmer der Sommerschule Alpbach 2011

Profitiert haben alle Teilnehmer der Sommerschule:

  • die Studenten, weil sie 10 Tage lang die Gelegenheit hatten, Einblicke in aktuelle Weltraumforschung und die Planung von Satellitenmissionen in einem internationalen Team zu erhalten. Sie konnten intensiven Kontakt mit internationalen Spitzenforschern pflegen;
  • die Vortragenden und Tutoren, weil sie mit frischen Visionen und Fragen konfrontiert wurden – Fragen, die teilweise ihrerseits selbst erst zu lösen waren, und Visionen, die in wirkliche Weltraummissionen einfließen könnten.

Die Studenten haben gelernt, anhand einer vorgegebenen Problemstellung unter Zeitdruck die Strukturierung einer komplexen Projektarbeit zu üben. Ein wichtiger Aspekt der Sommerschule Alpbach ist es, ein Gefühl für Teamwork in einer Gruppe von jungen Leuten unterschiedlichster Nationalität, Qualifikation und Charakter zu vermitteln – eine Fähigkeit, die für die Arbeit in europäischen Projekten unabdingbar ist.

Post-Alpbach 2011

Interessierte Absolventen der Sommerschule Alpbach 2011 erhalten von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und der ESA die Möglichkeit, die in Alpbach vorgeschlagene Mission THESEUS im Rahmen eines speziellen Workshop vom 6.-11. November am Universitätszentrum der Universität Innsbruck in Obergurgl weiterzuentwickeln und im ESA Bulletin zu publizieren.

Sommerschule Alpbach: Kreativpotenzial für Forschung und Industrie

The Alpbach Summer School
Die Sommerschule Alpbach

Ein Rückblick auf 35 Alpbach Sommerschulen zeigt die Bedeutung für Wissenschaft und Industrie. Die jungen Forscherinnen und Forscher gehen „unverbraucht“ und unkonventionell an die Lösung schwieriger Aufgaben heran. Die präsentierten Vorschläge – wenn auch noch nicht ausgereift - stecken voller neuer Ideen. Einige dieser Ideen könnten sich in realen Projekten und Missionen der ESA und nationaler Raumfahrtorganisationen widerspiegeln.

Jeder Teilnehmende der Sommerschule Alpbach erhält zum Abschluss eine Teilnahmebestätigung, die bei Bewerbungen in Forschung und Industrie und der Europäischen Weltraumorganisation ESA schon viele Türen geöffnet hat. Ehemalige SommerschülerInnen kehren selbst als Vortragende und Tutoren nach Alpbach zurück.

Die Studenten 2011 setzten die Tradition der seit 1975 stattfindenden Sommerschulen in Alpbach fort. Die Veranstaltung hat sich zu einer Weltraumfortbildungsstätte mit international anerkanntem Ruf entwickelt und zeigt jedes Jahr, dass ein „kleines“ Mitgliedsland der ESA Großes für die europäische Nachwuchsförderung leisten kann. Die Sommerschule Alpbach ist für ihre Absolventinnen und Absolventen ein wichtiger Schritt auf ihrem Karriereweg in die Raumfahrt. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ESA, der europäischen Weltraumindustrie und –forschung haben den Grundstein für ihre weitere Karriere während einer Sommerschule Alpbach gelegt.

Die Sommerschule Alpbach wird von der FFG gemeinsam mit der ESA und den nationalen Raumfahrtorganisationen ihrer 17 Mitgliedsstaaten organisiert. Finanziell unterstützt wird die Sommerschule von Austrospace, der Vereinigung der heimischen Raumfahrtindustrie. Ein traditioneller Partner ist das International Space Science Institute (ISSI).

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.