Vermessung der Galaxie und ein Blick in unseren Hinterhof

Das Raumschiff Gaia
6 Juli 2004

Mit einem der ehrgeizigsten aller laufenden Projekte hat es sich die ESA zum Ziel gesetzt, eine genaue Karte von einer Milliarde Sternen in unserer Galaxie zu erstellen.

Das Raumschiff Gaia soll 2010 mit zwei der empfindlichsten Kameras an Bord gestartet werden, die je angefertigt wurden.

Fünf Jahre wird es dauern, diese gewaltige Menge an Himmelskörpern zu erkennen, die teilweise extrem lichtschwach sind. Weitere drei Jahre sind dafür vorgesehen, all diese Körper in ein riesiges 3D-Computermodell umzusetzen, das neben ihrer jetzigen Position auch ihre Bewegungsrichtung, Farbe und sogar ihre Zusammensetzung zeigen soll.

Kurz gesagt: Gaia wird uns eine vollständig neue Sicht auf die Galaxie und alles, was sich darin befindet, ermöglichen. Sie wird die ultimative Karte erstellen, einen Sternenkatalog, auf den sich alle zukünftigen Weltraummissionen stützen können sollen.

Ein weiterer aufregender Aspekt dieser erstaunlichen Mission liegt in der Möglichkeit, auf Objekte zu stoßen, von deren Existenz wir bisher keine Ahnung hatten. Objekte, die für uns erst dann Wirklichkeit werden, wenn Gaia ihre hochempfindlichen Kameras auf sie richtet. Außer auf Sterne könnten wir dabei auf andere, sehr lichtschwache oder in noch nicht genauer untersuchten Himmelsgegenden befindliche Körper stoßen.

Gaia will probe the asteroid blind spot
Gaia soll den ‚blinden Fleck’ nach Asteroiden abtasten

Der ‘blinde Fleck’ zwischen der Sonne und der Erdbahn ist nur einer der besonders interessanten Bereiche, die Gaia untersuchen wird.

Von der Erde aus kann dieser Bereich nur am Tag beobachtet werden (und selbst dann nur an klaren, wolkenlosen Tagen), aber es ist äußerst schwierig, kleine Objekte wie zum Beispiel Asteroiden zu erkennen, da sie im grellen Licht der Sonne praktisch unsichtbar werden.

Mitunter bewegen sich diese Asteroiden bedenklich nahe auf die Erde zu, können aber erst dann mit unseren Teleskopen wahrgenommen werden, wenn sie weit genug von der Sonne entfernt sind. Eine besonders große Asteroidengruppe, die Atene, tummelt sich zwischen der Sonne und der Umlaufbahn der Erde.

Über diese Familien von Asteroiden, die alle demselben Orbit folgen, wissen wir nur sehr wenig. Sie kreuzen regelmäßig die Erdbahn, was sie zumindest zu einer potenziellen Bedrohung macht, auch wenn die meisten ihrer Art keine wirkliche Gefahr für unseren Planeten darstellen. Trotzdem müssen wir verstehen, weshalb sie sich dort befinden, woher sie kommen und woraus sie bestehen.

Mit ihrer unvergleichlichen Genauigkeit und durch die Vogelperspektive, die sie uns aus dem All bietet, eignet sich Gaia ideal als Beobachter der Atene und ähnlicher Asteroidenfamilien, die sich unserem Heimatplaneten nähern.

Dabei machen Asteroiden und Objekte in unserem Sonnensystem nur einen geringfügigen Teil der Körper aus, die von Gaia untersucht werden. Sie zu entdecken, ist lediglich ein Nebenprodukt der Hauptaufgabe Gaias, nämlich der präzisen Messung und Berechnung der Position, Bewegung und Zusammensetzung von vielen Millionen Gestirnen in unserer Galaxie.

Dieser Schatz an Informationen wird uns einen neuen Einblick in den Lebenszyklus unserer Galaxie und in ihre Zukunft eröffnen.

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