XML vereinheitlicht Datenformate - Ein Workshop im ESOC

Europäisches Navigationssystem Galileio
Das Navigationssystem Galileio wird auf XML basierende Datenstruktur nutzen
14 Dezember 2001

XML ist eine Programmiersprache zur Definition von Dokument- und Datenstrukturen. Die auf ihrer Basis entwickelten Formate zum Datenaustausch können von geeigneten Programmen verstanden und weiter verarbeitet werden. Nationale und internationale Raumfahrtorganisationen nutzen zunehmend XML basierende Dateiformate. In verschiedenen Projekten werden Lösungen für die Weitergabe und Archivierung von Daten entwickelt. Zum Erfahrungsaustausch trafen sich in Darmstadt im European Space Operations Centre ESOC Fachleute aus Raumfahrtagenturen und der Industrie. Unter dem Titel "Xpace 2001 - XML in Space Data Systems" wurden am 5.und 6. Dezember in einem Workshop 18 Beiträge zur Diskussion gestellt.

Die Resonanz auf den internationalen Workshop war gross. 88 Vertreter von Agenturen, verschiedensten Institutionen und der Industrie nahmen daran teil. Die Beteiligten aus der Industrie, zumeist Fachleute spezialisierter Software-Unternehmen, kamen aus sieben Ländern Europas. Herausragende Beiträge stellten Vertreter der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, des amerikanischen Jet Propulsion Laboratory und der französischen Raumfahrtagentur CNES vor. Es handelte sich hierbei um Raumfahrtprojekte, bei denen XML für die Beschreibung der Datenformate Anwendung findet.

Was ist XML?

Datenstruktur für wissenschaftliche Daten
Datenstruktur für wissenschaftliche Daten

XML steht für Extensible Markup Language. Es erinnert an die im Internet gebräuchliche Programmiersprache HTML. Die so genannte Metasprache XML geht aber weit darüber hinaus. Mit ihr lassen sich Dokumenttypen definieren, die dann von XML-basierten Programmen verstanden werden. Es handelt sich also um ein in eine Programmiersprache gefasstes Vorschriftenwerk. Damit lassen sich für spezifische Zwecke wieder Dokument- und Datenformate definieren. Beispiele raumfahrttypischer Anwendungen sind das Datenformat XDF (eXtensible Data Format), SML (Spacecraft Markup Language) und GML (Galileio Markup Language). Bei XDF handelt es sich um ein Format für wissenschaftliche Daten auf Basis der XML-Vorschriften. SML erweitert XML gewissermassen um spezifische Datenobjektdefinitionen, die zur Beschreibung von Raumflugkörpern geeignet sind. GML soll einmal die speziellen Daten des europäischen Navigationssatellitenprojekts Galileio beschreiben.

Erleichterung des Datenaustauschs

Gemeinsames Ziel der Bemühungen ist es, den Datenaustausch zwischen Organisationen und Unternehmen zu erleichtern. In der Welt der elektronischen Verarbeitung von Informationen müssen sowohl geeignete Programme als auch die dazu gehörenden Datendefinitionen abgestimmt werden. Eine Session der Darmstädter Veranstaltung befasste sich deshalb auch mit Software-Tools und der Implementierung von XML in laufende Projekte.

Wie weit die Einführung von XML-basierten Systemen bereits gediehen ist, zeigte die Vielfalt der behandelten Themen auf dem Workshop. So spielt die Programmsprache bei Anwendungen im ESOC bereits eine bedeutende Rolle. Das betrifft beispielsweise die Daten-Managementprozesse in SCOS 2000, der Software zur Missionskontrolle im ESOC. Andere Teilnehmer stellten Projekte vor, die sich mit XML in der Geofernerkundung befassten. Ein zu lösendes Problem stellt dabei die Archivierung der riesigen Datenmengen einer wissenschaftlichen Mission dar. Der Zugriff soll meist der weltweiten Wissenschaftlergemeinde ohne spezielle Software ermöglicht werden. Die Definition der Datenformate nach XML könnte ein bedeutender Schritt auf dem Weg dorthin sein.

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