Bereits zehn Jahre im All und noch immer steht die Microgravity Science Glovebox hoch im Kurs

ESA-Astronaut Pedro Duque benutzt die Glovebox 2003
24 August 2012

Die Entwicklung und der Betrieb von Anlagen im All ist schon ein Erfolg an sich. Die Microgravity Science Glovebox der ESA, ein hermetisch abgeschotteter Arbeitsbereich, wird seit zehn Jahren auf der Internationalen Raumstation genutzt.

Mit dieser Einheit sind Astronauten in der Lage, vielfältige Experimente durchzuführen, die sonst schädlich für ihre Gesundheit sein könnten. Der große und vielseitige Arbeitsbereich ist über eingebaute Handschuhe - etwa wie Küchenhandschuhe, nur robuster und sicherer, zugänglich.

Die von der Bremer Firma Astrium gebaute „Glovebox“ (zu Deutsch: Handschuhfach) war die erste europäische Einrichtung, die das standardisierte Forschungsrack-System auf der Raumstation nutzt. Sie wurde 2002 im Rahmen der Expedition 5 zur Station geliefert und befindet sich seitdem in Betrieb.

Microgravity Science Glovebox
Microgravity Science Glovebox

Die Einrichtung wurde bislang 12.000 Stunden bei 24 verschiedenen Experimenten der NASA und der ESA genutzt - mit Sicherheit ein Rekord unter allen Forschungseinrichtungen der Raumstation.

Der Arbeitsbereich der Glovebox ist so konzipiert, dass der Luftdruck innen geringer gehalten werden kann als in der Raumstation. Sollte also im Experimentenbehälter ein Leck entstehen, werden Chemikalien und kleine Partikel oder sogar Feuer sicher im Inneren gehalten.

Dank dieser Technologie konnten Astronauten verschiedene Methoden testen, wie man Feuer im Weltraum sicher löscht. Beim Entzünden eines Feuers in der Glovebox konnten sie sicher sein, dass sich das Feuer nicht ausbreitete, obwohl man unerprobte Methoden zum Löschen von Bränden im Weltraum testete.

Der Zugriff auf den abgeschlossenen Arbeitsbereich und die Handhabung von Gegenständen darin erfolgt über zwei Handschuhe, ähnlich solchen, wie sie von Forschern beim Experimentieren mit ansteckenden Materialien und Organismen auf der Erde benutzt werden.

Microgravity Science Glovebox Logo
Microgravity Science Glovebox logo

Die Glovebox wird in vielen Forschungsbereichen genutzt, von der Materialforschung bis hin zur Strömungsphysik, und liefert Daten, die zur Konstruktion besserer Bremssysteme beitragen und mit denen die Herstellung leichterer und festerer Metalllegierungen verbessert werden kann.

Trotz des hohen Alters der Microgravity Glovebox ist sie vom Ruhestand noch weit entfernt. Entgegen der ursprünglichen Planung, sie dieses Jahr zur Erde zurückzuholen, hat die NASA entschieden, die Hardware bis mindestens 2020 zu behalten und sie sogar noch aufzurüsten, während sie sich noch immer auf der Raumstation befindet.

Das System wird dahingehend verbessert, dass man Experimente auch an lebenden Organismen durchführen kann. Unter anderem wird das wissenschaftliche Labor mit neuen biologischen Filtern, neuen Handschuhen und einem UV-Dekontaminationssystem ausgestattet, um biowissenschaftliche Experimente zu ermöglichen.

ESA-Astronaut André Kuipers beim Training mit der Glovebox

Das Videoaufzeichnungssystem erhält neue hochauflösende Kameras und Monitore, Hochgeschwindigkeitskameras und einen Speicher für Digitalvideos, um Wissenschaftlern auf der Erde die detailliertere Beobachtung der Experimente zu ermöglichen. Die neuen Ausrüstungsteile sollten 2013 bereit für den Flug zur Internationalen Raumstation sein.

Martin Zell, ESA-Bereichsleiter für Astronauten und ISS-Nutzung folgert: „Während der vergangenen zehn Jahre haben wir zusammen mit der NASA nahtlos an diesem Projekt gearbeitet, um 14 ESA-Experimente mit hunderten von Versuchsläufen zu ermöglichen, was zu hervorragenden wissenschaftlichen Ergebnissen geführt hat, die hier auf der Erde von großer Wichtigkeit sind. Die neuen, in Vorbereitung befindlichen Experimente, stehen unter einem guten Stern.“

Microgravity Science Glovebox (MSG)
Microgravity Science Glovebox
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