Biografie von Reinhold Ewald

Reinhold Ewald gehörte von 1999 bis 2005 dem ESA-Astronautenkorps an. Zuvor war er Mitglied im ehemaligen deutschen Astronautenteam und flog 1997 bei der Mission Mir-97 zur russischen Raumstation Mir. Damit wurde Ewald zum neunten Deutschen im All. Derzeit berät er im ESA-Hauptquartier in Paris den Kabinettsleiter des ESA-Generaldirektors.

Reinhold Ewald kam über das bis in die 1990er Jahre bestehende deutsche Astronautenteam zur ESA-Astronautenabteilung.

Laufbahn im deutschen Raumfahrerkorps

1986/87 durchlief Reinhold Ewald das Bewerbungsverfahren der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – DLR), das er erfolgreich bestand. Am 8. Oktober 1990 wurde er in das deutsche Astronautenteam berufen und später als einer von zwei Kandidaten für einen Flug zur russischen Raumstation Mir ausgewählt. Genau einen Monat später begann er zusammen mit Klaus-Dietrich Flade im Kosmonautenausbildungszentrum des Sternenstädtchens bei Moskau das einjährige Basistraining.

 Als Double von Flade unterstützte Ewald die Mir-92-Mission (17. bis 25. März 1992) im russischen Flugkontrollzentrum Koroljow bei Moskau vom Boden aus.

 Anschließend wurde er stellvertretender Leiter des DLR-Astronautenbüros. Dabei war Ewald in die Vorbereitung und Durchführung der zweiten deutschen Spacelab-Mission D2 involviert, die vom 26. April bis 6. Mai 1993 im Rahmen des Space-Shuttle-Flugs STS-55 stattfand.

 Nach der D2-Mission ernannte ihn das DLR zum Beauftragten des Direktors für das Raumfahrtprogramm. In dieser Funktion war er für die Bereiche Extraterrestrik, Raumflug und Schwerelosigkeitsforschung verantwortlich.

 Am 31. Juli 1995 wurde Reinhold Ewald als Forschungskosmonaut für die Mir-97-Mission nominiert. Gemeinsam mit Raumfahrerkollege Hans Schlegel bereitete er sich im Moskauer Sternenstädtchen auf den Einsatz vor. Ewald wurde am 3. April 1996 in die Flugbesatzung berufen und absolvierte zwischen 28. April 1996 und 24. Januar 1997 das Missionstraining.

 An Bord des Raumschiffes Sojus TM-25 startete Reinhold Ewald am 10. Februar 1997 zur Raumstation Mir, wo er ein umfangreiches materialwissenschaftliches und biomedizinisches Forschungsprogramm durchführte. Nach 20 Tagen im All kehrte er am 2. März 1997 mit Sojus TM-24 wieder zur Erde zurück.

 Danach gab Ewald seine Erfahrungen an Studenten weiter. Von 1998 bis 2002 hielt er Vorlesungen an der TU München und lehrte an der International Space University (ISU) im französischen Straßburg sowie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Karriere als ESA-Astronaut

Reinhold Ewald während der Mission MIR'97
Reinhold Ewald an Bord der russischen MIR-Station

Nach der Auflösung des deutschen Raumfahrerkorps wurde Reinhold Ewald im Februar 1999 Mitglied des  ESA-Astronautenteams.

 2000 war er für die operationelle Durchführung der Crew-Aktivitäten bei Sojus-Flügen mit ESA-Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS verantwortlich (Marco Polo mit Roberto Vittori und Odissea mit Frank de Winne).

 Im Oktober 2003 und April 2004 koordinierte Ewald dann als Operations Manager vom Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum ESTEC im niederländischen Noordwijk aus die Missionen Cervantes und DELTA mit den ESA-Astronauten Pedro Duque (Spanien) sowie Andre Kuipers (Niederlande).

 Anschließend war er für den Aufbau und das Training der Flugkontrollteams im Columbus-Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen bei München zuständig.

 Im November 2005 schied Ewald aus dem europäischen Astronautenkorps aus und übernahm im ESA-Direktorat für Betrieb und Infrastruktur die Leitung der Abteilung für den ISS-Missionsbetrieb (bis 2011). In dieser Funktion trug er im Columbus-Kontrollzentrum die Verantwortung für die Organisation des Flugbetriebs des europäischen Labormoduls Columbus.

 Während dieser Zeit führte Ewald in Oberpfaffenhofen auch die Unterstützungsteams der ISS-Langzeitmission Astrolab des deutschen ESA-Astronauten Thomas Reiter (Juli bis Dezember 2006) sowie der Space-Shuttle-Mission STS-122 (Februar 2008), bei der das Columbus-Modul zur ISS gebracht wurde.

 Im März 2011 gab er sein Amt ab, um an der ISU und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen seiner früheren Lehrtätigkeit nachzugehen. Der ESA blieb er aber treu. In deren Pariser Hauptquartier berät er heute den Kabinettsleiter des ESA-Generaldirektors.

Persönlicher Werdegang

Reinhold Ewald wurde am 18. Dezember 1956 in Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach dem Abitur im Jahre 1975 am Stiftischen Humanistischen Gymnasium seiner Heimatstadt begann er ein Physikstudium an der Universität in Köln, das er 1983 mit dem Diplom im Fachgebiet Experimentalphysik abschloss.

 Ewald blieb an der Universität und war dort von 1983 bis 1987 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstellt. In dieser Zeit nahm er am Aufbau und der Inbetriebnahme des Radioteleskops KOSMA am Gornergrat-Observatorium bei Zermatt in den Schweizer Alpen teil. Zudem promovierte Ewald 1986 mit einem Thema zur Spektroskopie interstellarer Materie und studierte dabei im Nebenfach Humanmedizin.

 Danach wechselte Reinhold Ewald innerhalb Kölns von der Universität zur DLR. Hier wurde er zunächst mit der Betreuung von Experimenten in Höhenforschungsraketen beauftragt. Außerdem wirkte er an der Entwicklung des flugzeuggestützten Stratosphären-Observatoriums SOFIA mit. Später war Ewald im Planungsbüro für die Koordinierung der Raumfahrtaktivitäten zuständig.

 Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes sowie zweier Töchter.

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.