Biografie von Ulf Merbold

Ulf Merbold war von 1977 bis 1998 ESA-Astronaut. Der zweite Deutsche im All nahm 1983 am Jungfernflug des europäischen Raumlabors Spacelab teil, gehörte 1992 zur Besatzung der Internationalen Mikrogravitations-Labor-Mission IML-1 und besuchte 1994 als erster ESA-Astronaut die russische Raumstation Mir. Damit flog er als bisher einziger Deutscher dreimal ins All. Der heutige Pensionär ist als Berater auch weiterhin für die ESA tätig.

Ulf Merbold ist ein ESA-Astronaut der ersten Stunde. Er war einer von über 2.000 Personen, die sich im April 1977 bei der Europäischen Weltraumorganisation als Wissenschaftsastronaut für den Erstflug des ESA-Raumlabors Spacelab bewarben.

Karriere als ESA-Astronaut

Am 22. Dezember 1977 stellte die ESA Merbold als einen ihrer vier Spacelab-Kandidaten vor. Er gehörte auch zu den drei Finalisten, die es am 18. Mai 1978 in die Endauswahl schafften und am 1. Juli  des gleichen Jahres ihre Raumfahrerausbildung am Johnson Space Center der NASA in Houston, Texas, aufnahmen. Seine Ernennung zum Nutzlastspezialisten der Flugcrew erfolgte am 20. September 1982.

 Am 28. November 1983 flog Ulf Merbold als erster ausländischer Raumfahrer mit einem US-Shuttle ins All. Während der Space-Shuttle-Mission STS-9/Spacelab-1 absolvierten er und seine fünf US-Kollegen an Bord der Raumfähre Columbia sowie im integrierten Spacelab-Modul ein 73 Experimente umfassendes Forschungsprogramm. Die Mission endete am 8. Dezember 1983.

 Im Anschluss wurde Merbold in die Vorbereitungen der ersten deutschen Spacelab-Mission D1 eingebunden. Für das beim Space-Shuttle-Flug STS-61A (30. Oktober bis 6. November 1985) durchgeführte Unternehmen stand er seinen beiden deutschen Raumfahrerkollegen Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid als Ersatzmann zur Seite. Während des Fluges unterstützte er sie als Verbindungssprecher vom Kontrollzentrum im bayrischen Oberpfaffenhofen aus.

 1986 wechselte Merbold an den ESA-Standort Noordwijk in die Niederlande. Hier arbeitete er am European Space Research and Technology Centre (ESTEC) an den Planungen des europäischen ISS-Moduls Columbus mit.

 Nach dem Beschluss, eine zweite deutsche Spacelab-Mission zu fliegen, übernahm Ulf Merbold am 1. September 1987 in Köln die Leitung des Astronautenbüros der damaligen Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt DFVLR (heute: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – DLR). Seine Aufgabe war es, die für D2 neu rekrutierten deutschen Raumfahrer auf die Mission vorzubereiten.

 Da er am 11. Januar 1989 als Kandidat für die Spacelab-Mission IML-1 (International Microgravity Laboratory-1) nominiert wurde, musste er die DFVLR-Funktion wieder aufgeben und sich ab April 1989 auf das Missionstraining konzentrieren. Am 19. Januar 1991 erfolgte seine Ernennung zum Nutzlastspezialisten der IML-1-Flugmannschaft.

 An Bord der Raumfähre Discovery trat Ulf Merbold am 22. Januar 1992 seine zweite Reise in den Weltraum an. Bis zur Rückkehr am 30. Januar 1992 absolvierte die siebenköpfige Crew des Space-Shuttle-Fluges STS-42/IML-1 ein umfangreiches materialwissenschaftlich-medizinisch geprägtes Forschungsprogramm.

Anschließend war Merbold wieder in die Vorbereitungen der zweiten deutschen Spacelab-Mission involviert. Während des Fluges (STS-55, 26. April bis 6. Mai 1993) unterstützte er die beiden deutschen D2-Astronauten Ulrich Walter und Hans Schlegel im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen als Wissenschaftskoordinator.

 Am 7. Juli 1993 wurde Ulf Merbold von der ESA erneut für einen Weltraumflug ausgewählt. Gemeinsam mit dem Spanier Pedro Duque nahm er im August 1993 im Kosmonautenausbildungszentrum des Sternenstädtchens bei Moskau das Basistraining für die Euromir-94-Mission auf. Am 4. Juli 1994 wurde Merbold in die Flugbesatzung berufen und bereitete sich im anschließenden Missionstraining bis zum 9. September 1994 auf seine Aufgaben als Forschungskosmonaut vor.

 An Bord des Raumschiffes Sojus TM-20 startete Ulf Merbold am 3. Oktober 1994 zum dritten Mal ins All. Im Rahmen der Euromir-94-Mission flog er als erster ESA-Astronaut zur russischen Raumstation Mir und führte dort 28 Experimente durch. Nach dem mit 32 Tagen bis dahin längsten Weltraumaufenthalt eines Raumfahrers der ESA kehrte Merbold am 4. November 1994 mit Sojus TM-19 wieder zur Erde zurück.

 Nach dem Flug übernahm er im Januar 1995 die Leitung der Astronautenabteilung des Europäischen Astronautenzentrums in Köln.

Zum 30. August 1998 quittierte Merbold den aktiven Astronautendienst, amtierte aber noch bis Ende Oktober 1999 als ESA-Chefastronaut.

 Danach ging er wieder ins ESTEC nach Noordwijk und arbeitete dort als Utilization Promotion Manager im Direktorat für bemannte Raumfahrt und Mikrogravitation. Seine Aufgabe war es, Industrie- und Forschungseinrichtungen in den ESA-Mitgliedsstaaten mit den Nutzungsmöglichkeiten der Internationalen Raumstation ISS vertraut zu machen.

 Seit dem 30. Juli 2004 befindet sich Merbold im Ruhestand, ist aber weiterhin für die ESA als Berater tätig.

Persönlicher Werdegang

Ulf Dietrich Merbold wurde am 20. Juni 1941 im thüringischen Greiz geboren und erlangte hier 1960 sein Abitur. Da er in der ehemaligen DDR aus politischen Gründen nicht studieren durfte, verließ er im November 1960 das Land in Richtung Bundesrepublik und begann 1961 in Stuttgart ein Physikstudium.

 Nach seiner Diplomierung im Sommer 1968 nahm Merbold in Stuttgart eine Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Metallforschung auf. Bis zur Auswahl als ESA-Astronaut forschte er hier auf dem Gebiet der Festkörper- und Tieftemperaturphysik. In dieser Zeit verfasste Merbold auch seine Doktorarbeit, die er 1976 an der Universität Stuttgart erfolgreich verteidigte.

 Ulf Merbold ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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