ESA-Astronaut Alexander Gerst

Biographie von Alexander Gerst

Alexander Gerst gehört seit 2009 dem ESA-Astronautenkorps an. Am 28. Mai 2014 flog er an Bord eines russischen Sojus-Raumschiffes zur Internationalen Raumstation ISS, um dort ein halbes Jahr lang zu leben und zu arbeiten. Er ist damit der elfte Deutsche im All und der dritte deutsche Raumfahrer auf der ISS.

Alexander Gerst war einer von 8.413 Aspiranten, die sich 2008 bei der ESA für die Aufnahme in deren Astronautenabteilung bewarben.

Raumfahrerlaufbahn

ESA-Astronaut Alexander Gerst während seines Aussenbordeinsatzes am 7. Oktober 2014

Zusammen mit fünf weiteren Kandidaten wurde er im Mai 2009 für das ESA-Astronautenkorps ausgewählt. Am 1. September 2009 nahm Gerst seine Raumfahrerausbildung im Europäischen Astronautenzentrum EAC in Köln auf. Das Training führte ihn auch ins Sternenstädtchen nach Moskau, wo er von September bis November 2010 einen Grundkurs an der russischen Raumfahrttechnik absolvierte. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss erhielt er von der ESA am 22. November 2010 sein offizielles Astronauten-Zertifikat.

Im August 2011 wurde Alexander Gerst als Besatzungsmitglied für die ISS- Crew 40/41 benannt. Seine missionsspezifischen Vorbereitungen im Moskauer Sternenstädtchen begannen im April 2012. Gemeinsam mit dem russischen Kosmonauten Maxim Surajew und dem US-Astronauten Gregory Wiseman ist er am 28. Mai 2014 an Bord von Sojus TMA-13M zur Internationalen Raumstation gestartet und hat dort im Rahmen seiner "Blue Dot"-Mission als Bordingenieur ein halbjähriges wissenschaftliches Forschungsprogramm absolviert. 

Blue Dot Mission

Alexander Gerst installiert das EML-Experiment an Bord der ISS

Alexander Gerst war Bordingenieur der ISS Expedition 40 und 41. bis zum 10. November 2014 im All. Seine Mission trug die Bezeichnung Blue Dot, nach dem berühmten Foto "Pale Blue Dot", welches die Erde aus großer Entfernung als „blassblauen Punkt“ zeigt.

Im Rahmen der Blue Dot-Mission absolivierte Gerst ein sehr umfangreiches Wissenschaftsprogramm aus den Bereichen Physik, Biologie, menschliche Physiologie und Strahlungsforschung. Gerst führte während seines Aufenthaltes an Bord der Internationalen Raumstation über 100 Experimente durch.

In den vergangenen Jahren konnte die Zeit, die die Astronauten mit der Durchführung wissenschaftlicher Experimente verbringen, deutlich erhöht werden. Gerst und seine Kollegen halten mit 80 Stunden Wissenschaft in einer Woche den derzeitigen Rekord.

Ausserdem war er als für das Andocken des europäischen Raumfrachters ATV-5 sowie als Robotikspezialist für das Anlegen der amerikanischen Dragon- und Cygnus-Versorgungskapseln zuständig.

Gerst absolvierte einen Aussenbordeinsatz (Extra Vehicular Activity, EVA) gemeinsam mit seinem NASA-Kollegen Reid Wiseman am 7. Oktober 2014. Während des 6 Stunden und 13 Minuten andauernden Einsatzes wurde unter anderem eine defekte Kühlpumpe umgelagert und ein neues Kabelsystem für den Greifarm installiert.

Er war nach Thomas Reiter und Hans Schlegel der dritte deutsche Astronaut auf der ISS.

Ausbildung und Studium

Alexander Gerst im Eis

Alexander Gerst wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau, Baden-Württemberg, geboren. Er schloss 1995 das Technische Gymnasium in Öhringen bei Heilbronn mit dem Abitur ab. Nach Schule und folgendem Zivildienst ging Gerst ein Jahr lang auf Weltreise. Anschließend studierte er in Karlsruhe und Wellington (Neuseeland) Geophysik.

 Im Studienverlauf nahm Gerst zwischen 1998 und 2003 schon an mehreren wissenschaftlichen Expeditionen teil, die ihn bis in die Antarktis führten. Dabei machte er sich als angehender Vulkanologe auf seinem Fachgebiet bereits einen Namen. Er entdeckte während seiner Forschungen unter einem neuseeländischen Vulkan zeitliche Spannungsänderungen in der Erdkruste. Da diese in der Regel vor Eruptionen auftreten, stellte die Beobachtung einen neuen Beitrag zur Vorhersage von Vulkanausbrüchen dar.

Alexander Gerst in der Antarktis

Die neu gewonnenen Erkenntnisse ließ Gerst in seine Diplomarbeit einfließen, die er 2003 an der Universität Karlsruhe mit Auszeichnung bestand. Zeitgleich zum Geophysik-Diplom kam ein Master in Geowissenschaften an der Universität in Wellington – ebenfalls mit Auszeichnung.

Von 2004 bis 2009 arbeitete Gerst am Institut für Geophysik der Universität Hamburg, wo er in die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Instrumente für die vulkanologische Forschung eingebunden war. Hier schrieb Gerst ab 2005 auch an seiner Dissertation über die Eruptionsdynamik des antarktischen Vulkans Mount Erebus, mit der er im Mai 2010 promovierte. Dabei führten ihn seine Forschungen erneut in zahlreiche Länder auf allen Kontinenten. So bereiste er wiederholt die Antarktis und besuchte Vulkane in Äthiopien, Indonesien und Guatemala.

Organisationen

Alexander Gerst ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Organisationen, wie beispielsweise der IAVCEI (International Association of Volcanology and Chemistry of the Earth's Interior), der DGG (Deutsche Geophysikalische Gesellschaft), der EGU (European Geosciences Union), der SVE (European Volcanological Society) und der AGU (American Geophysical Union).

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