Cola aus dem All

Als befände man sich selbst auf der ISS: Die Raumfahrtausstellung in Mannheim

Jules Verne, Stanley Kubrick und Wernher von Braun hatten eines gemeinsam: Sie hatten einen Traum. Sie waren fasziniert von der Vorstellung, wie es außerhalb unserer Atmosphäre aussieht. Und ganz ehrlich, sind wir das nicht alle? Ins Weltall zu fliegen – das war seit Jeher ein Traum der Menschheit.
Mit den Wünschen und Visionen zu Beginn der Raumfahrtgeschichte, mit anfänglichen Flugversuchen und den ersten Erfolgen bis hin zu den großen Meilensteinen der Weltraumforschung beschäftigt sich seit Ende September die Sonderausstellung „Abenteuer Weltraum. Aufbruch ins Weltall“ im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim.

Mehr als 50 000 Besucher kamen seit der Eröffnung nach Mannheim um zu erfahren, was außerhalb unseres blauen Planeten passiert.
„Das sieht ja aus wie eine Wassermühle. Wo sind denn die Raketen?“ fragt der 10-jährige Kai erstaunt, als er die Lobby der Visionen, den ersten Teil der Ausstellung, betritt und zunächst ein acht Meter großes Wohn-Modell zweier Architekturstudenten aus Darmstadt sieht. Gleich zu Beginn wird deutlich: In einer Welt, in der oben auch unten, unten aber auch oben sein kann, ist nichts so, wie man es erwartet. Aber natürlich wird Kai während seines Rundgangs auch noch Raketen zu sehen bekommen, und davon nicht zu wenig. Denn das Museum hat sich in eine riesige Raumstation verwandelt. Die Besucher werden selbst zu Crew-Mitgliedern und können den Astronauten beim Trainieren, Leben, Wohnen und Forschen buchstäblich über die Schulter schauen. Auf diese Weise erfahren sie alles über Mond- und Marsmissionen, über die Entstehung von Satellitenbildern und darüber, wie der Coca-Cola-Automat der Raumfähre Endeavour funktioniert.

Mannheim wird zum Raumfahrt-Mekka

Schüler testen ihre astronautischen Fähigkeiten

Die Idee, den Besucher einzuladen, mit dem Raumschiff LTA die irdische Welt einmal zu verlassen, stößt auf großes Interesse. Aus ganz Deutschland kommen die Neugierigen, um in die Welt der Astronauten einzutauchen. Auch viele Familien nutzen die Gelegenheit, einen Kurzaufenthalt im All zu verbringen. Denn Langeweile tritt in diesem Museum bestimmt nicht auf. An den zahlreichen Mitmachstationen zum Beispiel können Groß und Klein ihre astronautischen Fähigkeiten testen und Raumfahrtphänomene wie etwa den Raketenantrieb selbst ausprobieren.

Space for kids

Großer Beliebtheit erfreut sich auch das seit Ende Oktober geöffnete Programm „Space for kids“ für Kinder ab dem Vorschulalter. In einem räumlich von der Ausstellung getrennten Bereich wird mit spielerischen Elementen und spannenden Experimenten das Thema Raumfahrt erlebbar gemacht. Lernen durch "Begreifen" ist hier das Motto. Begleitet von einem Mentor begeben sich die vier bis 10-jährigen auf eine fiktive Gruppenreise zum Planeten Mars. Mit der entsprechenden Ausrüstung ausgestattet, analysieren sie die Atmosphäre des Roten Planeten, können einen Rover steuern, Aufnahmen machen und Gesteins- und Eisproben entnehmen, die sie anschließend in den Laboren der Marsstation untersuchen. Auf diese Weise soll "Space for kids" die Kleinen altersgerecht an die Inhalte heranführen und Erklärungen für die bisher unbeantworteten Fragen bieten. Die in blauen Astronautenanzügen gekleideten Mentoren kommen manchmal ganz schön ins Schwitzen bei den teilweise kniffligen Fragen der Kinder. "Letztens fragte ein sieben Jahre altes Mädchen zum Beispiel, wie eine Kerze im Weltall brennt. Da musste ich selber nochmal überlegen. Viele fragen auch, ob ich schon mal als Astronaut im Weltraum war. Diese Anzüge imponieren den Kleinen ziemlich", sagt Christopher, einer der studentischen Mitarbeiter im LTA.

Weit gereiste Exponate

Ehemaliger russischer Mond-Rover "Lunakhod"

Aber nicht nur die Kleinsten kommen auf ihre Kosten. Die Ausstellung „Abenteuer Raumfahrt“ hat für jeden etwas zu bieten. Auf den 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche gibt es allerhand zu sehen, staunen und anzufassen. Neben Modellen etwa von Raumsonden und Satelliten in Originalgröße, gibt es eindrucksvolle Bilder, wie zum Beispiel eine begehbare Satellitenaufnahme und ungewöhnliche – wenn auch alltägliche – Dinge wie ein Kühlschrank für den Weltraum. Dabei haben die Veranstalter keine Kosten und Mühen gescheut; unter größtem Aufwand wurden die Originalstücke, die tatsächlich im All waren, aus aller Welt nach Mannheim geflogen. Teilweise waren komplizierte Verhandlungen nötig, um die Raritäten für die Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt zu bekommen. So kam zum Beispiel der 1000 Quadratmeter große Fallschirm der Shenzhou-Kapsel, einer chinesischen Raumfahrtrückkehr-Kapsel, mit einiger Verspätung auf die Ausstellung, weil im Vorlauf lange Gespräche mit der chinesischen Raumfahrtindustrie geführt werden mussten. Auch eine Nachbildung des ersten sowjetischen Satelliten Sputniks, mit dem die Sowjetunion dem Westen - der sich bis dahin technisch überlegen glaubte - im Jahr 1957 einen Schock versetzte, wurde nach Mannheim „eingeflogen“. Täuschend echt wirkt daneben der legendäre Sputnik-Keller, indem es sogar ein wenig modrig riecht. Aus einem solchen Keller wurden im Oktober 1957 zum ersten Mal außerhalb der Sowjetunion die Signale des künstlichen Satelliten empfangen. Auch die Raumkapsel Wostok aus dem Jahr 1961, mit der Juri Gagarin - der erste Mensch im All - zur Erde zurückkehrte, dokumentiert einen wichtigen Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

Ausstellungsplakat

Die sechsmonatige Ausstellung ist noch bis 9. April geöffnet und wird umrandet von einem großen Rahmenprogramm mit Vorträgen und Besuchen von Astronauten und Wissenschaftlern aus aller Welt.

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