Raum K4 im Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München

Columbus-Kontrollzentrum, Oberpfaffenhofen, Deutschland

Das Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC) der ESA unterstützt das europäische Columbus-Labor als integralen Bestandteil der ISS. Das Col-CC befindet sich auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München.

Das Kontrollzentrum stellt die direkte Verbindung zum Columbus-Modul im Orbit dar. Die Hauptaufgaben des Zentrums liegen in der Steuerung und Überwachung der Columbus-Laborsysteme, der Koordination der europäischen Nutzlasten an Bord der ISS und im Betrieb des europäischen Kommunikationsnetzwerks am Boden.

Systemsteuerung und -überwachung

Mit der Steuerung und Überwachung der Bordsysteme sorgt das Col-CC für die Sicherheit und den Komfort der Astronauten im Columbus-Labor und stellt den notwendigen Systemsupport der Nutzlasteinrichtungen sicher, damit diese ordnungsgemäß arbeiten.

Dazu zählt auch die Fernüberwachung und -bedienung der Lebenserhaltungssysteme für die Luftversorgung sowie die Stromversorgung und Kühlung der Experimentiereinrichtungen.

Mission Control, Houston
Der ISS-Flugkontrollraum im Missionskontrollzentrum Houston

Vom Columbus-Kontrollzentrum aus werden die Aktivitäten sowohl europäischer als auch nichteuropäischer Astronauten im Columbus-Modul überwacht und koordiniert. Unter Federführung des ISS-Missionskontrollzentrums im texanischen Houston ist das Zentrum auch für die Sicherheit an Bord des Columbus-Labors verantwortlich.

Im Columbus-Kontrollzentrum wird auf jede Veränderung während der Mission reagiert.. Dort werden Entscheidungen koordiniert und Prioritäten festgelegt, falls es bei den europäischen Experimenten im Columbus-Modul zu Änderungen kommen sollte.

Das Weltraumlabor verfügt über interne wie auch externe Experimentiereinrichtungen, so dass während seiner Betriebsdauer eine Vielzahl von Experimenten durchgeführt werden können. Die Beteiligung der Astronauten an diesen Experimenten reicht von extrem aktiver Einbindung bis hin zu Tätigkeiten, die sich auf den reinen Ein- und Ausbau des Experiments im Labor beschränken.

Sämtliche eigenständigen Aktivitäten der Columbus-Laborsysteme und -Experimentiereinrichtungen werden vom Columbus-Kontrollzentrum aus überwacht und koordiniert. Die Columbus-Systeme sind so ausgelegt, dass sie auf Änderungen in Verfahrensabläufen und Experimentiereinrichtungen flexibel reagieren können

Zentrum für Netzwerkbetrieb

Netzwerkbetriebszentrum im Col-CC

Alle vom Columbus-Labor eingehenden Daten werden vom Columbus-Kontrollzentrum weitergeleitet, das auch die Aufgaben eines Netzwerkbetriebszentrums (NOC) übernimmt. Die Engineering-Daten werden im Col-CC archiviert, während wissenschaftliche sowie relevante Daten zu Experimenten und Anlagen an dezentrale „User Support and Operation Centres“ (Zentren zur Unterstützung wissenschaftlicher Nutzer) weitergeleitet werden.

Diese USOCs sind in nationalen Raumfahrtzentren in ganz Europa angesiedelt und für den spezifischen Betrieb der ESA-Nutzlast- und Experimentiereinrichtungen im Columbus-Labor zuständig. Die dortigen Mitarbeiter können so ihre jeweiligen Experimente überwachen und steuern.

Das Columbus-Kontrollzentrum ist für die Weiterleitung der Daten an die USOCs zuständig und nimmt auch Informationen in umgekehrter Richtung entgegen, beispielsweise wenn zur Unterstützung der Experimente und des Betriebs der Nutzlasteinrichtungen zusätzliche Ressourcen oder die Umkonfiguration der Columbus-Systeme beantragt werden. Diese Informationen fließen in den Missionsplanungsprozess ein, über den wiederum Zeitpläne für Flight Controller und Astronauten generiert werden.

Das Columbus-Kontrollzentrum steht auch mit dem Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln in Verbindung, das während der Mission für die medizinische Versorgung, Überwachung und Sicherheit der ESA-Astronauten zuständig ist.

Internationale Verbindungen

the European Astronaut Centre
Das Europäische Astronautenzentrum in Köln

Da im Columbus-Labor auch nichteuropäische Experimente untergebracht sind, beispielsweise US-amerikanische Nutzlasteinrichtungen, werden z.B.Änderungen des Zeitplans mit den internationalen ISS-Partnern koordiniert. Daher steht das Columbus-Kontrollzentrum auch mit dem ISS-Kontrollzentrum im Johnson Space Center in Houston, dem Huntsville Operations Support Center in Huntsville, Alabama, sowie dem ISS-Missionskontrollzentrum in Moskau in Verbindung.

Neben der Steuerung und Überwachung der Columbus-Laborsysteme sowie der Koordination des Nutzlastbetriebs ist das Columbus-Kontrollzentrum auch für den Betrieb des Kommunikationsnetzes auf der Erde zuständig, über das Sprach-, Daten- und Bildübertragungen zwischen zahlreichen Standorten abgewickelt werden: Dem ESA-Operation Management im ESTEC-Testzentrum, den USOCs, dem Europäischen Astronautenzentrum, technischen Support-Zentren der Industrie und dem ATV-Kontrollzentrum im südfranzösischen Toulouse.

Zwei Kontrollräume

Das Columbus-Kontrollzentrum verfügt über zwei Kontrollräume: Einen für die Echtzeitüberwachung und einen für vorbereitende Tätigkeiten, etwa zur Ausbildung von Controllern, Simulationen usw. Der zweite Kontrollraum dient zudem als Backup, also zur Ausfallsicherheit für den ersten Kontrollraum.

Dieses Backup-Kontrollzentrum, das bei größeren Zwischenfällen, etwa einem Feuer in den Kontrolleinrichtungen, den Betrieb übernimmt, ist ebenfalls am DLR in Oberpfaffenhofen angesiedelt, allerdings in einem anderen Gebäude.

Flugüberwachungsteam

ATV-CC during rendezvous simulation
Das ATV-Kontrollzentrum in Toulouse ist an das Kommunikationsnetz des Columbus-Kontrollzentrums angebunden

Das integrierte Flugüberwachungsteam des Columbus-Kontrollzentrums setzt sich aus Mitarbeitern des DLR und von Astrium zusammen. Diese Missionskontrollleistungen werden im Rahmen des Betriebsservice-Komplettpakets von Astrium als industriellem Betreiber der ISS erbracht.

Das Flugüberwachungsteam wird von DLR-Mitarbeitern geleitet und untersteht einem ESA-Missionsleiter am DLR Oberpfaffenhofen. Während der Columbus-Start- und Montagemission leisteten die Betriebsteams des Col-CC rund um die Uhr technischen Support. Seitdem wird der Betrieb des Col-CC dem Bedarf des Nutzlastbetriebs flexibel angepasst.

Last update: 24 Juni 2013

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