Copernicus: Fluten früher vorhersagen können

24 März 2014

Jedes Jahr stellen Überschwemmungen das Leben tausender Menschen überall in Europa auf den Kopf. In diesem Jahr stand das Wasser der Themse auch vorm Garten des spanischen Wetterforschers Javier García-Pintado. "Das Ufer war überflutet in diesem Jahr. Dieses kleine Stück hier liegt etwas höher, so blieb uns Schlimmeres erspart. Aber unsere Nachbarn hatten Probleme", so der studierte Mathematiker.

Trotz der Flut konnte Javier sicher sein, dass seine kleine Familie in Sicherheit ist. Der Flutexperte kennt sich aus. Jeden Tag nutzt er Satellitendaten, um Überschwemmungen besser vorhersagen zu können. "Als Hydrologen waren wir uns ziemlich klar darüber, was uns bevorstand. Diese Sicherheit konnten wir dann mit den Menschen in unserem Viertel teilen", meint Javier García-Pintado.

Ab April sammelt Sentinel-1 fleißig Daten

Doch nicht alle Menschen in Europa haben einen derart kompetenten Nachbarn. Die Gebiete westlich von London und auch Wales erlebten den nassesten Winter seit fast zweihundertfünfzig Jahren. Allein in England stand das Wasser in 6500 Haushalten. Um die Menschen in Zukunft früher warnen zu können, erhofft sich die britische Regierung Hilfe von - fast - ganz oben.

Bisher dauert es etwa 30 Stunden, aus den in 700 Kilometer Höhe gesammelten Daten ein warnendes Satellitenbild zusammenzusetzen. Javier und seine Kollegen David Mason von der Universität Reading können Überschwemmungen abbilden, nachdem sie geschehen sind. Ziel ist es nun, Fluten präzise vorherzusagen, bevor das Wasser zu steigen beginnt.

Einen Schritt näher an ihr Ziel bringt die Wissenschaftler der Einsatz neuer ESA-Überwachungssatelliten. Eine vielversprechende Entwicklung. Ab April wird Sentinel-1 fleissig Daten sammeln, weiß David Menson: "Sentinel 1 wird uns Bilder in fast Echtzeit zur Verfügung stellen. Das dauert etwas eine Stunde. Diese Bilder können dann genutzt werden, um Überschwemmungen vorauszusagen, also eine Flutvorhersagen zu treffen."

Zur Sentinel-Flotte gehören noch sechs weitere Satelliten. Sie alle werden, jeden Tag, die Erde abtasten und Daten zur Verfügung stellen. Koordiniert wird das Projekt vom ESA-Erdobservatorium nahe Rom, genauer von Josef Aschbacher und seinen Mitarbeitern: "Sobald das System funktionstüchtig ist, werden wir eine ganze Flotte von Satelliten haben, die für uns eine riesige Menge von Daten sammelt, alles, was man vom Weltraum aus messen kann: die Beschaffenheit der Erdoberfläche, Waldbrände, vulkanische Aktivitäten, Ölteppiche nach Havarien, die Meeresparameter im Allgemeinen, Wasserstände, die Meeresoberfläche, Klimadaten, Luftqualität, Eisdecken, und so weiter. Alles was man messen kann, wird auch gemessen. Das Satellitensystem wird momentan installiert." 

Daten werden für alle Interessierten öffentlich zugänglich sein

Das europäische Kopernikus-Programm finanziert dieses Projekt. Über unsere Steuern sind wir alle also gewissermaßen Geldgeber dieses Vorhabens. Geführt wird "Copernicus" von der Europäischen Kommission in Partnerschaft mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA und der Europäischen Umweltagentur.

Die gesammelten Daten werden für alle Interessierten öffentlich zugänglich sein, so Volker Liebig, Direktor des ESA-Observatoriums: "Das wurde erst kürzlich entschieden. Die zusammengetragenen Daten sollen der europäischen Wirtschaft einen Schub geben. Unternehmen innerhalb und außerhalb Europas sollen ihre Geschäftsfelder dank dieser Daten ausbauen können. Das geht nur, wenn die Rohdaten kostenlos sind und bleiben. Das Prinzip erinnert an das der Navigationssignale aus dem Weltall. Das Signal an sich ist frei empfänglich - auf dieser Grundlage sind im Laufe der Jahre viele Unternehmen entstanden, die dieses Signal als Geschäftsgrundlage haben", ergänzt Liebig.

Das Kopernikus-Programm läuft bereits, wird aber in den nächsten zwei Jahren expandieren, vor allem durch den Einsatz der Sentinel-Satelliten, die dann viele Terabytes Daten zur Erde senden werden.

Sentinel-Satelliten liefern Bilder mit hoher Auflösung und Präzision

Dank des Sentinel-1-Programms wird er seine Nachbarn und den Rest der Welt sehr viel früher vor steigendem Wasser warnen können.

"Die ESA-Satelliten werden uns die Möglichkeit geben, die Erdoberfläche genau abzutasten, und das in einer hohen Auflösung", so Javier García-Pintado von der Universität Reading. "Wir werden also sagen können, dass beispielsweise dieser Teil überflutet wird, das Cricketfeld dort aber nicht. Dank der Informationen werden sich die Einsatzkräfte arbeiten können."

Ihre Arbeit wird die Sentinel-Flotte diskret hoch über unseren Köpfen erledigen. In Erinnerung rufen werden sich die fleißigen Datensammler, wenn die nächste Naturkatastrophe für die Betroffenen spürbar glimpflicher ausgeht.

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