Das Europäische Astronautenzentrum (EAC)

Alexander Gerst during training  in the Neutral Buoyancy Facilit
Alexander Gerst taucht in das Innere des Modul-Mockups

Das Europäische Astronautenzentrum (EAC) mit insgesamt mehr als 100 Mitarbeitern wurde 1990 gegründet und befindet sich am östlichen Stadtrand von Köln. Zum Personal gehören auch Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Französischen Raumfahrtorganisation (CNES) und der Industrie. 

Das EAC wird seit Mitte 2012 vom ESA-Astronauten Frank De Winne geleitet und spiegelt Europas Positionierung in der bemannten Raumfahrt wider. Durch kontinuierliche Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten hat sich das EAC mittlerweile als Exzellenzzentrum etabliert.

Dort findet auch die Auswahl und das vorbereitende Training von Raumfahrern statt. Darüber hinaus hat es sich als medizinisches und physiologisches Fachzentrum für Weltraummissionen einen Namen gemacht. Während der Flugvorbereitung und der eigentlichen Mission leistet das EAC Unterstützung für die Astronauten und ihre Familien.

Trainingsprogrammen für bemannte Flüge zur Internationalen Raumstation ISS

Die Aktivitäten am EAC umfassen, neben der Auswahl von neuen ESA-Astronauten, auch ihre Missionsberufung sowie die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Trainingsprogrammen für bemannte Flüge zur Internationalen Raumstation ISS.

Im EAC trainieren die Astronauten und das mit der Flugüberwachung beauftragte Bodenpersonal den Betrieb sämtlicher europäischer Komponenten der ISS. Darunter gehören beispielsweise das Columbus-Raumlabor und die Steuerungssysteme des Automatischen Transferfahrzeuges ATV.

Das gewissenhafte Training aller Beteiligten war mit dem erfolgreichen Andocken des ersten ATV namens Jules Verne im April 2008 belohnt worden. Die nachfolgenden drei ATV-Missionen Johannes Kepler, Edoardo Amaldi und Albert Einstein sind ebenfalls dank des Trainings im EAC erfolgreich verlaufen. Die ISS-Mannschaft übte vor ihrem Flug zur Internationalen Raumstation mit den Experten vor Ort am EAC in Köln ausführlich das anspruchsvolle Kopplungsmanöver.

Zusätzlich bündelt das EAC die gesamte Öffentlichkeitsarbeit für den Bereich der Bemannten Raumfahrt. Dazu organisiert es Bildungsprogramme und kooperiert mit der Industrie in der Durchführung von Experimenten in der Schwerelosigkeit. 

Geschichte

the European Astronaut Centre
Das Europäische Astronautenzentrum in Köln

Nach seiner Gründung im Jahr 1990, waren zunächst drei ESA-Astronauten am EAC stationiert, die bereits im Jahre 1978 für die 1983 geplante erste Spacelab-Mission mit dem US Space Shuttle ausgewählt worden waren. An der ersten Skylab-Mission nahm der deutsche Astronaut Ulf Merbold teil. Wubbo Ockels aus den Niederlanden flog mit der Spacelab D1-Mission im Jahr 1985. Der Schweizer Claude Nicollier absolvierte seine erste Mission auf dem Space Shuttle STS-46 im Jahr 1992. Claude Nicollier nahm mit STS-61 im Jahre 1993, STS-75 (1996) und STS-103 (1999) an drei weiteren Weltraummissionen teil. Nicollier war auch der erste Europäer, der während einer Shuttlemission einen Weltraumspaziergang durchführte.

Im Jahre 1998 entschieden sich die ESA-Mitgliedsländer dazu, ihre nationalen Astronauten in einem gemeinsamen Astronautenkorps zusammenzuführen. Vier Jahre später, als dieser Prozess abgeschlossen war, bestand die Gruppe aus 16 ESA-Astronauten. Die Aufstellung eines gemeinschaftlichen Astronautenkorps sollte die kollektive Identität Europas verkörpern. Heute ist das EAC die Heimatbasis für 12 ESA-Astronauten.

Forschritte in der europäischen Weltraumpräsenz

Frank de Winne und André Kuipers trainieren im EAC

Seit den Anfangsjahren des EAC ist die Anzahl der Raumflüge europäischer Astronauten, die vom EAC aus unterstützt wurden, kontinuierlich gewachsen. Trotz der eingeschränkten Flugkapazitäten zur ISS zwischen 2003 bis 2005 als Folge der Columbia-Katastrophe, war es der ESA weiterhin möglich, Astronauten mit Sojus-Raumschiffen zur Internationalen Raumstation zu fliegen.

Auf diese Weise ist es gelungen den Fortschritt in der Weltraumforschung mittels einer europäischen Weltraumpräsenz sicherzustellen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Ein Jahr nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebes durch die Space Shuttle-Flotte im Jahr 2005, hat Europas Engagement in der bemannten Raumfahrt mit zwei Raumflügen einen historischen Moment erlebt:

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter war der erste Europäer, der an einer Langzeitmission zur ISS teilnahm. Er verbrachte im Rahmen der ISS-Expeditionen 13 und 14 als Flugingenieur nahezu sechs Monate in der Erdumlaufbahn, um den Betrieb der Raumstation sicherzustellen und wissenschaftliche Forschungsexperimente durchzuführen.

Christer Fuglesang aus Schweden flog im Dezember 2006 mit einem Space Shuttle zur ISS um wichtige Außenbordarbeiten durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Reiter noch immer auf der ISS. Sie kehrten gemeinsam mit STS-116 zur Erde zurück. Das war das erste Mal, in der bis dahin achtjährigen Geschichte der ISS, dass sich zwei Europäer zur gleichen Zeit an Bord der Internationalen Raumstation aufgehalten hatten.

Gegenwärtige Aktivitäten

Mit dem Jahr 2007 begann für Europa die bisher intensivste Periode in der bemannten Raumfahrt. Der Italiener Paolo Nespoli brachte mit seinem Raumflug auf dem Space Shuttle STS-120 im September 2007 das in Europa gebaute Verbindungsmodul Node 2 zur Internationalen Raumstation. Die Montage von Node 2 war die Voraussetzung dafür, dass später mit dem Columbus-Raumlabor eine der wichtigsten ESA-Komponenten an die ISS angebaut werden konnte.

Bei der STS-122-Mission, unter anderem mit Beteiligung des Deutschen Hans Schlegel und des Franzosen Léopold Eyharts, ist im Februar 2008 das Columbus-Modul in der Space Shuttle-Nutzlastbucht transportiert worden.

Schlegel nahm an einem Teil der mit dem Flug verbundenen Außenbordarbeiten teil. Seine Arbeit war entscheidend für die Montage des Columbus-Labors an den Verbindungsknoten Node 2. Eyharts war der erste Europäer, der nach dem Anbau von Columbus eine Langzeitmission auf der ISS flog. Während seines Aufenthaltes an Bord aktivierte er das Columbus-Modul und führte darin die ersten wissenschaftlichen Experimente in der Schwerelosigkeit für das europäische Forschungsprogramms durch.  

Die neue ESA-Astronautenklasse

Internationale Astronautenkandidaten im EAC

Im Laufe der Zeit wurde durch die intensive Arbeit des Europäischen Astronautenzentrum auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt eine einzigartige fachliche, technische, operationelle und wissenschaftliche Expertise aufgebaut, wie sie sonst nirgendwo in Europa zu finden ist. Um dies für die Zukunft Europas zu erhalten, hat das EAC im Mai 2009 nach einem einjährigen Auswahlprozess sechs neue Astronauten ausgewählt. Die neuen ESA-Astronautenklasse hatte ihre Grundausbildung am 1. September 2009 am EAC begonnen. Am 22. November 2010 erhielten die neuen Astronauten ihr Diplom, das sie zur Teilnahme an künftigen ESA-Weltraummissionen befähigt. 

Seit dem Start von Columbus ist die ESA dazu in der Lage, jedes Jahr einen Astronauten auf die ISS zu entsenden. Es ist geplant, diesen Rhythmus bis zum Jahr 2015 und darüber hinaus beizubehalten.

Auch in Zukunft werden das Leben und die Arbeit auf der ISS ein erfolgversprechender Weg sein, um Europa auf die künftige Exploration des Mondes und des Mars in enger Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern vorzubereiten. 

Last update: 24 Juni 2013

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