Das Moskauer Mars-Habitat

Das Mars500-Habitat in Moskau

Das „Mars-Raumschiff“ befindet sich im Moskauer Institut für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP). Der Ort ist bewusst gewählt, denn die 1963 gegründete Einrichtung ist weltweit führend auf diesem Gebiet. Die Russen hatten frühzeitig die außerordentliche Bedeutung von Simulationen in der Raumfahrt erkannt. Als in den 1960er-Jahren die realen bemannten Weltraumflüge gerade einmal wenige Tage erreichten, führte das IMBP bereits eine Simulations-Langzeitstudie von über einem Jahr (!) durch.

In den fast fünf Jahrzehnten folgten Dutzende verschiedenartiger Langzeitstudien. Die medizinischen, physiologischen und psychologischen Erkenntnisse kommen denen zugute, die in Extremsituationen sowie an extremen Projekten oder Orten arbeiten müssen: Das betrifft nicht nur Personen in der Luft- und Raumfahrt, sondern auch im Bergbau, auf U-Booten oder in der Arktis/Antarktis.

Mars500 ist seit 2007 vorbereitet und durch zwei Vorläufermissionen über 14 Tage (2008) und 105 Tage (2009) immer weiter verfeinert und ausgebaut worden. Vier miteinander verbundene fensterlose Containermodule bilden die eigentliche Mars500-Anlage. Sie ist 180 Quadratmeter groß und hat ein Volumen von 550 Kubikmetern. Im Inneren befinden sich zahlreiche Räume, wie Küche, Waschraum, Gemeinschaftsraum, Leitstand, der Sportbereich, Kühl- und Thermoschränke, das Vorratslager mit anfänglich vier Tonnen Lebensmitteln, ein Zimmer für medizinische Notfälle und ein kleines Treibhaus. Hinzu kommen eine Landefähre und eine nachempfundene Marslandschaft.

Die Anlage war hermetisch von der Außenwelt isoliert. 40 Kameras verfolgten das Geschehen in allen Räumen rund um die Uhr. Davon ausgenommen waren lediglich die Toilette und die sechs jeweils drei Quadratmeter großen holzverkleideten Privatkojen für die Teilnehmer.
Die neue Welt der sechs Marsianer bestand aus 520 Tagen Isolation auf engstem Raum mit ausschliesslich künstlichem Licht. Selbst Kontakte mit der Außenwelt gab es lediglich über ein simuliertes Kontrollzentrum mit bis zu 20-minütiger Zeitverzögerung, um die Signallaufzeit bei einem realen Flug nachzubilden. Die Reisezeit von 520 Tagen ergibt sich aus dem Ziel: 250 Tage für den Flug zum Roten Planeten, 30 Tage für den Aufenthalt auf dem Mars und 240 Tage für die Rückkehr zur Erde.

Wider die Monotonie

Diego Urbina beim "Marsspaziergang"

Der Tagesablauf war streng geregelt. Er unterlag einem strikten Zeitplan, der weitestgehend dem auf der Raumstation ISS entsprach. Er beinhaltete genaue Vorgaben für Mahlzeiten, Experimente, Wartungsarbeiten und Fitnesstraining. Drei Mahlzeiten wurden zu festen Zeiten jeweils um 8.30, 13.30 und 19.00 Uhr gemeinschaftlich eingenommen, wobei individuelle Ernährungspläne galten. Diese sicherten für jedes Crewmitglied den persönlichen Bedarf an Kalorien, Proteinen, Kohlenhydraten und Vitaminen ab. Die Schlaf- und Wachzeiten blieben in Anlehnung an die irdische Heimat unverändert. Für die tägliche Hygiene kamen – wie auf der ISS – feuchte Tücher zum Einsatz. Ein kleines Zugeständnis gegenüber dem ISS-Leben gab es aber dann doch: Wöchentlich durfte einmal geduscht werden.

Die Monotonie der Arbeitsabläufe auf sehr begrenztem Raum wurde zur größten Herausforderung. Um dem entgegenzuwirken, dachte sich die „Bodenstation“ zahlreiche Experimente aus, fabrizierte technische Störungen und Pannen, wie einen Brand und kappte für eine Woche alle Kommunikationsleitungen. Am eindrucksvollsten war jedoch der Blackout. Der 24-Stunden-Stromausfall war so gut inszeniert, dass die Crew an einen echten Notfall glaubte. Sie reagierte dabei hochprofessionell. „Sie hat sich exakt an die vorher einstudierten Prozeduren gehalten und damit die Situation gerettet“, berichtet ein hochzufriedener Christer Fuglesang. So wie echte Raumfahrer!

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