Das individuelle Radioprogramm – live aus dem All

Das Satellitenradio der Zukunft in der Erprobung
31 Januar 2007

Ein völlig neues Konzept für die Übertragung von Radioprogrammen über vorhandene Kommunikationssatelliten an Empfänger in Kraftfahrzeugen wurde am Europäischen Raumfahrtforschungs- und Technologiezentrum ESTEC in den Niederlanden vorgestellt. An dem von der ESA geförderten Projekt sind deutsche Forschungseinrichtungen und Firmen maßgeblich beteiligt.

Jeder Autofahrer kennt das Problem: Ein gestörter Rundfunkempfang in Tiefgaragen, Tunneln oder in der Bergwelt. Damit soll jetzt Schluss sein.
Die Lösung heißt „Ku-Mobil“: Ein neues mobiles Satelliten-Radiosystem für Europa, das angeführt von SES ASTRA, zusammen mit einem Team bestehend aus DLR (Institut für Kommunikation und Navigation) sowie dem Institut für Rundfunktechnik (IRT), der Fraunhofer-Gesellschaft, der TU Braunschweig, der Deutschen Welle, Dornier Consulting, BMW und der TriaGnoSys GmbH entwickelt wurde.

„Ku-Mobil“ soll künftig den störungsfreien Empfang von Informationen über Kommunikationssatelliten ermöglichen, die sich 36 000 Kilometer Höhe über der Erde befinden. Dank eines Speichers im Rundfunkempfänger gehören dann Aussetzer in Tiefgaragen, Tunneln oder in verwinkelten Tälern der Vergangenheit an. Das System wurde auf ausgiebigen Fahrten in Bayern, Luxemburg sowie auf Strecken bis nach Kopenhagen getestet.

Jedem Bürger sein eigenes Radioprogramm

Die Antenne wird später in die Karosserie integriert werden

Rundfunkempfang über Satelliten ist keine neue Idee. In Amerika nutzen mehr als 13 Millionen Menschen die Radiosysteme XM oder Sirius, deren Programme über spezielle Satelliten übertragen werden. Aber Raumflugkörper funktionieren wie irdische Rundfunkstationen – die Probleme in Tiefgaragen und Tunneln lösen sie nicht.

Hier setzt das revolutionäre Konzept der Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) an. Das Programm wird nicht mehr als ein kontinuierlicher Datenstrom übertragen, sondern in „Häppchen“. Die digitalisierten Beiträge – Nachrichten, Features, Interviews, Musiktitel – werden dabei als unabhängige Dateien zum Empfänger transportiert und dort gespeichert. Eine mitgeschickte Programmdatei entscheidet dann, in welcher Reihenfolge die einzelnen Beiträge vom Speicher abzurufen sind und was bei Fehlen einer Datei stattdessen gespielt werden soll.

Ein solcher dateibasierter Ansatz, der sich bereits im Internet mit Rundfunk- und Videobeiträgen unter dem Stichwort „Podcast“ etabliert, bietet aber noch mehr Möglichkeiten. So ist die Gestaltung eines personalisierten Programms denkbar, in dem neben aktuellen Nachrichten vom Satelliten die Lieblingsmusik des Hörers von einer CD oder von einem MP3-Player eingefügt werden kann.

Recycling: Alte Satelliten für mobilen Radioempfang

Das Konzept bietet aber noch weitere Vorteile. Der über den Satelliten geführte Datenstrom benötigt nur eine geringe Bandbreite und kann so freie Kapazitäten vorhandener Satelliten nutzen. Zur Übertragung wird das bereits für TV-Sender genutzte Ku-Frequenzband bei 11 GHz herangezogen. Denkbar ist auch das „Recycling“ ausgedienter, aber noch intakter TV-Satelliten, die dann digitale Rundfunk-Datenübertragungen ermöglichen.

Erfolgreiche Demonstration

Rolv Midthassel präsentiert das Projekt in Noordwijk

Am 25. Januar stellte das Projektteam die Ergebnisse seiner Arbeit ESA-Technologiezentrum ESTEC in Noordwijk vor. In 13 Präsentationen wurden die Vorteile des Systems, die technischen Herausforderungen, mögliche Anwendungen und die Ergebnisse von Feldversuchen sehr anschaulich dargestellt.

ESA-Projektchef Rolv Midthassel zog ein Fazit überaus erfolgreicher Arbeit: “Wir haben einen voll funktionstüchtigen Demonstrator gebaut, der attraktive Servicedienste ermöglicht. Dank des Einsatzes fortgeschrittenster Technologien ist das System hoch effizient und kostengünstig zu realisieren. Es liegt jetzt an der Industrie, das Projekt zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu führen.“
Midthassel unterbreitete der Industrie ein lukratives Angebot: „Wir lassen Sie dabei nicht allein. Die ESA kann 50 Prozent der Entwicklungskosten übernehmen und viele Jahre technischer Erfahrung auf diesem Gebiet einbringen.“

Nun liegt es an der Industrie kostengünstige Empfangsgeräte zu entwickeln. Mit dem personalisierten mobilen Satelliten-Radioprogramm hätte Europa die Nase vorn.

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