Der Maulwurf auf dem Lander

Beagle 2 soll auf dem Mars nach Lebensspuren suchen

Beagle-2 ist ein atemberaubend ehrgeiziges Unternehmen. Es wurde benannt nach jenem Schiff, mit dem Charles Darwin vor 165 Jahren die Welt umsegelte und seine Theorien vom Ursprung der Arten entwickelte. Beagle-2 soll 2003 in Darwins Fußstapfen treten und – wenn alles klappt – den Ursprung marsianischen Lebens aufspüren.
Bei der Realisierung des von Colin Pillinger an der britischen Open University in Milton Keynes initiierten Landers, den Mars Express huckepack zum Ziel mitnimmt, mussten extreme Anforderungen realisiert werden. Beagle-2 stellt eine flache Dose von 90 cm Durchmesser dar, die zwischen beiden Deckeln mit Elektronik vollgestopft ist und acht wissenschaftliche Instrumente (11 kg) enthält. Bei einem Lander-Eigengewicht von 32 kg ein rekordverdächtiges Verhältnis. Auf einem schwenkbaren Gerätearm sind drei Kameras, zwei Spektrometer, ein Röntgendetektor sowie ein Steinschleifer installiert. An anderen Stellen des stationären Hightech-Wissenschaftslabors sind verschiedenartige Sensoren untergebracht, die die Atmosphäre hinsichtlich Zusammensetzung, Temperatur, Druck, Wind, Staub und UV-Einstrahlung analysieren. Ein weiterer Sensor dient der Identifizierung von Spezies in der Atmosphäre, die Sauerstoff verbrauchen.
Beagle-2 soll nördlich des Äquators in der Ebene Isidis Planitia niedergehen. Dort, wo das ältere, von Kratern übersäte Hochland des Südens an das jüngere, glattere Tiefland des Nordens grenzt. Als erstes Landegerät seit den Viking-Sonden vor fast 30 Jahren wird es sechs Monate lang gezielt nach Spuren organischen Lebens suchen.
Allerdings stellt die Suche nach derartigen Lebensspuren die Forscher wegen der komplizierten und zum Teil noch unklaren geochemischen Verhältnisse an der Marsoberfläche vor große Herausforderungen. Zur Probenentnahme unbeeinflusster Materie entwickelte das DLR-Institut für Raumsimulation zusammen mit dem russischen Institut VNIITransmasch (St. Petersburg) einen speziellen Planetenbohrer PLUTO (Planetary Underground Tool), der oft auch als Mole („Maulwurf“) bezeichnet wird. PLUTO bohrt nicht im herkömmlichen Sinn, sondern wird durch einen internen Schlagmechanismus in den Boden getrieben. Je nach Beschaffenheit des Bodens können dabei Tiefen erreicht werden, die die Länge des Eindringlings um das Mehrfache übertreffen. Der Planetenbohrer kann sogar Proben aus dem Inneren von Steinen gewinnen. Er kann so jenes organische Material aufspüren, das nicht bereits durch Oxidation im Boden oder durch die UV-Einstrahlung an der Oberfläche zersetzt wurde. Dies könnte nämlich der Grund dafür gewesen sein, warum bei den Viking-Missionen nicht einmal einfache organische Bausteine nachgewiesen werden konnten. Bis zu drei Proben aus verschiedenen Tiefen übergibt PLUTO einem Gasanalysegerät GAP in der Zentraleinheit von Beagle. Hinter GAP verbirgt sich ein kleiner Ofen zum Erhitzen des Probenmaterials. Die Verbrennungsgase werden dann in einem Massenspektrometer auf Spuren von Kohlenstoff untersucht.
Gelingt es den Europäern, das erfrischend unorthodoxe Konzept auf dem Roten Planeten umzusetzen, dürfen wir ab 26. Dezember auf die Ergebnisse gespannt sein. Sensationell wäre dabei der Nachweis einer Lebensform auf dem Mars.

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