Der Schub kommt aus Deutschland

Schubkammer eines Vulcain-Triebwerkes

Bei EADS Astrium in Ottobrunn entwickelte und gefertigte Raketentriebwerke und Schubkammern sind ein wichtiger Garant für die Zuverlässigkeit und den Erfolg der Systeme des ESA-Trägers Ariane. Seit dem Erstflug treiben die Produkte der Rand-Münchner Stufen der verschiedenen Ariane-Versionen an.
Die Ottobrunner Triebwerksschmiede ging aus Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) hervor. 1989 erfolgte durch die Fusion mit anderen Luft- und Raumfahrtunternehmen die Bildung der Daimler-Benz Aerospace AG (DASA), die schließlich 2000 in den europäischen Konzern EADS aufging. Die Raumfahrtzweige wurden dabei im Unternehmensteil Astrium zusammengefasst. MBB war bereits an der Europa-Rakete beteiligt, für deren Drittstufe Astris das Triebwerk in Ottobrunn entwickelt wurde.

Spezialist für Schubkammern

Ab Mitte der 70-er Jahre waren die Ottobrunner Ingenieure dann in die Entwicklung von Brennkammern und Hauptventilen des Drittstufen-Antriebs HM 7 der Ariane-Versionen 1 bis 4 involviert. Der gelungene Ariane-Erststart am Heiligabend 1979 ist somit auch bayrischer Qualitätsarbeit zu verdanken.

Was lag näher, als den führenden Schubkammerhersteller Europas ebenfalls an den Kernkomponenten des europäischen Superträgers Ariane 5 zu beteiligen. Seit 1986 fertigt er die Kammern für das Vulcain- bzw. Vulcain 2-Triebwerk der Hauptstufe. Hinzu kommen die Schubkammern für den Oberstufen-Antrieb HM 7B sowie das komplette Aestus-Triebwerk für die Oberstufe der Ariane 5 ES, das im März 2008 dem Raumfrachter ATV den Weg zur ISS ebnete.
Zum Fertigungsprogramm gehören weiterhin die Kryogen-Ventilsysteme der Vulcain- und HM 7-Antriebe. Über diese Ventile werden Druck und Zufuhr der kryogenen – also gekühlten - Treibstoffkomponenten Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff geregelt. Die kleinen Hightech-Wunder benötigen dafür lediglich eine elektrische Leistung von 30 Watt, steuern aber Drücke bis zu 150 bar, dem 150-fachen des normalen Luftdrucks.

Neues Fertigungszentrum optimiert Produktion

Das neue Ariane-Fertigungszentrum in Ottobrunn

Zur Bündelung seiner Triebwerkskompetenzen investierte Astrium 20 Millionen Euro in die Errichtung eines neuen Fertigungszentrums in Ottobrunn. In dem im November 2002 eingeweihten Gebäude arbeiten seitdem 160 hoch qualifizierte Ingenieure und Techniker auf rund 10 000 Quadratmetern an der gesamten Produktpalette.
Mit dem Ottobrunner Ariane-Zentrum hat Astrium gleichfalls einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Trägerrakete geleistet. Denn durch die Zusammenfügung aller Fertigungseinheiten unter einem Dach und die Einführung neuer Produktionsverfahren konnten die Durchlaufzeiten bei der Herstellung der Triebwerke um über 30 Prozent verkürzt werden. Die Optimierung der Produktionsabläufe wirkte sich mit einer Reduzierung um 35 Prozent auch positiv auf die Kostenstruktur aus.

Auch an der Leistungssteigerung der Ariane wird in Ottobrunn bereits gearbeitet. Mit der in Entwicklung befindlichen Ariane 5 ME soll die Nutzlastkapazität von gegenwärtig zehn auf bis zu zwölf Tonnen gesteigert werden. Dafür wird sie das neue wiederzündbare Oberstufen-Triebwerk Vinci erhalten. Natürlich mit Schubkammern aus Ottobrunn.

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