Der lange Weg zum Mond

Videoanimation der Mission

Die ISRO hat sich bislang überwiegend auf rein pragmatische Weltraumvorhaben konzentriert, die ihnen den besten volkswirtschaftlichen Mehrwert für ihr bescheidenes Budget liefern. Bei Kommunikations-, Wetter- und Fernerkundungssatelliten hat man nicht nur zur Weltspitze aufgeschlossen, in ausgewählten Bereichen der Geofernerkundung bestimmt Indien bereits die Weltspitze mit.

Mit Chandrayaan 1 will Indien in neue Dimensionen vorstoßen und einen eigenständigen Weg im Weltraum beschreiten. Neben der politischen Aufwertung möchte das Land damit den Übergang von einem Entwicklungsland zu einer wirtschaftlichen und technologischen Großmacht demonstrieren.
Gleichzeitig will der Staat mit derart anspruchsvollen Programmen der Abwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte ins Ausland entgegenwirken sowie junge Inder bewegen, sich für Naturwissenschaften zu interessieren. So helfen Visionen dieser Art, das Bild Indiens in der Weltöffentlichkeit aufzupolieren und das Selbstbewusstsein der 1,2 Milliarden Einwohner des Subkontinents zu stärken.

Umfangreiche Tests

Umfangreiche Tests werden an Chandrayaan 1 durchgeführt

Indiens erste interplanetare Herausforderung erhielt den Namen Chandrayaan, was in der Amtssprache Hindi „Reise zum Mond“ heißt.

Vor ihrer langen Reise hatte die Sonde ein stressiges Programm auf der Erde zu bestehen. Denn neue Wege zu gehen heißt auch, sich neuen Herausforderungen zu stellen. In diesem Fall bedeutete das, einen Raumflugkörper mit elf anspruchsvollen Experimenten an Bord zu montieren und durch vielfach wiederholte Tests die Funktionsfähigkeit aller Experimente und Baugruppen an Bord sowie deren störungsfreies Zusammenspiel sicher zu stellen.

Da die erste interplanetare Sonde des Landes ein Erfolg werden soll, entschieden sich die Ingenieure im ISRO-Testzentrum in Bangalore, jeden Schritt durch überaus umfassende Überprüfungen abzusichern. Das führte dazu, dass sich der ursprünglich für Herbst 2007 vorgesehene Starttermin auf Oktober verschob.

Von Indien zum Mond

Die dritte und vierte Stufe der Trägerrakete PSLV

Indiens erste „Reise zum Mond“ erfolgte am 22. Oktober 2008 mit der vierstufigen indischen Trägerrakete PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) von dem an der Ostküste des Bundesstaates Andra Pradesh gelegenen Weltraumzentrum Satish Dhawan in Sriharikota.

Die PSLV setzt die quaderförmige, 1,50 Meter große Raumsonde mit einer Startmasse von 1050 Kilogramm in einen elliptischen Transferorbit von 240 x 24 000 Kilometern ab. Von dort wird die Sonde durch mehrere Beschleunigungsmanöver auf die Mondtransferbahn gebracht, auf der noch eine geringfügige Bahnkorrektur erfolgt (Midcourse Correction).
Insgesamt dauert die Reise bis zum Erdtrabanten etwa zwei Wochen. Am Ziel angekommen, steht das kritischste Manöver an: Das Einbremsen in eine Mondumlaufbahn. Zunächst wird ein elliptischer Orbit etwa 1000 Kilometer über der Mondoberfläche angestrebt, wo nochmals alle Instrumente gecheckt werden. Danach erfolgt eine schrittweise Absenkung auf eine kreisförmige Bahn mit 100 Kilometern Höhe.

Nur 100 Kilometer über der Mondoberfläche

Am Ziel angekommen hat Chandrayaan 1 immer noch eine Masse von 590 Kilogramm, von der 55 Kilogramm auf die eigentliche Nutzlast entfallen. Somit ist der indische Mondroboter deutlich größer als SMART 1.

Verglichen mit der europäischen Sonde ist Chandrayaan 1 technologisch jedoch weniger anspruchsvoll. Sie ist eine konventionelle Raumsonde mit einem „üblichen chemischen“ Antrieb, bei dem ein Brennstoff und ein Oxidator im Raketenmotor verbrannt werden und damit Schub liefern. Das ist völlig ausreichend, da Indien mit seiner „Reise zum Mond“ überhaupt erste Erfahrungen mit einer interplanetaren Mission gewinnen will.

Das Spektrum wissenschaftlicher Experimente ist allerdings breit gefächert und geht sogar über die wissenschaftlichen Zielsetzungen von SMART 1 hinaus. Zusätzlich zu den optischen und spektroskopischen Experimenten umfasst die Nutzlast auch ein Laser-Altimeter, mit dem die Topographie der Mondoberfläche hochgenau vermessen werden kann. Die Kommunikation zur Fernsteuerung erfolgt im S-Band, die wissenschaftlichen Daten werden im X-Band übertragen. Der Energiebedarf in Höhe von 750 W wird über Solarzellen gedeckt.

Indiens lunarer Orbiter soll mindestens zwei Jahre lang den Erdtrabanten aus einer Höhe von 100 Kilometern erkunden und Daten zurück zur Erde senden. Die Projekt- und Missionskosten betragen nach neuesten Angaben umgerechnet 80 Mill. Euro.

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