“Die erste Frau im All” besucht das ESOC

V. Tereshkova ESOC MCR
Valentina Tereschkova im Hauptkontrollraum
21 Oktober 2005

Valentina Tereschkova, die erste Frau im Weltall, besuchte am heutigen Nachmittag, den 21. Oktober, das Satellitenkontrollzentrum (ESOC) der ESA in Darmstadt.

1963 umrundete die berühmte russische Kosmonautin Tereschkova 49 Mal die Erde an Bord von Wostok 6 und sicherte sich somit als Ikone der sowjetischen Raumfahrt ihren Platz in der Geschichte.

Die Ex-Kosmonautin besuchte das ESOC in Begleitung einer hochrangigen russischen Delegation aus Jaroslawl, einer 200 km nordöstlich von Moskau gelegenen Region. Jaroslawl ist zugleich die offizielle russische Partnerregion von Hessen, der Heimat des Satellitenkontrollzentrums der ESA.

Die Delegation besichtigte die Kontrollräume des ESOC und informierte sich über die in Darmstadt betreuten Deep-Space- und Erdbeobachtungs-Missionen wie Mars Express, Envisat, SMART-1 und Rosetta. Die Besucher wurden von Gaele Winters, ESA-Direktor für Operationen und Infrastruktur, begrüßt, der sie auch über die zunehmenden internationalen Kooperationen mit den Weltraumorganisationen Russlands, Frankreichs, der USA und Japans unterrichtete.

Der Besuch fiel zusammen mit den Vorbereitungen für den baldigen Start der ESA-Mission Venus Express mit einer russischen Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan – von demselben Ort, an dem Frau Tereschkova ihren historischen Erstflug in der Morgendämmerung des 16. Juni 1963 unternahm. Ihr damaliger Kommandeur, General Nicolas Kamanine, sagte über die talentierte junge Kosmonautin: „Tereschkova ist unser weiblicher Gagarin!“

„Ich wünsche viel Erfolg für den Start von Venus Express nächste Woche“, sagte Frau Tereschkova heute im ESOC. Sie stellte viele Fragen über die Aufgabenbereiche des ESOC sowie die Programme der ESA und fügte hinzu, dass sie „beeindruckt sei von der fortwährenden Kooperation zwischen der russischen Weltraumorganisation und der ESA und sie sich eine noch engere Beziehung in der Zukunft erhoffe.“

Eine geschichtsträchtige Mission

V. Tereshkova
Valentina Tereschkova, die erste Frau im Weltall

Nach ihrem erfolgreichen 70-Stunden Flug im All im Jahre 1963 wurde Tereschkova als Heldin der Sowjetunion gefeiert. Mit zahlreichen Auszeichnungen in Ost und West wurde sie geehrt und erhielt später auch die goldene Friedensmedaille der Vereinten Nationen.

Tereschkova studierte von 1964 bis 1969 an der Tschukowski-Ingenieurakademie der sowjetischen Luftwaffe. Nach ihrem Abschluss verließ sie das Raumfahrtprogramm und wurde ein prominentes Mitglied der Kommunistischen Partei, in der sie eine Reihe unterschiedlicher Funktionen einnahm und als Vorsitzende des Frauenkomitees der Sowjetunion fungierte. In den folgenden Jahren wurde sie Mitglied des Zentralkomitees und erhielt einen Ehrenrang bei der sowjetischen Luftwaffe. Sie ging als General-Major in den Ruhestand.

Im Jahr 1994 ernannte Sie die russische Regierung zur Leiterin des “Russischen Zentrums für internationale kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit“ und im Jahr 2000 wurde sie als „Frau des Jahrhunderts“ durch den Internationalen Verband „Frauen des Jahres“ ausgezeichnet.

Vom Bauernhof in den Weltraum

Valentina Tereschkova wurde in der Region Jaroslawl am 6. März 1937 als das zweite von drei Kindern geboren. Ihr Vater, ein Traktorist, starb im zweiten Weltkrieg und sie arbeitete, nachdem sie 1953 die Schule verlassen hatte, in einer Textilfabrik. In diesen Jahren war Valentina Tereschkova eine begeisterte Fallschirmspringerin und begann sich für die Luft- und Raumfahrt zu interessieren. Dies führte dazu, dass sie als eine von hunderten Bewerbern für das sowjetische Raumfahrtprogramm ausgewählt und zur Kosmonautin ausgebildet wurde.

Im November 1963 heiratete sie Andrijan Nikolajew. Ihre erste Tochter Aljenka wurde umfassenden medizinischen Untersuchungen unterzogen, da sie das erstgeborene Kind war, deren Eltern sich beide im Weltall aufgehalten hatten. (Aljenka wurde später selbst Ärztin und Mutter.) Tereschkova und Nikolajew ließen sich 1980 scheiden. In zweiter Ehe war sie mit Dr. Juri Shaposchnikow verheiratet, der 1999 verstarb.

Zusammenarbeit zwischen ESA und Russland

Der Besuch der ehemaligen Kosmonautin im ESOC unterstreicht die langjährige Kooperation zwischen der ESA und den privaten und staatlichen Raumfahrtorganisationen Russlands. Eine dauerhafte Niederlassung der ESA wurde 1995 in Russland errichtet und besitzt diplomatischen Status. Sie ist beim russischen Außenministerium registriert.

Über die Jahre hinweg hat sich diese Zusammenarbeit stetig gefestigt und auf neue Aufgabenbereiche ausgedehnt. Russland nimmt an verschiedenen Projekten der ESA (bemannte Raumfahrt, Launcher Technologie, Telekommunikation, Navigation und Wissenschaft allg.) teil und die ESA hat russische Weltraumbahnhöfe für zahlreiche Missionen genutzt. Die Venus Express Mission der ESA wird mit einer russischen Sojus-Trägerrakete vom Kosmodrom in Baikonur am Mittwoch, 26. Oktober 2005, um 06:43 MEZ (04:43 GMT) gestartet.

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