ERS-Satellitenmissionen nach 20 Jahren beendet

Satellit ERS-2
12 September 2011

Nachdem mit einer letzten Zündung der Bremsraketen auch der letzte Tropfen Treibstoff verbraucht war, konnte der bewährte Erdbeobachtungssatellit ERS-2 der ESA ordnungsgemäß außer Dienst gestellt werden. Mit dieser Maßnahme stellte die Bodenkontrolle sicher, dass der Höhenbereich, in dem sich der Satellit befand, auch für zukünftige Satelliten nutzbar bleibt.

Die Mission endete am 5. September, wobei zuvor die mittlere Flugbahn des Satelliten bereits von 785 km auf etwa 573 km abgesenkt worden war. In dieser Höhe ist das Kollisionsrisiko mit anderen Satelliten oder Weltraummüll weitaus geringer.

Der letzte, kritische Schritt war die Stilllegung von ERS-2. Zu der Außerbetriebnahme müssen sämtliche Batterien und unter Druck stehenden Systeme entleert oder gesichert werden, um Explosionen auszuschließen, die weiteren Weltraummüll produzieren könnten.

In erster Linie betrifft dies den restlosen Verbrauch des Treibstoffs, das Abklemmen der Batterien sowie die Abschaltung der Sendeanlagen.

"Sobald der Treibstoff verbraucht war, sendeten wir eine Reihe von Befehlen zur vollständigen Stilllegung und schalteten den Satelliten dann endgültig ab. Der letzte Befehl wurde um am 5. September um 13.16 GMT gesendet", so ERS-2-Flugbetriebsleiter Frank Diekmann vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA/ESOC in Darmstadt.

Wertvolles Datenarchiv

Letzte ERS-2 Aufnahme: Rom, Italien

Doch auch nach dem Ende der Nutzungsdauer bleibt die Mission weiterhin von großem Nutzen.

"Die von ERS-2 gesammelten Daten werden wir weiter auswerten, insbesondere die Radarbilder", erläutert Volker Liebig, Direktor Erderkundungsmissionen bei der ESA.

"Die starken Synergieeffekte aus der Kombination dieses umfangreichen wissenschaftlichen Datenarchives mit den von der nächsten Generation von Radargeräten der GMES Sentinel-1-Mission gelieferten neuen Daten tragen in hohem Maße zur Erforschung des Weltklimas bei."

Verglühen in der Atmosphäre

Aufgrund der Bremswirkung der Erdatmosphäre wird ERS-2 in etwa 15 Jahren abstürzen und dabei in der Atmosphäre verglühen. Somit wird das Zeitlimit von 25 Jahren, welches das Kollisionsrisiko vor dem Wiedereintritt verringern soll, problemlos eingehalten.

"Die Beseitigung von ERS-2 aus der Umlaufbahn verläuft gemäß den ESA-Vorschriften zur Vermeidung von Weltraummüll", so Heiner Klinkrad, Leiter des ESA-Büros zur Vermeidung von Raumfahrtrückständen am ESOC.

"Dies zeigt das starke Engagement der ESA in diesem Bereich, denn Weltraummüll kann aktuelle und zukünftige, unbemannte wie bemannte Missionen in Gefahr bringen."

Ende der 16-jährigen Mission

ERS-2 deorbiting team
Ein Teil des ERS-2 Teams am ESOC

ERS-2 wurde 1995 gestartet, vier Jahre nach ERS-1, dem ersten europäischen Fernerkundungssatelliten. Die Missionen waren Wegbereiter für die Entwicklung zahlreicher neuer Erdbeobachtungstechniken.

"20 Jahre lang haben ERS-1 und -2 kontinuierlich Daten von hoher Qualität über Ozeane, Landmassen, Eis und Atmosphäre geliefert", meint Wolfgang Lengert, ERS-2-Missionsleiter.

"In diesen zwei Jahrzehnten lag der Schwerpunkt auf der Quantifizierung der Messgenauigkeit und der Dokumentation der Ergebnisse, so dass die Daten auch zukünftigen Generationen noch zugutekommen werden."

ERS-2 legte während seiner Nutzungsdauer insgesamt 3,5 Milliarden Kilometer zurück und lieferte Daten für Tausende Wissenschaftler und Projekte.


Lesen Sie hier die erweiterte Version dieses Artikels mit zusätzlichen Details zur Außerbetriebnahme von ERS-2 (in englischer Sprache).


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