ESA Astronaut Alexander Gerst: „Das ist mein Traumjob“

ESA-Astronaut Alexander Gerst
24 November 2010

Alexander Gerst hat seinen Traumjob gefunden. Er ist einer der sechs „Neuen“ im Astronautenkorps der ESA, die am 22. November von ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain am Europäischen Astronautenzentrum EAC in Köln ihre Berufungsurkunden erhalten haben. Nach dem Abschluss der Grundausbildung bereitet sich die Gruppe nun auf künftige Raumflüge vor.

Es war ein großer Tag für die sechs Astronautenfrischlinge Samantha Cristoforetti (Italien), Luca Parmitano (Italien), Timothy Peake (Großbritannien), Thomas Pesquet (Frankreich), Andreas Mogensen (Dänemark) und Alexander Gerst (Deutschland). Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Grundausbildung konnten sie in einer feierlichen Zeremonie im Beisein ihrer Familien und von Freunden die Berufungsurkunden als Mitglieder im europäischen Astronautenkorps entgegen nehmen. Damit haben sie einen wichtigen Abschnitt auf ihrem Weg zum Flug ins All absolviert.

Überlebenstraining war Herausforderung

Ceremony marking the completion of ESA's new astronauts Basic Tr
Die neuen ESA-Astronauten mit ihren Ernennungsurkunden

Zu Grundausbildung gehörten viele ungewöhnliche Aufgaben: das Kennenlernen von Hauptsystemen der ISS und des russischen Sojus-Raumschiffs, Russisch lernen, Überlebenstraining, Parabelflüge oder das Üben von Ausstiegen in den Weltraum. „Am härtesten war das Überlebenstraining auf Sardinien, wo wir fünf Tage fast nichts zu essen hatten.“ erinnert sich Alexander Gerst und ergänzt: „Wir sollten zum Beispiel lernen, mit Fallen unsere Nahrung selbst zu besorgen, was aber nicht so einfach ist. Ich habe dabei gelernt: Nahrungssuche kann ein Fulltimejob sein“. Eines der Dinge, die ihn an der Grundausbildung überrascht haben, war, dass sie die meiste Zeit mit theoretischer Ausbildung im Klassenzimmer verbringen würden.

Vom Vulkanforscher zum Astronauten

Festakt im Europäischen Astronautenzentrum ESA/EAC in Köln

Vor der Ausbildung waren jedoch die Hürden des vielstufigen Auswahlverfahrens zu nehmen. 2008 hatte die ESA junge und qualifizierte Interessenten aus den Mitgliedsstaaten der ESA aufgerufen, sich für eine neue Astronautengruppe zu bewerben. Mehr als 8400 qualifizierte Bewerbungen gingen ein, aus denen die Experten die geeigneten Kandidaten auszuwählen hatten. Nach einem Jahr standen die Glücklichen fest und wurden im Mai 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu ihnen gehört als Deutscher der 34-jährige Alexander Gerst aus Künzelsau, ein promovierter Geophysiker, der sich bereits als Vulkanforscher einen Namen gemacht hat. „Ich habe mich damals beworben, weil es schon immer mein Traum war, Astronaut zu werden. Ich denke, wenn man einen Traum hat, dann sollte man ihm auch eine Chance geben und zumindest einmal ernsthaft versuchen, ihn in die Tat umzusetzen.“ erklärte Gerst seine Motivation für die Bewerbung. Und er hat kein Problem damit, die spannende Arbeit als Geophysiker gegen die des Astronauten einzutauschen: „Mir hat meine bisherige Arbeit viel Spaß gemacht, aber wie meine Kollegin Samantha das schon einmal sehr schön ausgedrückt hat, durfte ich nun vom zweitbesten Job der Welt auf den besten wechseln.“

Die Ausbildung geht weiter

Für die Astronautenklasse 2009 geht die Ausbildung weiter. Je nach bereits vorhandener Qualifikation erfolgt jetzt eine individuelle Weiterbildung. So wird Alexander Gerst zunächst bei der Lufthansa das Fliegen lernen und anschließend bei der Nasa das Ausstiegstraining im großen Wasserbassin fortführen. Und alle warten natürlich auf ihren ersten Arbeitseinsatz im Weltraum.
Jean-Jaques Dordain hat bei der feierlichen Übergabe der Urkunden in Köln versprochen, dass jeder von ihnen fliegen wird. Alexander Gerst und seine Kollegen würden am liebsten sofort losfliegen, aber sie wissen, dass es bis dahin noch ein harter Weg, gespickt mit Ausbildung, Training und spezieller Vorbereitung ist.

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