ESA und Rosaviakosmos vereinbaren zwei weitere Foton-Flüge

ESA und Rosaviakosmos unterzeichnen für 2 weitere Foton Flüge
4 November 2003

ESA PR 73-2003. Am Dienstag, den 21. Oktober haben der ESA-Direktor für Bemannte Raumfahrt, Jörg Feustel-Büechl, und der Leiter der Rosaviakosmos-Abteilung Automatische Fahrzeuge und Bodenkontrolle, V. I. Kozlov, nach einjährigen Verhandlungen im ESA-Büro in Moskau eine Vereinbarung über den Start zweier unbemannter Foton-Kapseln unterzeichnet. Sie bildet den Rahmen für die Flüge der Kapseln Foton-M2 und Foton-M3, die wissenschaftliche Nutzlast der ESA im Gesamtgewicht von 660 kg ins All befördern sollen.

Die Übereinkunft bindet die ESA, Rosaviakosmos und zwei weitere russische Partner, die Unternehmen KBOM in Moskau und TsSKB-Progress in Samara, für mindestens drei Jahre. Der Start der Foton-M2 soll im Mai 2005, der der Foton-M3 im Herbst 2006 erfolgen.

Der Auftrag wurde am 21. Oktober unterzeichnet

Die Unterzeichnung der Vereinbarung ermöglicht den Neustart fast aller Bestandteile des Versuchsprogramms der Foton-M1, deren Start am 15. Oktober 2002 fehlgeschlagen war. Auch ein großer Teil der wissenschaftlichen Ziele der ESA im Rahmen der Mission STS-107, die aufgrund des „Columbia“-Unglücks im Februar 2003, bei dem die Mannschaft ums Leben kam und auch Versuchsproben sowie wissenschaftliche und technische Experimente verlorengingen, nicht erreicht werden konnten, kann nun doch noch weiterverfolgt werden.

Die unbemannten Foton-Kapseln, von denen die erste 1985 flog, beruhen auf der russischen Vostok-Kapsel, in der im Jahr 1961 Juri Gagarin ins All geschickt worden war. Während das Konzept der Vostok für die bemannte Raumfahrt erheblich weiterentwickelt wurde - das Ergebnis ist die heutige Sojus -, wurden die Foton-Kapseln, die vorrangig für biologische, physikalische und materialwissenschaftliche Experimente eingesetzt werden, gegenüber ihrem Vorläufer kaum verändert. Foton-Missionen dauern in der Regel zwei Wochen. Die Kapseln werden mit einem Sojus-U-Träger gestartet und kehren nach Abschluß der Experimente mit Hilfe eines Fallschirmsystems zur Erde zurück.

Zur Nutzlast der Foton-M2 gehören Experimente in den Bereichen Fluidphysik (FluidPac, SCCO) und Exobiologie (Biopan), fünf materialwissenschaftliche Experimente, die in Rußlands automatischem Ofen „Polizon“ durchgeführt werden sollen, weitere materialwissenschaftliche Experimente für den vom DLR beigestellten AGAT-Ofen, ein Technologieexperiment (Favorite) und zwei autonome Experimente (Photo-Ii und Biofilter). Zwei weitere Experimente sollen in den Hitzeschild der Foton-M2 eingebaut werden: das Wiedereintrittstechnologieexperiment Keramik und das Meteoritensimulationsexperiment Stone.

A Foton spacecraft
Visualisierung des Foton-Raumfahrzeugs

Das Büro der ESA für Bildungsmaßnahmen wird die betrieblichen Aspekte einer Reihe zusätzlicher Experimente koordinieren, die im Rahmen der Mission Foton-M2 durchgeführt werden sollen. Diese Experimente sind das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der staatlichen Luft- und Raumfahrtuniversität Samara und zahlreichen westeuropäischen Hochschuleinrichtungen. Die Universität Samara wird außerdem allen wissenschaftlichen und technischen Teams die Möglichkeit bieten, quasi in Echtzeit Informationen über die Fluglage der Foton-M2 in der Umlaufbahn und die Restbeschleunigung zu erhalten.

Die Nutzlast der Foton-M3 soll nach derzeitiger Planung drei biologische Experimente (Biobox, Kubik, Eristo/Osteo), Exobiologieexperimente (Biopan), zwei fluidphysikalische Experimente (SCCO, Gradflex), Proteinkristallisierungsexperimente, materialwissenschaftliche Experimente (Polizon), ein neues Wiedereintrittstechnologieexperiment (YES-2) sowie weitere autonome Experimente umfassen.

Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung werden die Foton-Missionen vor ihrem Start mehrere Überprüfungsphasen durchlaufen, an denen auch die ESA beteiligt sein wird. Diese Überprüfungen wurden ausgeweitet, um den Schutz vor einem Fehlstart, wie er bei der Mission Foton-M1 zu beklagen war, zu verbessern. Sie werden die Bereiche Betrieb und Sicherheit umfassen und sich darüber hinaus auf den dreistufigen Sojus-U-Träger erstrecken.

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