Ein deutsches System zur Ortung von Lawinenopfern: Galileo SAR Lawine

23 August 2007

Eine der Anwendungen des zukünftigen europäischen Satellitensystems Galileo wird im GATE-Testbed (Galileo Test and Development Environment) Berchtesgaden entwickelt.

Bei der Rettung von Verschütteten nach Lawinenabgängen kommt es bei der Suche auf jede Minute an. Obwohl heute ein Großteil der alpinen Bergwanderer bzw. Skitourengeher mit entsprechenden „Lawinenpiepsern“ ausgerüstet ist, ist die manuelle Ortung dieser Sender relativ zeitaufwändig und oft kompliziert. Ziel des mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geförderten Projektes „Galileo SAR Lawine“ ist es, im GATE Testbed Berchtesgaden ein neues System zu entwickeln, das die Verschütteten mit Hilfe der Satellitennavigation automatisch ortet und visuell darstellt.

Das GATE Testbed ermöglicht bereits heute die Positionsbestimmung anhand von Galileo Signalen, die von Sendeantennen (Pseudolites) in das Testbed abgestrahlt werden. Das Projekt soll mit Unterstützung von präziser Ortsinformation und der höheren Genauigkeit des zukünftigen europäischen Satellitennavigationssystems Galileo die Zeit für die Rettung der Lawinenopfer signifikant reduzieren und somit die Überlebenschancen von vielen Verunglückten deutlich erhöhen.

Erfahrungsaustausch mit der Bergwacht Berchtesgaden

Durch die direkte Zusammenarbeit mit den Rettungskräften der Bergwacht Berchtesgaden, dem Trainingszentrum der Bundespolizei und der bayerischen Polizei wird die technische Entwicklung des Systems unmittelbar auf die Anforderungen der Rettungskräfte ausgerichtet. Mit Galileo SAR Lawine sollen die Rettungskräfte über die genaue Position des Verschütteten informiert werden. Mit Hilfe der Satellitennavigation können diese dann schnell zu den Verschütteten geführt werden.

Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein System, das die herkömmlichen Suchmethoden ersetzt; vielmehr soll mit Galileo SAR Lawine ein Hilfsmittel für die professionellen Rettungskräfte unter Einsatz der Satellitennavigation geschaffen werden. Die wichtigste Rettungsmöglichkeit bleibt nach wie vor die sofortige Kameradenrettung, bei der unverändert die höchsten Überlebenschancen gegeben sind.

Das Projekt ist im Rahmen der Initiative „Satelliten Navigation Berchtesgadener Land“ entstanden und wird von einem Konsortium regionaler Unternehmen, Instituten und Hochschulen gemeinsam umgesetzt. Wesentliches Kennzeichen der Projektentwicklung ist die unmittelbare Zusammenarbeit mit den Rettungskräften, den zukünftigen Nutzern des Systems.

Galileo constellation
Galileo Konstellation

Das Fraunhofer-Institut für Materialwirtschaft und Logistik, IML, in Prien am Chiemsee ist für die wissenschaftliche Begleitung, Planung, Prozessgestaltung und das Projektmanagement verantwortlich. Die Firma proTime GmbH übernimmt die technische Leitung, sowie damit verbunden die Konzeption und Umsetzung der Elektronik und Software.

Das Projekt „Galileo SAR Lawine“ ist ein Beispiel für die erfolgreiche Kooperation in der Initiative „Satelliten Navigation Berchtesgadener Land“, in der kleine und mittlere Unternehmen im Zusammenwirken mit Instituten innovative Anwendungen der Satellitennavigation realisieren.

Galileo, Europas größtes Technologieprojekt, soll künftig den Bürgern Europas und weltweit einen fortgeschrittenen Ortungsdienst auf allen Ebenen und in allen Bereichen bieten.

Bis zum Ende des Jahrzehnts soll das neue Satellitennavigationssystem einsatzbereit sein. Dann werden 30 Satelliten in einer Höhe von etwa 23600 Kilometer die Erde umrunden. Von ihnen gehen höchstgenaue Signale aus, anhand derer jedermann mit einem kleinen und preisgünstigen Empfangsgerät seinen Standort auf wenige Meter genau bestimmen kann.

Weitere Informationen

Internationale Projektentwicklung (IPD)
Dipl.-Kfm. Wolf Hiller
Tel.: ++49 (0) 89 60011492
E-mail: wolf.hiller @ hiller-ipd.com

Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, IML
Dipl.-Ing.(FH) Wolfgang Inninger
Projektzentrum "Verkehr, Mobilität und Umwelt"
Tel.: +49 (0) 80 51 / 9 01 - 1 16
E-mail: inninger @ prien.iml.fraunhofer.de

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